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Neuperlach:Langer Atem bis ins Ziel

Der Sportverein SVN München will die Bezirkssportanlage Bert-Brecht-Allee übernehmen, stößt dabei aber auf erheblichen Widerstand. Der Verein bemängelt insbesondere den Zustand der Freiflächen und die Tatsache, dass auch die Sportschützen Rechte geltend machen

Von Hubert Grundner

Ausdauersportlern wird gerne attestiert, dass sie über einen "langen Atem" verfügen. Den brauchen aber mindestens ebenso sehr manche Sportfunktionäre - zum Beispiel die Vorstandsmitglieder des SVN München: Schon vor mehr als fünf Jahren, nämlich zum 1. Februar 2015, hätte der Neuperlacher Sportverein die Bezirkssportanlage (BSA) Bert-Brecht-Allee komplett übernehmen sollen. Doch mit Ausnahme des Grundstücks, auf dem die Dreifachturnhalle steht und für das ein Erbbaurechtsvertrag bis 30. April 2016 abgeschlossen wurde, ist für die zugehörigen Freiflächen noch immer keine Lösung zwischen Stadt und SVN gefunden. Und vermutlich werden der Vereinsvorsitzende Kurt Damaschke und seine Mitstreiter noch mehr Geduld aufbringen müssen. Denn ein erneuter Anlauf des Referats für Bildung und Sport (RBS) in Form einer Beschlussvorlage für den Stadtrat weckt im Stadtbezirk viele Vorbehalte: Der Bezirksausschuss (BA) Ramersdorf-Perlach hat das RBS aufgefordert, dieses Papier zurückzuziehen und die Übernahmegespräche mit dem SVN weiter zu führen.

Auch vom Zustand der Flächen hängt ab, ob der SVN die Sportanlage an der Bert-Brecht-Allee von der Stadt übernimmt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der BA-Entscheidung vorausgegangen war eine ausführliche Diskussion im Unterausschuss Bildung und Sport, Soziales und Stadtsanierung. Wie dessen Vorsitzende Marina Achhammer (SPD) erläuterte, war dem Gremium aufgefallen, dass in der Beschlussvorlage zwar ausgeführt werde, wie viel Geld das RBS einspare. Allerdings stellten sich die Lokalpolitiker die Frage, wie der SVN nach Ablauf der Zuschusszeit von zehn Jahren die aufgezeigten 100 000 Euro Betriebs- und Unterhaltskosten durch eigene Einnahmen aufbringen wolle. Denn dann zahle das Sportreferat nur noch einen Zuschuss in Höhe von jährlich 16 605 Euro an den Verein. Welche Vorteile, so Achhammer, habe der SVN überhaupt, wenn er trotz hoher Risiken der Bewirtschaftung die Anlage übernimmt? Habe der SVN dafür einen eigenen Wirtschaftsplan? Darauf antwortete dessen Vorsitzender Damaschke, dass der SVN grundsätzlich bereit sei, die BSA zu übernehmen. Der Verein verbinde damit die Chance, entsprechend der positiven Mitgliederentwicklung das Sportangebot weiter auszubauen - vorzugsweise auf der Heimatanlage Bert-Brecht-Allee.

Der Zustand der Flächen ist für die Übernahme entscheidend.

(Foto: Stephan Rumpf)

Irritierenderweise soll das RBS seine Beschlussvorlage dem Verein nicht zugestellt haben, das soll der Bezirksausschuss übernommen haben. Wie Marina Achhammer weiter berichtete, gab es im Juni ein Vorgespräch im Referat, bei dem keine ausführlichen Unterlagen zur bisherigen Betriebsführung und den Verpflichtungen und Bindungen übergeben wurden. Zu den Betriebs- und Unterhaltskosten sollten aber zeitnah die entsprechenden Unterlagen dem Verein zur Prüfung zugestellt werden. Erst Mitte August soll der SVN dann Unterlagen erhalten haben, die allerdings, so Achhammer, keine hinreichende Klarheit erbrachten. Man habe deshalb umgehend dem RBS sowie den Stadtratsfraktionen das Fehlen dieser Unterlagen angezeigt. Darüber hinaus bedürfe es aufgrund von Festlegungen in der Beschlussvorlage, die dem Verein bislang nicht bekannt waren, einer ausführlichen Klärung.

Der Zustand der Freiflächen wird vom Verein bemängelt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Was genau damit gemeint ist, verdeutlichte Kurt Damaschkes Hinweis auf den Passus der Beschlussvorlage, in dem es heißt: "Die laufenden Abstimmungen und Beurteilungen sind hinsichtlich der Freiflächen nunmehr abgeschlossen, womit die Freiflächen der Bezirkssportanlage nunmehr zum 1. 1. 2021 übergeben werden können". Dem widersprach Damaschke vehement: "Das stimmt nicht, davon kann keine Rede sein." Tatsächlich lehnt der Verein bis heute die Übernahme der Freiflächen auch deshalb ab, weil sie sich in keinem ordnungsgemäßen Zustand befanden oder befinden. Deshalb verlangen die Verantwortlichen beim SVN auch naheliegenderweise, dass es vor einer Übernahme zunächst eine Begehung des Areals zur Mängelauflistung geben muss. Konfliktstoff birgt auch die Frage, wie das ehemalige Vereinsheim für sportbezogene Nutzungen der Bezirkssportanlage zur Verfügung steht. Nach dem Rückzug der Brauerei, die das Vereinsheim gepachtet hatte, wollte der SVN hier eine moderne Sport-Kindertagesstätte mit Essensversorgung für die Kinder und flexiblen Öffnungszeiten für deren Eltern einrichten. Dafür gab es erst große Zustimmung, ehe der Verein seine Pläne auf Eis legen musste, weil sich plötzlich das Sportamt dem Projekt verweigerte - mutmaßlich auf eine Intervention der Sportschützen hin, die Räume im Keller des Vereinsheims nutzen und sich womöglich übervorteilt sahen.

Überhaupt verstehen die BA-Mitglieder nicht, warum nicht erst die Verhandlungen mit dem SVN zu Ende geführt werden, bevor das Sportreferat dem Stadtrat eine Beschlussvorlage zur Entscheidung vorlegt. Jetzt aber fordern sie, die Übernahmekonditionen so zu gestalten, dass eine eigenständige und kostendeckende Betriebsführung der Bezirkssportanlage ermöglicht wird. Die Rahmenbedingungen dafür seien umfassend transparent zu machen. Außerdem dürfe der Wirtschaftsplan nicht bloß eine kostendeckende Verwaltung des Areals ermöglichen, sondern er müsse auch dessen perspektivische Weiterentwicklung erlauben. Fazit: Erst danach sollte der Stadtrat befasst werden.

© SZ vom 16.09.2020
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