Neuperlach:Abstellen, warten und bremsen

Die Stadtwerke wollen in Neuperlach-Süd ihren zweiten großen Betriebshof für die U-Bahn bauen. Um die Bewohner vor Krach zu schützen, sind 200 Meter lange Lärmschutzwände geplant

Von Julian Raff, Neuperlach

Das Projekt eines zweiten Betriebshofs für die Münchner U-Bahn kommt im Münchner Südosten nicht besonders gut an, auch wenn ein Blick auf die Stadtkarte erklärt, warum Zugdepot und Werkstätten dort strategisch gut platziert wären: Bislang ist die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit einem großen Bahn-Basislager in Fröttmaning ausgekommen. Im Gleichtakt mit dem Einwohnerzuwachs müssen die Planer aber immer mehr Züge auf die Schienen schicken. Um das Netz nicht mit Ein- und Ausrückfahrten zu überlasten, Stauraum für neue Züge zu schaffen und Reparatur- und Wartungsarbeiten besser zu verteilen, braucht die MVG nun einen zweiten Betriebshof - mit Abstand zum ersten.

Vor vier Jahren kam hierfür erstmals die kleine Betriebsstelle hinter der oberirdischen Endstation Neuperlach Süd der Linie U 5 ins Gespräch. Zwei Jahre später legten sich Stadt und MVG erstmals näher auf diesen Standort fest. Nägel mit Köpfen machen soll der Stadtrat nun, indem er im Februar 2018 einen Rahmenplan verabschiedet. Bis 2023/24 könnte der Betrieb starten. Projektleiter Jens Böhm und sein Planerkollege Marc Hofmann stellten das Projekt dem Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach (BA 16) vor. Bedenken hatte das Vorhaben dort hervorgerufen, weil man das Areal zwischen Arnold-Sommerfeld-Straße, Lise-Meitner-Weg und dem von Kleingärten gesäumten Grünzug "Im Gefilde" gern für Wohnbauten reserviert hätten. Außerdem sehen die Lokalpolitiker das Eck zwischen Neuperlach, Waldperlach und Neubiberg durch einen eventuell geplanten Groß-Wertstoffhof bereits bis an die Grenze belastet.

U-Bahn-Depot Neuperlach

So könnte das neue U-Bahn Depot aussehen:

(Foto: MVG)

Beim jüngsten BA-Termin spielten diese Einwände jedoch so gut wie keine Rolle, die Anwohnerbedenken in Sachen Lärm nur eine untergeordnete. In erster Linie ging es darum, das Projekt vorzustellen: Optisch dominieren wird den Betriebshof eine parallel zum Lise-Meitner-Weg platzierte Abstellhalle, die auf 15 Gleisen insgesamt 30 Züge fasst. Nördlich davon entsteht eine viergleisige Werkstatthalle plus Räume für Verwaltung und Personal. In Richtung Arnold-Sommerfeld-Straße schließen sich eine dreigleisige Halle für schienengebundene Baufahrzeuge sowie ein Infrastruktur-Stützpunkt an. Weiter stadteinwärts kommt noch eine eingleisige Zugwaschanlage hinzu. Eine interne Erschließungsstraße umrundet das Gebiet und wird kreuzungsfrei über die Arnold-Sommerfeld-Straße geführt.

Vor allem Lärmschutzfragen wirft ein 900 Meter langes Abnahmegleis auf, wo reparierte Züge getestet werden. Laut dürften vor allem Bremstests am Südostende des Gleises werden. 200 Meter lange Lärmschutzwände sollen die benachbarten Wohnviertel schützen. Der Schallstudie liegen acht Bremsfahrten pro Stunde zugrunde. Allerdings dürften laut Böhm und Hofmann selten mehr als acht Züge pro Tag getestet werden, und das nur zwischen 7 und 17 Uhr. Auch sonst, so die Planer, seien die Auswirkungen des Betriebshofs überschaubar. Es werde allenfalls zehn Prozent mehr Zugfahrten geben, die Abstellhalle werde nur bis 22 Uhr angefahren. Die nächtlichen Störgeräusche aus den Kühlaggregaten der elektrischen Systeme würden komplett von den Hallenwänden geschluckt, im Freien seien keine Abstellgleise geplant. Schienen und Fahrwerke neuerer Generation produzierten zudem weniger Bodenerschütterungen. Außerdem müssten Bahnanlagen, dank besserer Sicherheitstechnik, heutzutage nachts nicht mehr so grell beleuchtet werden, wie es deren Anwohner lange Zeit erdulden mussten.

Neuperlach: Eine lange Abstellhalle, daneben das Werkstattgebäude.

Eine lange Abstellhalle, daneben das Werkstattgebäude.

Vorteile für die Nachbarn versprechen die Planer mit dem Wegfall der beschrankten Bahnübergänge an der Arnold-Sommerfeld- und Rotkäppchenstraße. Beide Straßen werden östlich der Gleise zusammengeführt und per Unterführung an die Carl-Wery-Straße angebunden. Dabei werde Platz für einen eventuellen zweigleisigen S-Bahn-Ausbau vorgehalten. Etwas Fläche abgeben muss der Siemens-Parkplatz im Norden des Betriebshofs. Allerdings könnte hier ein Parkhaus sogar mehr Stellplätze schaffen. Auf dem nördlichsten Firmenparkplatz am Otto-Hahn-Ring sei eine Wohnbebauung denkbar.

© SZ vom 29.07.2017
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