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Neuried/Planegg:Grüße aus dem Hambacher Forst

An die 300 Menschen protestieren bei einer Demo der Bürgerinitiative "Rettet den Würmtaler Wald" gegen den Kiesabbau in der Region

Werden die Wälder rund um die Würmtal-Gemeinden zu einem zweiten Hambacher Forst? Das jedenfalls wünschen sich die Veranstalter einer Demonstration, die am Sonntagmittag trotz widrigen Wetters rund 300 Bürger zusammen brachte - wohl die größte Demonstration der vergangenen Jahre im Würmtal. Die Menschen demonstrierten am Rand des Forst Kasten in Neuried gegen die zunehmende Zerstörung ihrer Wälder und Frischluftschneisen. Als Verursacher sehen sie hauptsächlich den Kiesabbau der Gräfelfinger Firma Glück. Das Motto der Veranstalter der neuen überregionalen und überparteilichen Bürgerinitiative "Rettet den Würmtaler Wald": Wald erhalten statt Kiesabbau. Symbolisch wurde dazu eine kleine Eiche aus dem Hambacher Forst im Kohlerevier von Nordrhein-Westfalen in der Nähe des Waldkindergartens Neuried gepflanzt - so wie Tage zuvor eine Gautinger Eiche im Hambacher Forst gesetzt worden war.

Dass das Würmtaler Dauerthema Kiesabbau jetzt plötzlich so virulent wird, hat zwei Gründe: Zum einen geht es um 42 Hektar Wald der Heilig-Geist-Stiftung nahe Neuried, die, zusätzlich zum bestehenden Kiesabbau gefährdet sind - das Projekt wurde jetzt europaweit ausgeschrieben. Dazu kommt ein völlig neues Gebiet, das ausschließlich von Glück ausgekiest werden soll: 24 Hektar der so genannten Dickwiese im Planegger Holz nahe Maria Eich und zwischen Planegg und der Lindauer Autobahn bei Germering gelegen. Beide Flächen sind gern besuchte Naherholungsgebiete erster Güte - auch wenn Sprecher von Glück gerne vom "Stangerlwald" sprechen. Und beide Gebiete sind Teile des eigentlich streng geschützten Regionalen Grünzugs um die Landeshauptstadt München. Die Stadt Germering hat sich bereits negativ geäußert, und in Planegg wird es nach der Sommerpause dazu eine Sondersitzung des Gemeinderats geben.

Die Sorge um den Wald hat hunderte Demonstranten am Sonntag auf die Straße gebracht.

(Foto: Robert Haas)

"Verantwortungslos" nannte der erste Redner, Neurieds Bürgermeister Harald Zipfel (SPD), das Vorhaben. Er verwies unter anderem darauf, dass es "kaum mehr Verfüllmaterial" gebe: Die Bürger müssen jetzt mit ihrem Protest am Ball bleiben." Christian Hierneis, Vorsitzender des Bund Naturschutz und Landtagsabgeordneter der Grünen, hängte das Thema ganz hoch auf: "Es geht um Arten, Klimaschutz, Naturschutz und letztlich um die Lebensqualität der Bürger im Würmtal."Die Erhaltung der Wälder sei eine "gesamtgesellschaftliche Aufgabe". Laut der Bayerischen Verfassung seien Bannwälder "unersetzlich", das treffe auch auf den Regionalen Grünzug zu. Es gehe nur noch um Gewinnmaximierung. Hierneis machte auch dem Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) einen Vorwurf. Als Mitglied der Heilig-Geist-Stiftung habe er großen Einfluss: "Herr Oberbürgermeister, stoppen Sie die Waldzerstörung im Würmtal", rief Hierneis unter großem Applaus der Zuhörer. Der Expansionsdrang der Landeshauptstadt, das "ungebremste Wachstum" sei letztlich die Ursache für die Naturzerstörung: "Die Region München braucht keine neuen Arbeitsplätze, was wir jetzt brauchen ist eine gute Regionalplanung."

Sehr anschaulich stellte der Planegger Gemeinderat Herbert Stepp von der "Grünen Gruppe 21" den Sachstand dar. Auf einer Schautafel erläuterte er die bereits erfolgten Auskiesungen im Würmtal und die nun beantragten. Es zeigte sich aus der Vogelperspektive ein erschreckendes Bild einer löchrigen Landschaft. Stepp rechnete den zu erwartenden täglichen Lkw-Verkehr quer durch Planegg auf der Germeringer Straße und anderen Straßen des Würmtals vor und kam auf eine Summe von zusätzlichen rund 400 Schwerlastern pro Tag, alle "hundert Sekunden einer". Die Zusicherung von Glück, der Verkehr würde über die Autobahn ablaufen, sei unrealistisch: "Denn viele der Kies-Laster kommen von auswärts."

Als Zeichen der Solidarität pflanzten die Würmtaler eine Eiche aus dem Hambacher Forst in der Nähe des Waldkindergartens Neuried.

(Foto: Robert Haas)

Anschließend wurde die von den Initiativen "Parents for future" und "Scientists for future" gespendete Buche gepflanzt. Ein Gedenkstein weist auf die symbolische Bedeutung des Baumes für den Erhalt der Natur hin. (Näheres unter www.rettet-den-würmtaler-wald.de).