StarkbierprobeDas macht den Nockherberg in diesem Jahr besonders

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Markus Söder, verkörpert von Thomas Unger, als singener Ministerpräsident: So sah die Nockherberg-Inszenierung 2025 aus.
Markus Söder, verkörpert von Thomas Unger, als singener Ministerpräsident: So sah die Nockherberg-Inszenierung 2025 aus. Sven Hoppe/dpa
  • Die Nockherberg-Starkbierprobe findet in diesem Jahr vier Tage vor den bayerischen Kommunalwahlen statt, was eine besondere Konstellation darstellt.
  • Das Singspiel trägt den Titel „Wirf das Handtuch, Lindwurm“ und soll kommunale Politik nur in homöopathischer Dosis behandeln.
  • Stephan Zinner hält als neuer Fastenprediger eine klassische Rede ohne Verkleidungen, während Bundeskanzler Merz mehr Präsenz erhalten soll.
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Derblecken und Singspiel vier Tage vor einer Wahl: Das ist eine ungewöhnliche Konstellation. Was das für die Akteure bedeutet – und für die Politiker.

Von René Hofmann

Die Veranstaltung auf dem Nockherberg ist in diesem Jahr eine ganz besondere. Eine Starkbierprobe mit Politikerderblecken vier Tage vor einer Wahl – das hat extra Würze. An diesem Mittwoch wird in der Großgaststätte der Paulaner-Brauerei auf dem Nockherberg in München von 19 Uhr an der Starkbier-Anstich mit einer Fastenpredigt und einem Singspiel zelebriert (Der BR überträgt live, die Veranstaltung ist auch auf sz.de im Stream zu verfolgen). Am Sonntag finden in Bayern Kommunalwahlen statt.

In München geht es dann auch darum, wer Oberbürgermeister bleiben oder werden darf: Dieter Reiter (SPD), Dominik Krause (Grüne) und Clemens Baumgärtner (CSU) haben die besten Chancen. So kurz vor der Abstimmung noch einmal vor einem großen Publikum auf eine große Bühne gehoben zu werden – das bietet Chancen. Aber auch Risiken.

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Die Nockherberg-Macher haben angekündigt: Die kommunale Politik werde vorkommen. Aber wohl in einer homöopathischen Dosis. Münchens Oberbürgermeister spielt im Singspiel traditionell eine Rolle. Aber seine Herausforderer?

Die präsentierten Figuren müssten schon eine gewisse Prominenz mitbringen, damit ein Resonanzboden vorhanden sei, hat Singspiel-Autor Richard Oehmann zu den Vorbereitungen sehr allgemein erklärt und als Beispiel für eine Figur, die sich deshalb nicht aufdränge, Albert Füracker genannt: Der Mann ist immerhin seit Jahren bayerischer Finanz- und Heimatminister.

Das Singspiel, das Oehmann und Stefan Betz ersonnen haben, trägt den Titel „Wirf das Handtuch, Lindwurm“. Es sei „ein bisserl magisch, a bisserl post-apokalyptisch, aber auch heldenhaft“, haben die Autoren verraten, Hubert Aiwanger würde vielleicht sagen, es bewege „sich in dem magischen Dreieck zwischen Alchemie, schwarzer Magie und Fleckentfernung“.

Bayerns Wirtschaftsminister von den Freien Wählern darf – dank des Resonanzbodens, den er bietet – als gesetzte Singspielfigur gelten. Aber selbst der gerne omnipräsente Ministerpräsident Markus Söder (CSU) muss sich sorgen, in diesem Jahr etwas in den Schatten gestellt zu werden – von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Ihm haben die Autoren nach eigenen Angaben mehr Präsenz zugeschrieben.

In turbulenten Zeiten rückt eher das große Ganze in den Fokus. Kurzfristig auf politische Großlagen zu reagieren, dafür sind sie trainiert am Nockherberg. „Letztes Jahr war nach der ersten Probenwoche Bundestagswahl, und eine gute Woche später haben sie irgendwo einen Haufen Geld gefunden, was unser Ende komplett umgeschmissen hat. Da haben wir auch darauf reagiert. Also: Wir können kurzfristig Geldkanonen organisieren“, sagt Stefan Betz mit Blick auf die vorgezogene Wahl 2025 und das Sondervermögen, das anschließend schnell beschlossen wurde.

