Neuperlach Leben auf der Kiesgrube

Unterschiedliche Höhen, eine Promenade an der großzügigen grünen Mitte: So wird das Piederstorfer-Gelände bebaut.

(Foto: Riegler Riewe Architekten)

Der städtebauliche Wettbewerb für ein Quartier mit rund 1300 neuen Wohnungen auf dem Piederstorfer-Gelände ist entschieden. Im Zentrum des Gebietes wird es eine großzügige grüne Fläche geben

Von Renate Winkler-Schlang, Neuperlach

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der Siebzigerjahre hat die Familie Piederstorfer dort Kies abgebaut und nach der Verfüllung der Grube Transportbeton hergestellt. Doch künftig sollen zwischen Karl-Marx-Ring und Friedrich-Creuzer-Straße rund 1300 Wohnungen entstehen. Wie diese am Übergang vom urbanen Neuperlach zu den Vorortstraßen von Trudering am Stadt- und Waldesrand am besten angeordnet werden, wurde durch einen städtebaulichen Wettbewerb ermittelt. Sieger sind Riegler Riewe Architekten aus Graz mit yellow z Berlin und lad Landschaftsarchitektur Diekmann aus Hannover.

Die Aufgabe war komplex und der Wettbewerb langwierig, berichtete Marion Wolfersthofer vom Planungsreferat bei der Eröffnung der Ausstellung aller Entwürfe in ihrem Hause. Es galt nicht nur, ein Bindeglied zwischen beiden Stadtteilen zu schaffen, sondern auch eine Frischluftschneise.

Und die Erschließung sollte zudem nicht noch Verkehr von weiter weg anlocken. Die Demos Wohnbau GmbH, der die Fläche nun gehört, hatte gemeinsam mit der Büschl Unternehmensgruppe als Projektentwickler zunächst 19 Büros eingeladen. Es waren kühne Entwürfe darunter - Goetz Castorph aus München etwa hatte einen Riesen-Donut auf der Wiese landen lassen, einen Gebäudering, der sich an einer Stelle auf bis zu 27 Stockwerke aufschwingen sollte, die Durchgangsstraße hatte er unter die Erde verbannt. Das erregte bei der Präsentation Aufsehen, der Jury-Vorsitzende Franz Pesch erklärte jedoch, dass dies wohl besser nach Shanghai als nach Neuperlach passen würde. In einer ersten Runde einigte sich die Jury auf drei Sieger - die jedoch laut Wolfertshofer noch nicht vergleichbar waren. So hatte etwa der spätere Erste ursprünglich eine viel höhere Dichte. Also besserten alle drei in einer Extrarunde nochmal nach.

Emma Salmansberger von der Projektsteuerung der Demos und Projektenwickler Ralf Büschl zeigten sich ebenso zufrieden vom Ergebnis, das am Ende mit nur einer Gegenstimme erreicht worden war, wie der Bezirksausschussvorsitzende Thomas Kauer (CSU). Kauer war zum ersten Mal Jury-Mitglied und fand, das sei doch ein "zutiefst demokratischer Prozess". Den Siegerentwurf nannte er "gewöhnlich, aber nicht langweilig". Andere Planer hätten einen teilweise sehr großen Platz in den Mittelpunkt gerückt, doch das Gebiet werde neben Kita und Nahversorger nicht so viele öffentliche Nutzungen aufweisen, dass ein solcher sich auch sinnvoll bespielen ließe. Öde Plätze aber gebe es bereits genug. Riegler Riewe planen statt dessen eine großzügige grüne Mitte für das Baugebiet, auf der die Bewohner auch mal bolzen können, ohne lästig zu werden.

Gut gelungen sei ihnen auch die am Rand dieses Parks vorbeiführende Erschließungsstraße samt einer kleinen "Promenade". Diese werde die enge Niederalmstraße drüben in Trudering entlasten. Bei den Neubauten werde der Lärmschutz von vornherein berücksichtigt. Kauer sah aber auch ein Manko: Gerade entlang der bestehenden Bebauung im Bereich des Mercure Hotels zeige der Plan mit längeren Riegeln seine eher abweisende Seite.

Roger Riewe sagte, der neue Park werde auch für die Umgebung anziehend sein. Pesch erklärte, der Entwurf füge sich "auf eine unglaublich selbstverständliche Weise in die Umgebung ein". Das erreicht er auch durch seine unterschiedlichen Höhen. Zur Niederalmstraße hin wird nur dreigeschossig gebaut, gen Süden dann immer höher, zwischen vier und acht Stock hoch. Es sollen aber auch zwei Hochpunkte mit 15 Geschossen entstehen.

Emma Salmannsberger erklärte, das Gebiet werde abschnittsweise bebaut. Vorher allerdings muss der Bebauungsplan erarbeitet werden und die gegebenenfalls nötige Altlastensanierung erfolgen.