Niedrige Wahlbeteiligung Warum vielen Münchnern die Wahl egal ist

Sonnenbaden statt Urnengang: Zwei Drittel der Münchner haben nicht gewählt.

(Foto: dpa)

Isar statt Urne: Zwei Drittel der Wahlberechtigten in München haben sich gar nicht die Mühe gemacht, ihre Stimme abzugeben. Die Grundhaltung "egal" scheint sich zu etablieren - und hat vor allem einem geschadet.

Ein Kommentar von Christian Krügel

Was war das doch für ein schöner Sonntag! Wolkenloser Himmel, 18 Grad im Schatten, Frühsommer an der Isar und höchste Zeit für die erste Maß am Chinesischen Turm. München im Frühling - einfach herrlich! War da noch was? Ach richtig, eigentlich hätten die Münchner am Sonntag darüber entscheiden sollen, wer diese Stadt in den kommenden sechs Jahren regiert. Aber wer setzt sich schon freiwillig in eine dunkle Turnhalle, um abzustimmen, wenn draußen die Sonne strahlt?

So wenig Münchner wie nie zuvor nahmen ihre Verantwortung als Wähler ernst und stimmten über den neuen Oberbürgermeister ab. Die Wahlbeteiligung ist auf ein neues historisches und beschämendes Tief gesunken: 38,5 Prozent. Daran ist gewiss auch das traumhafte Frühlingswetter schuld. Es zeigt aber vor allem, dass einem Großteil der Wahlberechtigten offenbar einfach egal ist, wer sie regiert.

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Grundhaltung: egal

Gewiss waren Dieter Reiter und Josef Schmid keine Kandidaten, die die Massen elektrisieren. Sie blieben trotz fleißigen Wahlkampfs für viele farblos, nicht greifbar, unbekannte Köpfe aus dem inneren Kreis der Münchner Rathauspolitik. Zudem musste man die Unterschiede in ihren Programmen schon mit der Lupe suchen. Und weil es schwer fiel, sich für einen von beiden zu entscheiden, ließen es zwei Drittel lieber gleich bleiben.

Sich nicht entscheiden wollen - dahinter steht eine Grundhaltung, die die Münchner auch schon bei den Entscheiden zur dritten Startbahn und zu Olympia gezeigt haben: "Ist doch eh egal!" Tatsächlich geht es ja den meisten auch ganz gut mit oder ohne Reiter/Schmid. Für viele regelt in dieser Stadt der Markt und das Geld das Leben, der Chef eines Dax-Unternehmens ist wichtiger als der Chef des Rathauses. Wer aber in diesem teuren München nur mit Mühe zurecht kommt, hat offenbar dringendere Probleme als politische Teilhabe.

Besonders bitter ist die niedrigere Wahlbeteiligung für Josef Schmid. Er war früher und intensiver als andere durch die Stadtviertel getourt und hatte das Gespräch mit den Bürgern gesucht - für seine Wahl konnte er sie aber doch nicht mobilisieren. Er ist auf Schwule und all diejenigen zugegangen, für die die CSU immer unwählbar war. Letztlich blieb vielen aber seine Partei verdächtig: Einen Oberbürgermeister Schmid konnten sich viele vorstellen, einen CSU-Oberbürgermeister nicht. Und die Kraft der angeblich so starken Volkspartei reicht nicht aus, um in München genügend Menschen zu begeistern.