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Neuperlach:Privatisierung gescheitert

Eigentlich war die Übergabe der Flächen schon für 2015 vorgesehen, jetzt hat der Verein endgültig einen Schlussstrich gezogen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Nach jahrelangen Verhandlungen verzichtet der SVN darauf, die Freiflächen der Bezirkssportanlage zu übernehmen

Von Hubert Grundner, Neuperlach

Die geplante Übernahme der Freiflächen der Bezirkssportanlage Bert-Brecht-Allee 17 durch den SVN München hat sich zerschlagen. Vorausgegangen waren jahrelange Verhandlungen zwischen dem größten Breitensportverein des Münchner Ostens und dem Rathaus. Den Schlussstrich unter die letztlich ergebnislosen Gespräche haben jetzt die Stadträte in der jüngsten Sitzung des Sportausschusses gezogen. Sie beschlossen, die Übergabe, so wie sie der Stadtrat im Oktober 2013 vorgesehen hatte, nicht mehr weiterzuverfolgen. Somit verbleibt die Bezirkssportanlage in städtischer Trägerschaft.

Für das Ende des Projekts war letztlich die Corona-Pandemie verantwortlich, ursächlich für das Scheitern war sie aber nicht. Denn geknirscht hatte es zwischen den beteiligten Parteien, kaum dass das Rathaus sich für die "Privatisierung" seines Sportgeländes im Herzen Neuperlachs entschieden hatte. So hätten die Freiflächen bereits zum 1. Januar 2015 an den Verein übergeben werden sollen. Das aber scheiterte nicht zuletzt daran, dass Norbert Kreitl, der damalige Vorsitzende des SVN, auf einem ordnungsgemäßen Zustand der Anlagen beharrte, bevor es dazu kommen könne. Stattdessen monierte er immer wieder Mängel an den Sportstätten, die aus Sicht des Vereins bis heute nicht komplett behoben sind. Im jetzigen Beschluss des Sportausschusses heißt es dazu etwas nebulös, die Freiflächen hätten "wegen laufender Abstimmungen und Beurteilungen" zu diesem Termin nicht übergeben werden können.

Über solche Unstimmigkeiten vergingen die folgenden Jahre. Wobei sich der Verein zwischenzeitlich auch um die ehemalige Vereinsgaststätte bewarb, nachdem sich die Brauerei zurückgezogen hatte. Der SVN hätte darin gerne das Konzept eines modernen Sport-Kindergartens verwirklicht, mit attraktiven Angeboten und Öffnungszeiten gerade für alleinerziehende und arbeitende Eltern. Doch trotz des anfänglich großen Zuspruchs seitens des Referats für Bildung und Sport (RBS) und bereits detailliert ausgearbeiteter Umbaupläne erhielten Kreitl und seine Mitstreiter den Zuschlag nicht. Stattdessen hat die Stadt deren Ideen ziemlich offensichtlich abgekupfert, um sie nun selbst umzusetzen. Was der Stimmung im SVN-Vorstand auch nicht gerade förderlich war.

Schließlich sollte dem Stadtrat, wie es im jetzigen Beschluss des Sportausschusses heißt, in der Sitzung vom 28. Oktober ein aktualisiertes Angebot an den SVN München zur Übergabe der Bezirkssportanlage - ohne die ehemalige Gaststätte - in Vereinsträgerschaft erneut zur Entscheidung vorgelegt werden. Dem SVN sollte dabei eine mehrmonatige und abschließende Annahmefrist eingeräumt werden.

Der SV Neuperlach, wie er früher hieß, hätte mit der Übernahme in Vereinsträgerschaft alle Kosten für den Betrieb und den Unterhalt der in Erbbaurecht übergebenen Flächen selbst zu tragen gehabt. Neben der Gewährung von Unterhalts- und Investitionszuschüssen nach den Sportförderrichtlinien hätte er laut Beschlussvorlage für die ersten zehn Jahre eine erhöhte Anschubfinanzierung nach Paragraf 4 a der Sportförderrichtlinien erhalten, um vor allem für künftige Investitionsmaßnahmen Rücklagen zu bilden.

Doch so weit sollte es nicht kommen. Bei einem Termin am 13. November bei Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) haben ihr Vereinsvertreter mitgeteilt, dass sie nach eingehender Prüfung der Bedingungen zu dem Ergebnis gelangt seien, dass für den Verein ein Erbbaurechtsvertrag in dieser Form nicht in Frage komme. Stattdessen wurde vereinbart, dass sich der Verein mit dem Sportamt über bestehende Modelle an anderen Bezirks- und Freisportanlagen austauscht. Davon unabhängig ist laut RBS der uneingeschränkte Sportbetrieb an der Bert-Brecht-Allee durch die städtische Trägerschaft gesichert.

Einfacher könnte man den Grund, warum der SVN von einer Übernahme der Bezirkssportanlage Abstand nahm, so beschreiben: Man hatte Angst, sich finanziell zu übernehmen. Denn wie der Vorsitzende Kurt Damaschke erklärt: Die Stadt selbst habe die jährlichen Bewirtschaftungskosten der Anlage mit circa 140 000 Euro für den laufenden Betrieb beziffert. Maximal 80 Prozent davon hätte der Verein durch Fördermittel der Kommune abdecken können. "Die verbleibenden 20 Prozent aber hätten wir selbst erwirtschaften müssen", so Damaschke. Mit den Freiflächen, meist Fußballplätze, sei aber nichts einzunehmen. Denn mit der Annahme von Fördergeldern verpflichtet sich der Verein im Gegenzug, zum Beispiel Schulklassen und Vereine gratis beziehungsweise zu sehr geringen Kosten auf die Spielfelder zu lassen.

Auf die Weise ließen sich auch keine Rücklagen bilden, um zum Beispiel in einigen Jahren notwendige Reparaturen an den Kunstrasenplätzen bezahlen zu können. Hinzu kämen eventuell steuerliche Probleme, so Damaschke, denn der Verein dürfe nicht länger als drei Jahre Geld zurücklegen. Ebenso verbiete sich eine Querfinanzierung mittels der Einnahmen der Tennisanlage an der Staudingerstraße oder des Sportparks und seiner Kletteranlagen. Damaschke jedenfalls glaubt: "Das alte Baurechts-Vertragsmodell der Stadt haut nicht hin."

Trotzdem will der Vorstand mit dem zuständigen Referat für Bildung und Sport auch im neuen Jahr weiter im Gespräch bleiben. So sei der Verein bereit, für die Bezirkssportanlage das Betreibermanagement im Sinne eines Dienstvertrages zu übernehmen. Unter dem Strich, so hofft Damaschke, sollen sowohl sein Verein als auch die Stadt davon Vorteile haben.

© SZ vom 17.12.2020
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