Neuperlach Aufstand der Einzelhändler

Kritik an der Umwandlung von Gewerbe- in Wohnraum

Von Hubert Grundner, Neuperlach

Selbständigkeit und große Risiken sind oft zwei Seiten derselben Medaille. Diese Erfahrung machen gerade mehrere Geschäftsleute aus dem Gebäudekomplex Maximilian-Kolbe-Allee 8-14: Ihnen droht die Kündigung. Offenbar plant der Eigentümer, die bisherigen Gewerbeflächen im Erdgeschoss in 19 Wohnungen umzuwandeln. Ergänzend hat er den Antrag gestellt, den dreigeschossigen Bau um zwei weitere Etagen aufzustocken. Auf diese Weise würden noch einmal 38 Wohnungen entstehen - insgesamt also 57.

Dagegen wollen sich die betroffenen Geschäftsleute unter allen Umständen wehren und haben sich deshalb an den Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach gewandt. In seiner Sitzung am Mittwochabend hat das Gremium umgehend einen Dringlichkeitsantrag an die Lokalbaukommission und das Referat für Arbeit und Wirtschaft verabschiedet. Die Behörden werden aufgefordert, die Nutzungsänderung von Gewerbe- in Wohnraum zu untersagen. Wobei man in dem Verfahren noch ganz am Anfang stehe, wie BA-Vorsitzender Thomas Kauer (CSU) betonte. Er werde sich mit der Situation an Ort und Stelle vertraut machen. Nicht zuletzt müsse man sehen, was der Bebauungsplan hier überhaupt erlaube. Den Verlust der kleinteiligen Nahversorgung, die in diesem Teil von Neuperlach Süd noch gegeben sei, wollen die Lokalpolitiker nicht einfach hinnehmen.

In sein Schicksal ergeben will sich auch Peter Zellner nicht. Er betreibt ein Schreibwaren- und Lotto-Geschäft an der Maximilian-Kolbe-Allee. Außer ihm sind ein Blumenladen, ein Nagelstudio, ein Friseur, ein Bäcker und ein indischer Feinkostladen von einem Rauswurf bedroht. Manchen ist die Kündigung zugestellt worden, Zellner ist dies für diesen Freitag angekündigt worden. Er seinerseits sagt: "Ich werde die Kündigung nicht annehmen und auch nichts unterschreiben. Die sollen wiederkommen, wenn sie tatsächlich die Baugenehmigung haben."

Womit er womöglich einen äußerst kritischen Punkt angesprochen hat. Denn Zellner will von seinen Nachbarn erfahren haben, dass diese vom Eigentümer Kündigungsschreiben erhielten, in denen stand, die Bauarbeiten würden bereits in diesem Juni beginnen - was unterstellt, dass eine Baugenehmigung vorliegt. "Die tun so, als ob alles bereits in trockenen Tüchern wäre, dabei ist noch gar nichts entschieden", moniert Zellner das Vorgehen des Eigentümers. Und auch im Bezirksausschuss weiß man nichts von einer Baugenehmigung - welchen Sinn würde sonst auch der Dringlichkeitsantrag machen?

Aber nicht nur der Betreiber des Schreibwarenladens ist zum Widerstand entschlossen. Auch die anderen betroffenen Geschäftsleute wollen sich wehren. "Wir werden die Sache gemeinsam ausfechten, und wenn es gar nicht anders geht, einen Anwalt einschalten", kündigt Zellner an. Die Kündigungsfrist betrage ein halbes Jahr. Sein Vertrag laufe noch bis November, falls er nicht rechtswirksam bis Mai gekündigt werde, verlängere er sich automatisch um ein Jahr. Zellner versorgt bereits seit zehn Jahren an dem Standort seine Kundschaft mit Zeitungen und Losen. Um sein eigenes Schicksal im Falle einer Kündigung macht er kein Aufhebens. Dafür weist er nachdrücklich auf die Nöte hin, in die andere Geschäftsleute geraten könnten. Einer habe erst vor kurzem 50 000 Euro in die Einrichtung seines Ladens investiert. Ein zweiter habe gar die gesamten persönlichen Ersparnisse in seinen Traum von der Selbständigkeit gesteckt. Es bliebe zu hoffen, dass ihnen ein böses Erwachen erspart wird.