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Nitro-Cocktails:Perlacher Forst on the rocks

Es schäumt, es raucht, es gibt Piña Colada mit Lavendel und kühle Cocktails mit heißem Schaum: Der Australier Matthew Bax will München demnächst die vielleicht spektakulärsten Gläser auf die Theke stellen: Nitro-Drinks.

Eine Einfahrt, ein Gärtnerplatz-Hinterhof, dann geht es runter in den Keller. An den Wänden: abstrakte Kunst, Acryl auf Holz und Leinen. Die Motive: Bücherstapel, kleinformatige Blumenteppiche, mannshohe Hausschuhe. Auf dem Tisch: Pinsel, Farbtuben, Schwämme - und ein riesiges Destilliergerät, daneben ein Dutzend alter Martini-Flaschen, Gurken- und Einmach-Gläser.

"Die Leute sollen Drinks nicht nur schmecken, sondern riechen, sehen, hören, das Glas fühlen. Alle Sinne sollen angesprochen werden", sagt Matthew Bax. Er ist der Einzige auf der Welt, der das molekulare Mixen geschafft hat. Sagen Fachleute.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Willkommen im Reich von Matthew Bax! Der Australier ist Maler, ehemaliger Steuerberater und der Mann, der dieser Stadt bald die spektakulärsten Gläser auf die Theke stellen wird: Nitro-Drinks, molekulare Cocktails.

Wer verstehen will, was diesen immer etwas unruhig wirkenden Enddreißiger treibt, muss mit Experten reden: Cocktail-Fachjournalisten - was für ein Job, aber auch eine Wissenschaft für sich.

Matthew Bax, sagen die Fachmänner, ist einer der wenigen, der das molekulare Mixen geschafft hat; mit all den Maschinen, die sonst in der Pharmaindustrie benutzt werden. Und er gilt auch als der Einzige, der diese Kunst erfolgreich mit den Techniken des Fine Dining und des progressiven Kochens von Chefköchen verbunden hat. Und er war der erster Barkeeper, der zur Food-Messe "Madrid Fusion" eingeladen wurde.

Vor ein paar Jahren gab es in Deutschland einen Trend zum molekularen Mischgetränk, der sich nicht durchsetzte. Bax macht es immer noch: Cocktails, bei denen Trockeneis mit flüssigem Stickstoff aus dem Glas wabert. Es schäumt, es raucht, es gibt Piña Colada mit Lavendel: kühler Drink unten, heißer Schaum oben. Das alles nicht im gewöhnlichen Cocktail-Glas.

Man bekommt schon mal eine Bibel in die Hand, in deren Einband ein Flachmann mit dem gewünschten Drink schlummert. Oder im Tetra-Pak. Oder im Spielzeug-Style als Dosen-Telefon. Kunst im Glas, das Erlebnis Drink. Bax sagt: "Die Leute sollen Drinks nicht nur schmecken, sondern riechen, sehen, hören, das Glas fühlen. Alle Sinne sollen angesprochen werden."

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