Nockherberg "Im Idealfall gehen die Leute nach Hause und denken nach"

Maxi Schafroth ist der neue Fastenprediger beim Starkbier-Anstich.

(Foto: Florian Peljak)

Maximilian Schafroth ist neuer Fastenprediger am Nockherberg. Seit Monaten bereitet sich der Kabarettist auf diesen Auftritt vor. Ob ihm sein Debüt gelingt?

Von Philipp Crone

Seit sieben Monaten bereitet Maximilian Schafroth sich auf diesen Auftritt vor, aber er weiß trotzdem nicht, was auf ihn zukommt: wenn er am Dienstagabend auf dem Münchner Nockherberg von rechts die Bühne betritt und die vier Meter zum Rednerpult geht; wenn 540 Gäste von den Tischen zu ihm nach oben schauen, Millionen an den Fernsehern sitzen und in der ersten Tischreihe das bayerische Kabinett um Ministerpräsident Markus Söder auf seine Rede wartet.

Fastenprediger beim traditionellen Starkbieranstich der Münchner Paulaner-Brauerei, das ist Fluch und Segen in einem. Auf der einen Seite die einmalige Chance, vor laufenden Kameras, die auf den Minister draufhalten, diesem eine deftige Pointe reinzureiben, dass der Saal johlt, aber der Minister nicht. Das sind Königsmomente für den Redner. Die 45-minütige Generalabrechnung kann aber auch maximal schiefgehen. Gags, über die keiner lacht, Politiker, die aus Sicht des Publikums nicht ausreichend hart angegangen werden oder, der schlimmste Fall: die verbale Entgleisung, die zu Empörung und späterer Absetzung des Redners führen kann.

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Schafroth, ein 33-jähriger Mann aus dem Dorf Stephansried im Allgäu, mit sehr hoher Stirn, sehr vollem Resthaar und Predigerbart, wird also am Dienstag die Schritte das erste Mal gehen, nachdem die Bühnenfigur Mama Bavaria von Vorgängerin Luise Kinseher ausgeleiert war. Die Vortragende und das Publikum waren erschöpft vom jahrelangen "I bin's, eure Mama"; das allgemeine Urteil über die Rede fiel zunehmend reserviert aus. Schafroth kennt den Starkbieranstich auf dem Nockherberg als Darsteller beim Singspiel, das auf die Rede folgt. Er kennt diese einzigartige Atmosphäre mit Hunderten lauernden Menschen an den Biertischen, in allergrößter Mehrheit Männer, die sich amüsieren und vielleicht auch mal bei einer historisch treffend-prägnanten Verbalwatschn dabei sein möchten, unter der sich Söder oder Mitregent Hubert Aiwanger zu einem Lächeln winden müssen.

Schafroth arbeitete zunächst als Bankangestellter und machte nur nebenbei Kabarett; er ging dann in München in eine Schauspielschule. In den vergangenen Jahren hat er sich in der Kabarett- und Schauspielszene Bayerns etabliert. Mal hat er eine Rolle in einem Kinofilm von Marcus H. Rosenmüller, mal eine beim "Tatort"; mittlerweile spielt er sein zweites Kabarettprogramm, in dem er aus dem Allgäuer Blickwinkel in wunderbarem Schwäbisch gerne auf die Oberbayern schießt. Bei all diesen Formaten kann Schafroth vorher üben. Am Dienstag aber muss "der erste Schuss sitzen". Derzeit trainiert er, indem er vor sich die wichtigsten Politiker als Gemüse aufstellt, Söder als Kohlkopf, Katharina Schulze von den Grünen als Süßkartoffel.

Schafroth wird keine liebliche Mama Bavaria, auch kein ätzend austeilender Redner wie Django Asül, einer seiner Vorgänger. "Ich bin ich", sagt er. Im Laufe der Rede werde er schon die ein oder andere Rolle spielen, insgesamt aber er selbst bleiben: jemand, der den Auftritt einfach genießt und über die Schenkelklopferpointe hinaus eine Wirkung erzielen will. "Im Idealfall gehen die Leute nach Hause und denken nach", sagt er - ob Katharina Schulze, die bei Schafroth unter Typ nervige Schülersprecherin läuft, oder der allgegenwärtige Söder-Kumpel Hubert Aiwanger von den Freien Wählern.

Schafroth wirkt, als würde die Vorfreude gegenüber dem Unbehagen überwiegen, dort oben auf der Bühne zu stehen und in einen Raum zu sprechen, der im Laufe der Zeit immer mehr riecht wie eine Mischung aus Umkleidekabine und Bierzelt, in dem die Zuhörer hinterher ein Urteil fällen, gut oder schlecht, nichts dazwischen. Der Mann sagt über sich, dass er auf der Bühne viel aus dem Bauch mache, improvisiere - "natürlich macht das etwas mit mir, wenn der Söder zu mir hochschaut". Die Frage wird sein: Was macht es mit ihm?