Neuschwanstein als Lego-Modell Traumschloss aus Plastik

Schloss Neuschwanstein als Lego-Set? Wenn es nach Thilo Schön aus München geht, steht sein Modell aus 4300 Steinen schon bald in allen Spielwarenabteilungen. Ein Gespräch über Leidenschaft, Lego-Fans und seinen Anteil am Gewinn.

Von Andrea Lindner

Thilo Schön, 43, hat einen Traum: Eines Tages soll sein Schloss Neuschwanstein im Schaufenster des Lego Stores in den Riem Arcaden stehen. Auf der Internetplattform "Lego Cuusoo" hat der Programmierer ein Modell des berühmten Bauwerks eingestellt. Findet er 10.000 Unterstützer, prüft Lego die Produktion eines offiziellen und weltweit verkauften Sets. Bislang hat er jedoch erst 674 Unterstützer.

SZ: Herr Schön, sind Sie nicht ein wenig zu alt, um mit Lego zu spielen?

Thilo Schön: Ich spiele ja nicht mit Lego, ich entwerfe Modelle. Dafür braucht man viel Fantasie und technisches Verständnis. Einige wundern sich anfangs tatsächlich über mein Hobby. Aber wenn sie dann hören, dass ich damit auch Geld verdiene, tun sie das nicht mehr.

Sie verdienen Geld mit Lego-Steinen?

Ich habe 2009 den Modellwettbewerb eines Schiffbau-Unternehmens gewonnen. Daraufhin durfte ich weitere Schiffe nachbauen. So hat meine Leidschaft für Lego eigentlich angefangen. Sollte Lego sich nun für eine Produktion von Schloss Neuschwanstein entscheiden, bekomme ich eine Gewinnbeteiligung von einem Prozent. Viel wichtiger ist für mich ist aber die Anerkennung der anderen Fans im Internet.

So fing alles an: Thilo Schön 2009 mit seinem Gewinner-Schiff bei einem Wettbewerb. Danach bekam er erste Aufträge

(Foto: privat)

Was sind das für Menschen?

Viele von uns sind schon längst erwachsen. Man spricht von sogenannten "Adult Fans of Lego". Kinder können sich die teuren Modelle im Normalfall nicht leisten.

Warum haben Sie ausgerechnet das Schloss Neuschwanstein ausgewählt?

Ich habe mir ein Bauwerk gesucht, das möglichst viele kennen, auch im Ausland. Und als Bayer wollte ich natürlich etwas aus der Heimat, da schien mir Schloss Neuschwanstein einfach am vielversprechendsten. Das Taj Mahal und die Londoner Tower Bridge gibt es ja auch schon.

Und dann haben Sie sich einfach mit einem Berg Lego-Steine hingesetzt und das Schloss gebaut?

Nein, so einfach ist das nicht. Das Modell beschäftigt mich schon seit zwei Jahren. Am Anfang habe ich mir ganz viele Fotos von Neuschwanstein angeschaut. Ich habe dann angefangen, ein Modell mit dem Programm "Lego Digital Designer" zu entwerfen. Das ist erstaunlich einfach - und wenn man dann fertig ist, kann man sich alle verwendeten Steine nach Hause liefern lassen. Bei mir waren das 4300 Stück, und das war ganz schön teuer: Über 250 Euro hat mich das gekostet.

Klingt nach einer Menge Arbeit . . .

Die Schritte an sich sind einfach. Irgendetwas zu bauen, ist ja auch kein Problem. Aber ich musste ein real existierendes Schloss realistisch nachbauen, da sitzt man schon einige Wochen am Computer.

Nehmen wir an, Sie finden 10 000 Unterstützer: Wie geht es dann weiter?

Die Lego-Designer prüfen das Modell dann sehr genau. Es darf zum Beispiel nicht zu kompliziert sein, aber auch nicht zu einfach. Eventuell verändern sie etwas, aber am Ende zählt auf jeden Fall die Idee.

Wie viel würde das Schloss dann kosten?

Ich denke, da kann man sich ungefähr an der Tower Bridge orientieren, die kostet etwa 220 Euro. Das ist es Fans bestimmt wert, mein Modell ist durchaus kompliziert und somit eine Herausforderung. Ich zum Beispiel habe eine Woche gebraucht, um die 4300 Steine zu verbauen.

Sie meinen, dass es so viele Fans gibt, die genauso viel Zeit haben?

Für die wird es ja eine Anleitung von Lego geben. Das macht die Sache natürlich einfacher.