In der berühmten Eröffnungsszene des Filmklassikers „Frühstück bei Tiffany’s“ schlendert Audrey Hepburn als Holly Golightly mit Croissant und Kaffee im Pappbecher am titelgebenden Juwelier vorbei. Es ist früher Morgen, sie hat nicht geschlafen. Schlendernde Nachteulen (manchmal mit Breze und Kaffee, gern auch mal mit einer Halben als Wegzehrung) sind am Wochenende auch manchmal in Münchner Morgenstunden zu sehen, wenn sich Clubbesucher nach einer durchtanzten Nacht auf den Heimweg machen.
Und nun kommt eine Frau Hepburn ins Schlachthofviertel. Ob Audrey oder Katherine – der Künstlernachname von Nina Hepburn klingt nach Hollywood. Die DJ und Produzentin wohnt allerdings in Hamburg, und hat sich von dort aus einen Ruf als Spezialistin für eine Melange aus Melodic House und Techno gemacht.
Am Samstag ist sie Headlinerin bei „Buntes Treiben“ im Bahnwärter Thiel im Pride Month. Vor ihr legen unter anderem Aténo und DJ Abmahnung aus Innsbruck auf, ebenso dabei sind Moritz Butschek, Brahmarella, Cvntahontas und Leonie Clara aus München. Das Motto des Abends räsoniert mit der Musik, die Nina Hepburn auflegt: Ihre DJ-Sets sind abwechslungsreich, ohne Gefahr zu laufen, beliebig zu werden. Die Tracks fließen ineinander und sorgen für selig wogendes Publikum, wenn man sich Ausschnitte aus Live-Auftritten im Internet anschaut.
Auch das noch bestehende Vorurteil, dass Coolness im Bereich der elektronischen Tanzmusik mit komplett schwarzer Kleidung, Sonnenbrille und gleichgültiger Miene gleichzusetzen ist, widerlegt Hepburn. Sie spielt ausgelassene, stellenweise heitere Sets, die der vertonte Beweis dafür sein könnten, dass Fröhlichkeit cool ist.
In Interviews sagt Hepburn über ihre Arbeit, dass sie gern ausgiebig auf verschiedenen Plattformen nach Tracks sucht, um überraschende, neue Setlists zu kreieren. Was erst mal wenig neu klingt, da die Selektion von Musik zum DJ-Job gehört, wird in ihren Sets deutlich, wenn ungewöhnliche Songfolgen und Übergänge beim Nachhören auffallen. Dies hat bestimmt auch mit ihrer jahrelangen Erfahrung in dem Beruf zu tun: Als Jugendliche war sie begeistert von den DJs, die sie in Clubs sah, und kaufte sich ein Mischpult. Nach ersten Auflegeversuchen vor Freunden und Auftritten in Bars folgte der Durchbruch im Hamburger Club Docks. Diesem und auch dem „Uebel&Gefährlich“ in ihrer Wahlheimat ist Hepburn bis heute verbunden.
Das Vorurteil, dass Frauen nicht mit Technik umgehen könne, sei ihr schon öfter begegnet
Aber auch in München war sie schon mehrmals zu Gast – beispielsweise im Harry Klein – und legt deutschlandweit und international in renommierten Clubs auf, etwa im Berliner Kater Blau. Eine weitere Spezialität von Nina Hepburn sind Festivals, von der Bucht der Träumer über Dockville und Deichbrand bis zum Tarmac.
In einem Beitrag des Reeperbahn-Festivals auf Youtube beantwortet Hepburn Fragen rund um das Arbeiten in der Branche. Bei all der Begeisterung für ihre Arbeit hört man ihr auch an, dass es noch Potenzial für mehr Diversität in der Branche gebe. „Ah echt, okay?“, sei die verwunderte Reaktion von Männern, wenn sie erzähle, dass sie produziere. Das Vorurteil, dass Frauen nicht mit Technik umgehen könne, sei ihr schon öfter begegnet.
Ein eigenes Stück von Hepburn heißt „Ninamoon“. Der träumerische Track könnte statt „Moon River“ der Soundtrack sein, zu dem nach Hause geschlendert wird.
Buntes Treiben mit Nina Hepburn, Bahnwärter Thiel, Samstag, 28.6., 17–6 Uhr, Tumblingerstraße 45

