Neuperlach Leistungsfähig und stabil

Mit dem Hanns-Seidel-Platz wird eine weitere Leerfläche im Zentrum des Viertels bebaut. Unter anderem sollen dort ein Bürgerzentrum samt einem Sozialbürgerhaus und Geschäfte entstehen.

(Foto: Robert Haas)

Der Hanns-Seidel-Platz wird bebaut. Die Stadt hat ein Verkehrsgutachten erstellen lassen, das eine positive Prognose gibt für das Straßennetz und die Knotenpunkte

Von Hubert Grundner, Neuperlach

Der Behauptung, dass die Bebauung des Hanns-Seidel-Platzes großen Einfluss auf die umgebenden Verkehrsströme haben wird, dürfte kaum jemand widersprechen. Umso wichtiger erschien es einigen Mitgliedern der SPD-Stadtratsfraktion, frühzeitig die Weichen dafür richtig zu stellen. In einem Antrag im vergangenen November forderten sie das Planungsreferat auf, Überlegungen, den Verkehr auf der Thomas-Dehler-Straße zu reduzieren und stattdessen auf die Fritz-Erler-Straße umzuleiten, nicht weiterzuverfolgen. Genau diesem Wunsch ist die Verwaltung nachgekommen: Wie es in der Antwort des Referats für Stadtplanung und Bauordnung heißt, spielen entsprechende Ideen keine Rolle mehr.

Tatsächlich war 2012 im Rahmen des Wettbewerbs zur Bebauung des Hanns-Seidel-Platzes noch diskutiert worden, die Thomas-Dehler-Straße rückzubauen und den Durchgangsverkehr auf die Fritz-Erler-Straße zu verlagern. Da aber auf Grundlage der derzeitigen Planungen keine substanziellen Wegebeziehungen zwischen dem Pep-Einkaufszentrum auf der einen Seite der Thomas-Dehler-Straße und den geplanten Nutzungen auf dem Hanns-Seidel-Platz zu erwarten seien, sei eine Zunahme des Fußgänger-Querungsverkehrs nicht zu erwarten, monierten Bettina Messinger, Ingo Mittermaier, Heide Rieke und Birgit Volk (alle SPD) in ihrem Antrag. Nach dem Umbau des Hanns-Seidel-Platzes werde die Mehrzahl der Läden im Untergeschoss angeordnet sein. Die Erreichbarkeit über den derzeitigen U-Bahn-Zugang sei gewährleistet.

Des Weiteren begründeten die Sozialdemokraten ihre Initiative damit, dass die Fritz-Erler-Straße eine Straße mit dichter Wohnbebauung sei. Bei einer Verlagerung des Durchgangsverkehrs würden also die dortigen Bewohner belastet, während es entlang der Thomas-Dehler-Straße derzeit keine Anwohner gebe und künftig mit der Neubebauung des Hanns-Seidel-Platzes nur Anwohner mit Aufenthaltsräumen zur straßenabgewandten Seite. Diesen Argumenten scheint auch das Planungsreferat gefolgt zu sein - eine Verkehrslenkung hin zur Fritz-Erler-Straße ist jedenfalls kein Thema mehr. Grund dafür waren unter anderem die "inzwischen vorgenommenen maßgeblichen Veränderungen der Bebauungsplanung".

Außerdem hatten die SPD-Stadträte die Behörde aufgefordert, angesichts der Neugestaltung von Neuperlachs Zentrum, zügig ein Verkehrsgutachten in Auftrag zu geben, um die Abwicklung künftigen Verkehrs zu klären. In seiner Antwort verwies das Planungsreferat zunächst auf einige Projekte, die bereits beschlossen beziehungsweise initiiert wurden. Dazu zählen die Alternativplanung zur Südanbindung Perlach ("Münchner Lösung"), die Höhenfreimachung des Bahnübergangs Unterhachinger Straße und die Höhenfreimachung des Bahnübergangs Arnold-Sommerfeld-Straße. Voraussichtlich im dritten Quartal dieses Jahres würden diese Maßnahmen in einem Sachstandsbericht zum Verkehrskonzept Münchner Südosten behandelt werden.

Zum Hanns-Seidel-Platz, so das Referat weiter, sei bereits ein umfassendes neues Verkehrskonzept erarbeitet worden. Hierbei wurde ein Gutachten von einem externen Ingenieurbüro erstellt. Dieses habe den Nachweis erbracht, dass der entstehende Neuverkehr durch die Umsetzung des aktuellen Bebauungsplans im umgebenden Straßennetz und an den Knotenpunkten leistungsfähig abgewickelt werden könne. "Dabei wurden selbstverständlich alle neuralgischen Knotenpunkte in der näheren Umgebung auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft sowie alle verkehrlichen Entwicklungen bis zum Prognosehorizont 2030 miteinbezogen", versichert die Behörde. Die im Gutachten getroffenen Annahmen seien auf Plausibilität geprüft worden. Bei den Knotenpunkten im gesamten Untersuchungsumgriff sind dem Gutachten zufolge in den Prognosen stabile Verkehrsabläufe vorhanden. Auch die auftretenden geringen Wartezeiten insbesondere während des Berufsverkehrs würden insgesamt eine ausreichende Leistungsfähigkeit ergeben. Dementsprechend liege bereits ein Gutachten beziehungsweise Konzept vor, das die Abwicklung künftiger Verkehre im Bereich des Hanns-Seidel-Platzes und in der näheren Umgebung darstellt - so wie es die SPD-Stadträte gefordert hatten.