Neuperlach:Ratloser Experte

Die Anwohner in Neuperlach interessieren sich brennend für den geplanten U-Bahn-Betriebshof - doch zur Bürgerversammlung schickt die MVG einen Fachmann für das Bus-Netz.

Von Patrik Stäbler

Fast 40 Anträge und Anfragen sind bei dieser Bürgerversammlung für den Stadtteil Perlach vorgetragen worden, als der Vertreter der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ans Mikrofon tritt. Die Blicke von 200 Menschen im Saal richten sich auf ihn - doch zu den vielen Fragen, die sich allesamt um den geplanten U-Bahn-Betriebshof in Neuperlach drehen, könne er nichts sagen, erklärt er. Er sei für das Busnetz zuständig.

Dass die MVG keinen Fachmann für den Betriebshof zur Bürgerversammlung entsandt hat, sei "sehr unbefriedigend", ärgert sich Stadtrat Manuel Pretzl (CSU), der die Veranstaltung leitet. "Es war absehbar, dass der Betriebshof ein Thema wird." Kritik kommt auch von Thomas Kauer (CSU): "Ich habe wenig Verständnis dafür", sagt der Vorsitzende des Bezirksausschusses (BA) Ramersdorf-Perlach, "dass die städtischen Referate heute so spärlich vertreten sind."

Bei der Versammlung fordert ein Bürger eine vollständige Einhausung der geplanten Anlage zwischen Arnold-Sommerfeld-Straße, Lise-Meitner-Weg und Kleingartenanlage - eine Position, die auch der BA vertritt. Ebenfalls aus Lärmschutzgründen will ein anderer Antragsteller erwirken, dass der Betrieb auf dem vorgesehenen Bremstestgleis auf eine Zeit von 7 bis 18 Uhr begrenzt wird. Auch diese Forderung deckt sich mit der Mehrheitsmeinung bei der Versammlung. "Eine U-Bahn", sagt der BA-Vorsitzende, "die nicht rund um die Uhr fährt, deren Bremsen muss man auch nicht rund um die Uhr testen."

Bei aller Kritik stehe der Bezirksausschuss aber hinter der Standortwahl - "im Sinne des ÖPNV-Ausbaus und mit Respekt für die gesamtstädtischen Belange", sagt Kauer. Ganz anders sehen das zwei Bürgerinitiativen, die einen Betriebshof in Neuperlach ablehnen. Sie haben Tausende Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Ein Vertreter fordert bei der Versammlung eine Neubewertung alternativer Standorte - in Riem sowie in Taufkirchen/Ottobrunn, wohin die U5 eines Tages verlängert werden soll. "Da ist viel Platz", betont der Mann, dessen Antrag ebenfalls mit großer Mehrheit angenommen wird. "Und weit und breit würde kein Bürger durch dieses Monsterprojekt gestört."

Auf diese Forderung hat die MVG stets erwidert, dass der Betriebshof zügig realisiert werden müsse. Daher scheide ein Standort im Landkreis München allein aus Zeitgründen aus. Dieses Argument bleibt bei der Bürgerversammlung aber unerwähnt - da von der MVG niemand anwesend ist, der ihre Standpunkte erläutern könnte. Bei der Frage nach den Gründen hierfür verweist ein MVG-Sprecher tags darauf auf eine Informationsveranstaltung im Mai. Im Vergleich zum damaligen Stand gebe es "noch keine wesentlichen Informationen zur Weiterentwicklung der Planung".

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