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Nicolas Cage und das Schloss-Inventar:Ausverkauf deluxe

Nicolas Cage hat ein Schloss in der Oberpfalz gekauft - vor dem Einzug versteigern die Verkäufer das Inventar.

Der weise König Salomo und die Königin von Saba gehen mit Nummer 210 ins Rennen. Eingewirkt in einen Wandteppich, eine gut erhaltene Tapisserie aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, begrüßt Salomo die Königin und ihr Gefolge in Jerusalem.

Insgesamt 450.000 Euro ließen sich Sammler die Antiquitäten aus Schloss Neidstein in der Oberpfalz kosten. In das Gemäuer soll laut Medienberichten Schauspieler Nicolas Cage einziehen. Versteigert wurden die 291 Stücke im Schwabinger Auktionshaus Neumeister.

(Foto: Foto: Heddergott)

Michael Scheublein spricht kaum ein Gebot aus, schon reckt der nächste Bieter seine rote Karte dezent in die Höhe: "16.000, 17.000, 20.000", ruft Scheublein ins Mikrofon, ohne auch nur "zum ersten" oder gar "zum zweiten" Mal mit seinem Hämmerchen zu klopfen. Scheublein ist Auktionator im Schwabinger Auktionshaus Neumeister.

Heute bringt er das Inventar von Schloss Neidstein unter den Hammer. Dort soll bald ein neuer Bewohner einziehen, der sein eigenes Mobiliar mitbringt. Hollywood-Schaupieler und Oscar-Preisträger Nicolas Cage zieht in das Schloss nahe Etzelwang in der Oberpfalz.

Er soll das Gebäude, dessen Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen, im Frühsommer von den Erben des letzten Eigners aus dem Hause von Brand gekauft haben.

Kein einziges Mal Krempel

Michael Scheublein versteigert deshalb edles Porzellan, Gemälde, Stühle, Schränke, Spiegel, Uhren - und eben Teppiche. 291 Mal Kunst, kein einziges Mal Krempel. Auktionshäuser wie Neumeister rufen zur Schnäppchenjagd deluxe.

Die Bieterin mit der Nummer 259 ist verunsichert. Gerade hat sie um einen Spiegel mitgeboten, die Karte lange Zeit nach oben gereckt. Ob sie den Zuschlag bekommen habe, will sie nun wissen, und zu welchem Preis. Seit Jahren geht sie auf Auktionen, informiert sich über Kataloge, welche Stücke in ihre Sammlung passen könnten.

Ob nun aus Schloss Neidstein oder nicht, das spiele für sie keine Rolle. Zehn Minuten später hat sie die Bestätigung - ein wenig Pech im Glück: Bald kann sie sich antik spiegeln, der Preis war jedoch höher als erhofft. Jetzt sucht sie den Gatten, der gleich Teppiche ersteigern will.

"Sehr gut" laufe die Auktion, sagt Inge Behrens, die während der Versteigerung die Verträge abschließt. 120 Auktions-Nummern pro Stunde seien normal, aber heute seien es weit mehr.

Sammlungen und Inventare aus Schlössern ziehen viele Kunden an - und auch der Hauch von Hollywood, der die "Auktion 333, Teil I" umweht. Der drei- bis vierfache Schätzwert sei beim Zuschlag keine Seltenheit, sagt Inge Behrens. 450.000 Euro werden Bieter am Ende in ihre Leidenschaft investiert haben.

Viele Kaufinteressenten geben ihre Gebote per Telefon ab. Im Auktionsraum selbst konkurrieren private Sammler mit Händlern. Alle blättern geschäftig im Katalog, bewahren aber eine nüchterne Fassade. Karl Halter steht im Vorraum der Auktion und hat die Leinwand im Blick, auf die Katalognummer für Katalognummer mit Fotografie projiziert wird.

Eigentlich handelt Halter mit exklusiven Bilderrahmen, doch auch Antiquitäten bringt er an den Kunden. Guter Durchschnitt sei die heutige Auktion für ihn. Erstanden hat er einen "Tischzappler", eine goldene Uhr aus Süddeutschland, die wohl nicht den eigenen Schreibtisch zieren wird.

Lohnend für Händler seien vor allem Stücke, die wie diese Uhr leicht beschädigt sind und so für Sammler weniger interessant, sagt Halter.

Der Salomo-Teppich bleibt das begehrteste Stück aus Schloss Neidstein. 12.000 Euro gibt der Katalog als Schätzpreis an. Erst bei 30.000 Euro kommt Auktionator Scheublein "zum Dritten", der Bieter mit der Nummer 1246 erhält den Zuschlag.