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Neuperlach:Urbanes Zentrum am Stadtrand

Auf dem Hanns-Seidel-Platz wird an der neuen Mitte des Viertels gebaut. Die vierstöckige "Perlach Plaza" umfasst Wohnungen, Grünflächen, Einzelhandel und Gastronomie

Von Kilian Beck, Neuperlach

Über dem Hanns-Seidel-Platz streckt ein Autokran seinen Arm 50 Meter weit in eine Baugrube hinein. Am Ende des Armes rauscht via Schlauch flüssiger Beton auf eine Fläche hinab. "Dort kommt der Bio-Supermarkt hin", sagt Peter Fritsche, Geschäftsführer der Immobilienfirma Concrete Capital. Im März 2019 hat der Aushub der 16 Meter tiefen und 250 Meter langen Baugrube begonnen. Im März 2020 haben die Arbeiter das Fundament gegossen, danach den Rohbau begonnen. 7500 Tonnen Stahl müssen noch verbaut werden, bis die "Perlach Plaza" 2022 fertig wird - und auch die ist nur ein Teil des Großvorhabens, am zentralen Neuperlacher Platz endlich die Jahrzehnte bestehende Baulücke zu schließen.

Baustellen-Studium: Die Pläne für das Großprojekt Perlach Plaza des Münchner Investors Concrete Capital wollen gründlich gelesen werden. Schließlich entstehen hier 8500 Quadratmeter Wohn-, 13 000 Quadratmeter Gewerbe- und 13 600 Quadratmeter Grünflächen. Und eine Tiefgarage auch noch.

(Foto: Catherina Hess)

Für den Investor aus der Münchner Innenstadt ist die Perlach Plaza ein Projekt, das auf dem ehemals als Parkplatz genutzten Areal Wohnungen, Grünflächen, Einzelhandel und Gastronomie zur "neuen Mitte Perlachs" vereinen soll. Damit konkurriert Peter Fritsche ein Stück weit mit dem seit vielen Jahren etablierten Pep-Einkaufszentrum auf der anderen Straßenseite. Der Geschäftsführer steht beim Baustellen-Termin auf gegossenem Betonboden acht Meter unterhalb der Thomas-Dehler-Straße. "Hier kommt die Tiefgarage für den Einzelhandel hin", sagt er. "Die wird über eine Rolltreppe angebunden." Ein Stockwerk unter ihm soll die Tiefgarage in die Tiefe hinab fortgesetzt werden. "Eigentlich versucht man immer, ein drittes Untergeschoss wegen der Kosten zu vermeiden, aber wir brauchen die Parkplätze", sagt er, während ihn das Kreischen einer Flex fast übertönt. Und beim Verlassen der Baustelle zeigt er auf ein rechteckiges Loch am Rande der Baugrube. "Das ist unser U-Bahn-Zugang, der im ersten Untergeschoss herauskommen wird." Der Tunnel endet in der U-Bahn-Station Neuperlach-Zentrum.

Perlach Plaza

Gestalterisch hat sich das Architekturbüro "Alleswirdgut" an den Bögen über manchen Läden in der Innenstadt orientiert. Simulation: Concrete Capital

Während das erste Untergeschoss des Neubaukomplexes nur für Einzelhändler reserviert ist, sollen ins Erdgeschoss auch Gastronomen einziehen. Auch hinsichtlich der Größe ist beabsichtigt, die Geschäfte unterscheidbar zu machen: "Wir bieten Flächen bis runter zu 50 Quadratmetern an." Bisher kann Fritsche eine Bio-Supermarkt- und eine Discounter-Kette als Einzelhändler benennen. Man habe bei Concrete Capital darauf geachtet, dass die Einzelhändler der Perlach Plaza in keiner direkten Konkurrenz zu denen im Pep-Einkaufszentrum auf der anderen Straßenseite stünden, erklärt er.

Peter Fritsche ist Geschäftsführer der Concrete Capital auf der Baustelle.

(Foto: Catherina Hess)

Die Perlach Plaza besetzt nicht den ganzen Platz: Sie wird als eines von vier Bauprojekten ungefähr ein Drittel des Hanns-Seidel-Platzes füllen. Für das städtebauliche Projekt unter dem Titel "Kulturquadrat" haben sich zwei Immobiliengesellschaften mit der Gewofag und der Stadt zusammengetan, um die ehemalige Brachfläche zu nutzen. Auf dem gesamten Hanns-Seidel-Platz sollen Sozial- und Mietwohnungen, Gewerbe- und Grünflächen sowie ein Kulturzentrum entstehen. An der Südost-Ecke des Platzes stehen bereits zwei Häuser mit bereits verkauften Eigentumswohnungen.

