Gastspiel:Koloraturen mit Pfiff

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Gastspiel: Tollkühne Koloraturarien haben es dem Kunstpfeifer Nikolaus Habjan besonders angetan. Bei seinem Auftritt am Gärtnerplatztheater trillert er sich durch drei Jahrhunderte Oper- und Operettengeschichte.

Tollkühne Koloraturarien haben es dem Kunstpfeifer Nikolaus Habjan besonders angetan. Bei seinem Auftritt am Gärtnerplatztheater trillert er sich durch drei Jahrhunderte Oper- und Operettengeschichte.

(Foto: Marija Kanizaj)

Nikolaus Habjan kann auch ohne seine berühmten Klappmaulpuppen: Der Grazer ist ein begnadeter Kunstpfeifer, wie er am Gärtnerplatztheater beweisen wird.

Von Jutta Czeguhn

"Herr Habjan, Sie sind der bedeutendste lebende Pfeifer" - Habjan unterbricht: "Kunstpfeifer!" - "Kunstpfeifer, natürlich." ... Ok, frei erfunden, dieser Dialog, aber Loriots berühmter Sketch drängt sich nun mal automatisch zwischen Nikolaus Habjan und sein Publikum, immer wenn der Puppenspieler, Regisseur, Schauspieler als Kunstpfeifer unterwegs ist. Wenn sie ihm dann aber zuhören, kommen die Leute rasch zu dem einzig möglichen Schluss: Dass nämlich Loriots glatzköpfiger Herr Meckelreiter, der schon vor dem obersten Sowjet und Königin Elisabeth gesungen haben will, eine totale Pfeife ist gegen den begnadeten Habjan. So wird es auch im Gärtnerplatztheater wieder sein, wo der Grazer am Sonntag, 23. Januar, von 11 Uhr an stolze eineinhalb Stunden lang Luft durch Zähne und Lippen schießen lässt. Im Metier der einst sehr populären Pfeifkunst hört sich das nach einer Atemleistung von Wagnerschen Dimensionen an.

Nikolaus Habjan wird, was sich am Gärtnerplatz sonst niemand herausnehmen darf, "auf die Oper pfeifen". Das hat man ihm bereits im Wiener Konzerthaus und sogar in der Elbphilharmonie gestattet. Gepfiffen hat Habjan, Jahrgang 1987, lange schon bevor er zusammen mit seinen selbst gefertigten großen Klappmaulpuppen zum Ereignis wurde auf den großen Bühnen, wie dem Wiener Burgtheater, dem Münchner Residenztheater oder der Bayerischen Staatsoper. Lange bevor so etwas wie der Nestroy-Preis, den er 2012 für seine Produktion "F. Zawrel - erbbiologisch und sozial minderwertig" erhielt, überhaupt in Sichtweite kam. Der Opa, hat Habjan einmal erzählt, sei ein guter Pfeifer gewesen, das habe ihn als Kind so gefuchst, dass er übte, übte, übte, bis irgendwann die Tonleiter da war. Und die Liebe zur Musik, zur Oper sowieso. Habjan hat Musiktheaterregie in Wien studiert und 13 Jahre lang Geige gelernt. Nur das mit dem Singen kappte nicht so.

Trillern wie die Bartoli

Dafür kann Habjan nun pfeifend in alle Rollen schlüpfen, sich mühelos hinauftrillern zu Calafs "Vintschäääääro", sein Faible für Koloraturen nach Herzenslust ausleben in den Spitzentönen der "Königin der Nacht" oder Rossinis Cenerentola bei "Non più mesta" klingen lassen, als hätte sich Cecilia Bartoli in eine Piccoloflöte verwandelt. Es sind diese tollkühnen Arien, die es dem Künstler besonders angetan haben. Bei der Matinee im Gärtnerplatztheater pfeift sich der Künstler durch drei Jahrhunderte Opern- und Operettengeschichte, vom Barock bis zur Romantik. Und ist auch gleich sein eigener charmanter Conférencier. Begleitet wird Nikolaus Habjan von Ines Schüttengruber (Cembalo, Klavier), Nikolai Tunkowitsch (Violine), Asja Valcic (Violoncello) und Helmut Thomas Stippich (Akkordeon, Harmonika).

Nikolaus Habjan, "Ich pfeife auf die Oper", So., 23. Jan., 11 Uhr, Gärtnerplatztheater, Karten unter www.gaertnerplatztheater.de.

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