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Neuperlach:"Langweilig, ideenlos und hässlich"

Baustelle am Hanns-Seidel-Platz in München, 2018

Der Bauzaun markiert das südliche Ende des Hanns-Seidel-Platzes. Ungefähr an der gezeigten Stelle will die Gewofag entlang der Von-Knoeringen-Straße ein Wohnheim für Auszubildende bauen.

(Foto: Florian Peljak)

Lokalpolitiker lehnen Bauantrag für ein Azubi-Wohnheim im Zentrum Neuperlachs ab

Eine volle Breitseite haben die Mitglieder des Bezirksausschusses (BA) Ramersdorf-Perlach auf ein von der Gewofag am Hanns-Seidel-Platz geplantes Wohnheim für Auszubildende abgefeuert. Wobei schon die Einleitung ihrer Stellungnahme zu dem Vorhaben an Deutlichkeit schwer zu überbieten ist: "Wieder ein Projekt einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft und leider wieder ein Beispiel für einen langweiligen, ideenlosen und eigentlich hässlichen Baukörper."

Bereits im Juli hatte die Stadt mitgeteilt, im südlichen Bereich des Hanns-Seidel-Platzes entlang der Von-Knoeringen-Straße in Zusammenarbeit mit der Gewofag ein zweites Pilotprojekt "Wohnen für Auszubildende" realisieren zu wollen. Es orientiert sich am ersten Pilotprojekt, das die Gewofag an der Grafinger Straße/Innsbrucker Ring errichtet hat und welches im April dieses Jahres bezogen wurde. Der Neubau im Herzen von Neuperlach wird demnach über 221 Apartments verfügen. Neben 215 Einzelapartments werden auch sechs Doppelapartments für Paare oder alleinerziehende Auszubildende geschaffen. Im Erdgeschoss entstehen nach Angaben der Stadt zudem gewerbliche Flächen für Kultur- und Kreativschaffende.

Etwa 72 Apartments möchte die Stadt für ihre Auszubildenden und Studierenden anmieten. Der Großteil, nämlich 143 Apartments, sei aber für Auszubildende von Münchner Unternehmen vorgesehen. Die Höhe der Mieten orientiere sich am Förderprogramm "München-Modell Miete", wobei noch eine Pauschale für Möblierung und Nebenkosten dazukomme. Die Besonderheit sei, wie es in der Mitteilung weiter hieß, dass sich neben den Auszubildenden auch die jeweiligen Ausbildungsbetriebe mit einem laufenden Finanzierungsbeitrag an der Gesamtmiete beteiligen und die Stadt das Vorhaben mit einem vergünstigten Grundstück und zinsgünstigen Darlehen fördert. Abschließend hieß es aus dem Rathaus: "Die Gewofag wird nach derzeitigem Planungsstand voraussichtlich im Herbst 2020 mit den Bauarbeiten beginnen."

Dazu sollte es aus Sicht der BA-Mitglieder besser nicht kommen - zumindest wenn zuvor nicht die Entwürfe für das Gebäude gründlich überarbeitet worden sind. Denn auch wenn es sich "nur" um ein Azubi-Wohnheim handle: Angesichts der Tatsache, dass es im Zentrum Perlachs am neu zu gestaltenden Hanns-Seidel-Platz liege, wäre es angebracht gewesen, eine möglichst interessante, kreative, geschmackvolle und ideenreiche bauliche Struktur zu schaffen. "Diese Chance wurde hier wiederum nicht genutzt", kritisieren die Lokalpolitiker. Auch an dieser Stelle versuche man nur Kosten zu sparen und das geplante Gebäude möglichst einfach zu gestalten. Den Bedürfnissen einer Baukultur, die positiv auf Lebensqualität und gesellschaftliches Zusammenleben wirkt, werden die bisher vorliegenden Entwürfe nach Meinung der BA-Mitglieder jedenfalls nicht gerecht. Und der Gewofag schreiben sie ins Stammbuch: "Bei der Beurteilung eines Bauwerks reichen die Betrachtung der Funktionalität und Wirtschaftlichkeit nicht aus, sondern auch der Aspekt der Schönheit darf nicht außen vor bleiben." Für ein im Sinne der Baukultur positives Bauwerk müssten daher bereits bei der Planung auch Details für die Gliederung sowie Gestaltung des Baukörpers und die Verwendung der Materialien beachtet werden.

Diese Kriterien sehen die BA-Mitglieder bei dem Gewofag-Vorhaben offenkundig nicht erfüllt: "Die vorgesehene Gestaltung des Baukörpers und der Fassade lässt jegliche Baukultur vermissen", monieren sie. Mit der Einförmigkeit seiner Fassade reihe sich das Wohnheim "in die Vielzahl der Projekte ohne jegliche Ästhetik ein". Dabei wäre gerade im Zentrum von Neuperlach doch mehr Mut für eine aus dem architektonischen Einerlei herausragende Gestaltung für das "Gesicht" des Stadtbezirks wünschenswert. Der Bezirksausschuss hat deshalb in seiner Stellungnahme den Bauantrag abgelehnt, verbunden mit der Bitte, ihn noch einmal zu überarbeiten. Die Lokalpolitiker geben dabei als übergeordnetes Ziel vor, dass das Wohnheim einen Beitrag zu einem modernen, attraktiven und identitätsstiftenden Mittelpunkt leisten müsse.