Neuperlach Unter einem Dach

Im Perlach-Stift ist Platz für 81 Senioren und 32 Kinder. Pflegezentrum und Tagesstätte haben inzwischen eröffnet.

(Foto: Catherina Hess)

Im Perlach-Stift am Gerhart-Hauptmann-Ring sind ein Altenpflegezentrum und eine heilpädagogische Kindertagesstätte gemeinsam untergebracht. Das moderne Gebäude hat auch einen Begegnungsbereich, den beide Generationen nutzen können

Von Hubert Grundner, Neuperlach

Zwei Generationen in einem Haus: In Neuperlach wurde jetzt das "Perlach-Stift" fertiggestellt. Es beherbergt nicht nur ein Altenpflegezentrum, sondern auch eine heilpädagogische Kindertagesstätte. Wie es in einer Mitteilung der aus Erlangen stammenden Bayern Care Immobilien GmbH & Co. KG heißt, habe man das Pflegezentrum bereits an den Betriebsträger Charleston übergeben. Und auch die Heilpädagogische Kindertagesstätte der Arche GmbH, die sich im Erdgeschoss des Gebäudes befindet, habe schon eröffnet.

"Wir freuen uns, dass wir hier eine Mehrgenerationenlösung realisieren konnten und auch für die Kinderarche, die zuvor bereits auf dem Grundstück in einem nicht mehr zeitgemäßen Gebäude untergebracht war, ein neues Zuhause errichten konnten", sagt Robert Wießner, Geschäftsführer der Bayern Care. Neben den 32 Plätzen in der Kindertagesstätte biete das Haus am Gerhart-Hauptmann-Ring 42 Platz für insgesamt 81 Bewohner. "Mit dem Perlach-Stift ist ein sehr modernes Haus entstanden, das den neuesten Anforderungen des Pflegegesetzes entspricht", verspricht Wießner.

Die pflegebedürftigen Bewohner leben demnach in den oberen drei Etagen des Gebäudes. Dort sind insgesamt 72 Pflegeeinheiten entstanden, die pro Etage in zwei Wohngruppen mit einem zentralen Aufenthaltsbereich inklusive einer Wohnküche aufgeteilt sind. Dieser Bereich ist als Raum für Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten der Bewohner gedacht.

Zudem ist das gesamte Pflegezentrum barrierefrei zugänglich, das gilt für sämtliche Zugänge, Flure, Pflegeeinheiten und Bäder. Im Erdgeschoss des Gebäudes befinden sich neben der Verwaltung des Per-lach-Stifts die Räumlichkeiten der Heilpädagogischen Kindertagesstätte mit diversen Gruppen-, Therapie- und Gemeinschaftsräumen. Beide Einrichtungen verfügen über eigene, geschützte Außenbereiche, die begrünt sind. Darüber hinaus gibt es einen Begegnungsbereich, der von den Bewohnern und Kindern gemeinsam genutzt werden kann. "Das Zusammenwohnen unter einem Dach bietet den beiden Generationen sicherlich viele Möglichkeiten des Austauschs und der Begegnung", erhofft sich Robert Wießner.

Das Pflegezentrum am Gerhart-Hauptmann-Ring 42 ist auf einem Erbbaurechtsgrundstück des Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeindeamts entstanden. Bis zum Sommer 2016 war auf dem Areal nur die Heilpädagogische Tagesstätte (HPT) der Kinderarche untergebracht. Allerdings musste deren Domizil 2016 abgerissen werden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass es mit vernünftigem Aufwand nicht mehr zu sanieren war - ein Neubau musste also her. Der alte Flachbau war 1974 als Provisorium errichtet worden und diente der evangelischen Kirche zunächst als Behelfskirche. 1986 zog dann die HPT mit Platz für zunächst 20 Kinder ein.

Heute werden in der Einrichtung laut Bayern Care bis zu 32 Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren, die seelisch behindert oder von einer solchen Behinderung bedroht sind, in zwei Hort- und drei Kindergartengruppen betreut. Aktuell verfüge die Kinderarche über eine Hort- und drei Kindergartengruppen mit 22 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren und acht Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren. Ziel der Arbeit ist die individuelle Förderung eines jeden Kindes im Gruppenalltag und die individuelle Einzelförderung. Pädagogische Fachkräfte begleiten und unterstützen die betreuten Kinder bei der Weiterentwicklung ihrer emotionalen und sozialen Handlungskompetenzen und fördern sie gezielt im sprachlichen, motorischen und kognitiven Bereich.

Die Absicht der Betreiber von Altenpflegezentrum und Kindertagesstätte, Alt und Jung unter einem Dach unterzubringen, war im örtlichen Bezirksausschuss (BA) Ramersdorf-Perlach grundsätzlich auf viel Sympathie gestoßen. Kritik wurde allerdings daran geäußert, dass nur fünf Stellplätze vorgesehen waren: Angesichts der Zahl der Beschäftigten im Pflegezentrum - damals war von 15 Beschäftigen pro Schicht die Rede - sowie der zu erwartenden Besucher sei das nicht ausreichend. Von Seiten des Betreibers hieß es dazu, dass der Bau einer Tiefgarage an der fraglichen Stelle nicht möglich sei: Die Kosten dafür wären so hoch, dass das Projekt insgesamt unwirtschaftlich werden könnte. Da der BA aber beide Einrichtungen als wichtig für das Stadtviertel befand, verzichtete das Gremium am Ende "ausnahmsweise" auf die Schaffung zusätzlicher Stellplätze und erteilte dem Vorhaben sein Einverständnis.