Doch die politischen Ereignisse können auch überwältigend sein: 2022 wurde die Veranstaltung wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine abgesagt. Im Jahr darauf knüpfte Maximilian Schafroth in seiner Fastenrede daran an: Es sei unerträglich, was den Menschen in der Ukraine widerfahre, formulierte er und fügte hinzu: „Woanders gilt es als Größe und Stärke, wenn die Herrschenden unantastbar sind, sich abschotten, sich nicht kritisieren lassen und hier – schaut es euch an – sitzen sie in der ersten Reihe und lassen sich abwatschen. Das ist wahre Größe.“

Für die Passage erntete Schafroth Standing Ovations. Als sein Derblecken zwei Jahre später allzu bissig geriet, wurde er dennoch abgelöst. In diesem Jahr darf Stephan Zinner ran, der als Schauspieler, Musiker und Kabarettist viele Talente in sich trägt.

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Am Wochenende trat er mit seinem Musikprogramm „Der Teufel, das Mädchen, der Blues und Ich“ vor 200 Menschen im Schützenhaus Münchberg auf. Zum Nockherberg, von dem der Bayerische Rundfunk regelmäßig seinen zweitgrößten Quotenerfolg nach der Fastnacht in Franken sendet, wird Zinner seine Gitarren nicht mitbringen. Es ist ausgemacht, dass er eine eher klassische Rede hält. Auch auf Verkleidungen wie als Mönch oder als Mama Bavaria will er verzichten. Weil die finale Redeversion erst zum Auftritt hin entsteht, bleibt die Möglichkeit, dass aktuelle Entwicklungen einfließen.

Die Konstellation Politikerderblecken kurz vor der Kommunalwahl hätte es auch vor sechs Jahren geben können. Damals aber wurde die Veranstaltung, zu der sich gut 500 Geladene im Festsaal der Gaststätte versammeln, unmittelbar vor den Proben mit Publikum auf zunächst unbestimmte Zeit verschoben: Angesichts der aufziehenden Corona-Pandemie erschien es zu gewagt, so viele Menschen in einem Raum zu versammeln. Die Auftritte entfielen schließlich komplett. Stattdessen lief im BR ein „Kirchen-Knigge – Gotteshäuser der Weltreligionen“ und später am Abend ein Rückblick auf 70 Jahre Nockherberg-Geschichte.

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Vor zwölf Jahren waren Derblecken und Singspiel kurz nach der Kommunalwahl terminiert. Bei dieser hatte Dieter Reiter in der ersten Runde 40,4 Prozent der Stimmen gewonnen und sein CSU-Rivale Josef Schmid 36,7, worauf es zu einer Stichwahl zwischen den beiden kam. Die spielte auf dem Nockherberg eine Rolle – aber eher abseits der Bühne.

Reiter verriet im Foyer, am nächsten Abend Gespräche mit den Grünen führen zu wollen, damit die für die Stichwahl eine Empfehlung zu seinen Gunsten aussprächen. Und auch bei den CSU-Granden waren die Grünen ein Thema. Ob seine grüne Krawatte als Signal an die Partei zu werten sei, die bei der OB-Kür in der Landeshauptstadt das Zünglein an der Waage sein könnte, wurde Markus Söder – damals noch Staatsminister für Finanzen und Landesentwicklung – bei der Ankunft auf dem Nockherberg gefragt.

Seine Antwort: Um Schmid zu unterstützen, würde er auch eine grüne Unterhose anziehen. Seine Prognose: 2014 werde der Nockherberg eine Abschiedsvorstellung für Münchens scheidenden Langzeit-OB Christian Ude – „und nächstes Jahr ist dann Schmid dran“. So aber kam es nicht. Elf Tage später setzte sich Reiter in der Stichwahl mit 56,7 Prozent durch. Seitdem ist er Oberbürgermeister.

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