Groß angelegte Aufwertung

Auf dem Hanns-Seidel-Platz entsteht seit 2017 das Kulturquadrat. Grün- und Gewerbeflächen, Sozial-, Miet- und Eigentumswohnungen sowie ein Kultur- und Bürgerzentrum sollen Neuperlachs Mitte aufwerten. Das vorgesehene Kultur- und Stadtteilzentrum befindet sich noch in der Planungsphase, dort sollen im Rahmen eines nach wie vor ambitionierten Projekts unter anderem ein Multifunktionsraum für bis zu 500 Gäste und eine Vollgastronomie unterkommen. Die Stadtrats-Vollversammlung Ende Juli hat dies noch einmal bestätigt und Forderungen des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach weitgehend aufgenommen. In der Südostecke des Platzes stehen bereits zwei Häuser des Grünwalder Immobilienunternehmens BHB mit 174 Eigentumswohnungen. Im Nordosten errichtet die städtische Gewofag 140 Sozialwohnungen. 111 Mietwohnungen und 104 Studenten-Apartments wird die Münchner Concrete Capital in ihr Perlach-Plaza-Projekt integrieren. Die Plaza allein kostet circa 250 Millionen Euro. Sie wird 8500 Quadratmeter Wohn-, 13 000 Quadratmeter Gewerbe und 13 600 Quadratmeter Grünflächen sowie eine Tiefgarage realisieren. 2022 soll die Plaza fertig sein. kibe

Das Hauptgebäude der Perlach Plaza wird ein vierstöckiger Bau mit drei Flügeln, die einem Park im Zentrum des Kulturquadrats zugewandt sind. Im Nordflügel will eine Hotelkette vom zweiten Stock an ein Drei-Sterne-Hotel einrichten. Architektonisch hat sich das Wiener Architekturbüro "Alleswirdgut" an den Bögen über manchen Läden in der Innenstadt orientiert. "Wir glauben, dass München immer weiter wächst, und wollten uns deshalb am Zentrum orientieren", meint Fritsche - ihm schwebt sozusagen ein urbanes Zentrum am Stadtrand vor. Als Vorbau des zweiten Stockwerks ist zwischen den Gebäuden ein begrünter Ruhebereich auf einer Plattform geplant. "Damit wollen wir Wohnen und Einkaufen etwas entkoppeln", erklärt Fritsche. Auf dem gesamten Gelände sollen 13 600 Quadratmeter an begrünten Freiflächen entstehen. In den beiden übrigen Flügeln wird Concrete Capital 111 Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen zwischen 30 und 130 Quadratmetern vermieten. "Auf Mietpreise können wir uns jetzt noch nicht festlegen, dafür ist es noch zu früh", antwortet Fritsche auf Nachfrage.

Auf dem Dach des Komplexes sollen Gärten Treffpunkte für die Hausgemeinschaft werden. Am südlichen Ende des Komplexes an der Von-Knoeringen-Straße wird ein Studentenwohnheim mit 104 Ein-Zimmer-Apartments errichtet. "Eines ist ungefähr 20 Quadratmeter groß", sagt Fritsche. Das Unternehmen sei gerade noch auf der Suche nach einem Betreiber und könne auch dafür noch keine Mietpreise benennen, erklärt der Immobilienökonom.

Ins Erdgeschoss des Wohnheims soll eine Fahrradwerkstatt einziehen - als Teil des Nachhaltigkeitskonzeptes der Perlach Plaza. "Wir setzen hier auf zwei Säulen - Geothermie und nachhaltige Mobilität", erklärt Fritsche. Konkret bedeutet das die Installation von 45 Elektroauto-Ladestationen in der Tiefgarage, Car- und Bike-Sharing-Angebote und einen direkten Zugang zur U-Bahn. "Die Geothermie, werden wir nutzen, um unseren Normalverbrauch für die Heiz-und Kühlanlagen zu decken", so Stefan Buberl, Technischer Leiter bei Concrete Capital. So müsse man nur bei Spitzenverbrauch auf die herkömmlichen Fernwärme- und Kühlanlagen zurückgreifen.

© SZ vom 10.08.2020

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