Neuried/Fürstenried Vorbehalte gegen die Verdichtung

Neuried verfolgt kritisch die Bauprojekte auf Münchner Grund an der Appenzeller Straße

Von Johannes Korsche, Neuried/Fürstenried

Nachdem bereits die Fürstenrieder auf ihrer Bürgerversammlung im Mai und die Bürgerinitiative "Pro Fürstenried" die Pläne zur Nachverdichtung im Gebiet der Appenzeller Straße kritisiert hatten, kommen nun auch von der Gemeinde Neuried ähnliche Töne. "Unausgegoren" sei der Bebauungsplan, sagten mehrere Gemeinderäte im Bau- und Umweltausschuss. Befürchtet werden negative Auswirkungen wegen der etwa 600 neuen Wohnungen direkt an der Gemeindegrenze - vor allem durch mehr Verkehr und weniger Parkplätze. Allgemein sind "die Belange der Gemeinde Neuried im Zuge des interkommunalen Abstimmungsgebots nicht ausreichend gewürdigt worden", bemängeln die Neurieder. Auch die Kommunikation mit der Gemeinde kritisiert Bürgermeister Harald Zipfel (SPD) deutlich: "Das Vorgehen ist sehr merkwürdig."

Ausgangspunkt für diese Kritik ist der verspätete Eingang der Unterlagen bei der Gemeindeverwaltung. Erst am 22. Juni habe man die Unterlagen erhalten, berichtet Bauamtsleiterin Dagmar Hasler. Nur 13 Werktage später, am 10. Juli, müsse die Stellungnahme der Gemeinde eingereicht sein. "Eine Verlängerung der Frist war aber nicht möglich", sagt Hasler. Gerade bei einem Bauvorhaben, das sich deutlich auf die Gemeinde auswirken werde, sei das zu knapp. "Die Gemeinde Neuried behält sich daher vor, in weiteren Verfahrensschritten auch Anregungen vorzubringen", heißt es nun in der Stellungnahme des Ausschusses.

Dabei hat die Gemeinde schon nach wenigen Tagen einige Kritikpunkte gefunden. Unter anderem beim Dauerthema Verkehr. Der Zuwachs von 600 Wohnungen bedeute 2000 Kfz-Fahrten mehr am Tag. Mit erheblichen Auswirkungen vor allem auf die Ammersee- und die Münchner Straße sowie die Staatsstraße und die Kreisstraße M 4. Daher fordert die Gemeinde im Zuge der Planungen "detaillierte Verkehrsuntersuchungen".

Eng verbunden mit der erwarteten Zunahme von Verkehr ist die Befürchtung, dass die Neu-Fürstenrieder auf Parkplätze in Neuried ausweichen. Die Aufstockung der Gebäude im Gebiet der Appenzeller Straße schaffe zwar neue Wohnungen, aber keine neuen Tiefgaragenplätze. Zudem "fallen durch Schaffung neuer Bauräume heute oberirdisch vorhandene Parkplätze weg." Die Parksituation in den Neurieder Straßen bewerten die Gemeinderäte schon jetzt als "kritisch". Ein Parkplatzkonzept der Stadt München sei daher "unabdingbar", so die Neurieder.

Platznot erwarten die Gemeinderäte auch in den Grundschulen. Eine Veränderung des Schulsprengels sei immer wieder vorgekommen, weshalb sie nicht auszuschließen wollen, dass in Zukunft auch Münchner Kinder der Neurieder Grundschule zugewiesen werden. Trotz des Anbaus an die Neurieder Grundschule vor mehr als zehn Jahren könne die Schule derzeit aber kaum noch zusätzliche Schüler aufnehmen. Kinder aus benachbarten Gebieten können dementsprechend "unter Umständen nicht aufgenommen werden." Genauso argumentieren die Neurieder auch in Bezug auf ihre Kindertagesstätten. Die Nachverdichtung in Fürstenried darf "nicht zu einer finanziellen Belastung der Gemeinde Neuried durch notwendige Erweiterungsmaßnahmen pädagogischer Einrichtungen führen."

Eine weitere Befürchtung ist, dass die Freizeiteinrichtungen in der Gemeinde, wie beispielsweise die Skater-Anlage, das Jugendhaus oder der Sportpark, noch stärker genutzt werden. Diese werden schon heute, "nicht immer zur Freude der Nachbarn, gut angenommen". Auch hier sei die Grenze der Belastung erreicht; noch mehr sei "für die Gemeinde nicht zu bewältigen". Die Stadt München solle daher selbst Anlagen für die neuen Bewohner schaffen, fordern die Neurieder. Eine öffentliche Erörterung der Nachverdichtungspläne findet am kommenden Dienstag, 11. Juli, von 19 Uhr an im Bürgersaal Fürstenried, Züricher Straße 35, statt.