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Nicolas Masson in der Unterfahrt:Heiter bis wolkig

Der Schweizer Saxofonist Nicolas Masson in der Unterfahrt

Von Ralf Dombrowski

Vor ein paar Tagen stieg die Saxofonistin Tineke Postma in Amsterdam in den Flieger, um für ein Duo-Konzert nach Germering zu kommen. Während des Fluges wurden die Hygieneregeln geändert. Als sie in München ankam, musste sie in Quarantäne, und ihr Partner Florian Arbenz spielte ein Solo-Schlagzeugkonzert. So selbstverständlich ist es also nicht, dass eine Band aus dem Ausland in München auf der Bühne steht. Weder für die Veranstalter noch für das Publikum und die Musiker selbst. Glücklich sei er, sagte Nicolas Masson in der Unterfahrt, dass er hier mit seinem Quartett spielen könne. Das sei auch für sie selbst etwas Besonderes, weil Gemeinsamkeit inzwischen rar werde.

Derart inspiriert sorgten der Schweizer Saxofonist und seine langjährigen Band-Gefährten dafür, dass aus den zwei Kompaktkonzerten musikalische Momente wurden, für die sich der ganze Aufwand lohnte. Sie hatten neue Stücke dabei, was aber kaum einen Unterschied zu bewährtem Repertoire machte, weil die Dramaturgie des Konzerts das akustische Erleben als Ganzes im Blick hatte. Masson selbst, der Pianist Colin Vallon, der Bassist Patrice Moret und der Schlagzeuger Lionel Friedli verstanden ihre Musik als eine Wolke vernetzter Impulse um gliedernde Themen und Elemente, die in laufende Rhythmen ebenso mündeten, wie in freie Kommunikation mit klangräumlichen Effekten. Vor allem Vallon und Friedli lösten die Linearität gerne in Felder auf, im finalen "Voodoo" etwa bis an die Grenze trancehafter Entrückung von der Form.

Da diese Gestaltungsmethode aber auf Komposition, nicht Dekonstruktion beruhte, lenkten die Stücke nach Intensitätsspitzen wieder in Motivisches ein, führten zu transparenten kammerjazzigen Passagen, Sound-Assoziationen, melodischen Ankern. Im Kern ging es um diesen Fluss der Gegenseitigkeiten, und damit um das, was die Bühne als Klangort ausmacht. Das Masson Quartet hat es genossen und das Publikum mit ihm.

© SZ vom 28.09.2020

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