Neuorganisation Chefsache

Sozialreferat strukturiert Leitung der Sozialbürgerhäuser neu

Von Sven Loerzer

Damit sich die rund 1200 Mitarbeiter in den zwölf Sozialbürgerhäusern (SBH) schnell und zuverlässig um Menschen in schwierigen Lebenslagen kümmern können, bringt die zum 1. Juli ausscheidende Sozialreferentin Brigitte Meier noch eine umfassende Neuorganisation auf den Weg. Sie soll auch sicherstellen, dass die Referatsleitung auf die großen Veränderungen durch Armutszuwanderung, Flucht, Zuzug und Wachstum der Bevölkerung rechtzeitig reagieren kann. Zu diesem Zweck wird die Referatsspitze die Leitung aller Sozialbürgerhäuser, bisher ein eigenständiger Bereich mit rund 40 Mitarbeitern, übernehmen. Die Stelle der bisherigen Chefin Ursula Hügenell fällt damit weg. Hügenell habe das Angebot bekommen, eine andere wichtige Aufgabe im Referat zu übernehmen, sagte Brigitte Meier, sich aber noch nicht entschieden. Nähere Angaben dazu machte Meier nicht.

Meiers neue Stellvertreterin, Dorothee Schiwy, die gute Chancen hat, zum 1. Juli ihre Nachfolgerin zu werden, erhofft sich von der mit der Unternehmensberatung Kienbaum erarbeiteten Neuorganisation eine stringentere Struktur. So soll das Personalwesen zentralisiert werden, außerdem soll ein zentral gesteuertes Controlling zusammen mit einem Qualitäts- und Risikomanagement aufgebaut werden. Das soll sicherstellen, auf Probleme wie zuletzt bei der Wirtschaftlichen Jugendhilfe, wo Rückforderungen für die Unterbringung und Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Millionenhöhe zu verjähren drohten, schneller zu reagieren. Ärger gab es immer wieder, etwa als sich die Wohngeldanträge nach der vorletzten Gesetzesnovelle stapelten. Derzeit sind es die Sozialwohnungsanträge, die bergeweise auf Bearbeitung warten.

Die neue Referatsleitung will das mit dem zentralen Controlling der Fallzahlen, der Bearbeitungszeiten und der Qualitätsmanagement-Standards in den Griff bekommen. "Das Haus ist den Herausforderungen in der jetzigen Aufstellung nicht voll umfänglich gewachsen", betonte Schiwy. Zumal in nächster Zeit große Aufgaben zu bewältigen sind, wie Brigitte Meier ergänzte. So müssten beispielsweise rund 2000 minderjährige Flüchtlinge in ein selbständiges Leben geführt werden, außerdem seien 9000 Flüchtlinge in den Stadtvierteln zu versorgen. "Die Dynamik der Veränderungen hat zugenommen", sagte die Sozialreferentin. "Schnelligkeit gehört nicht zum Markenzeichen der Verwaltung." Verschärft werde die Situation außerdem durch den Fachkräftemangel.

Der Beschluss zu der Neuorganisation im Sozialreferat soll Ende Juni im Stadtrat fallen. In der Folgezeit soll mit externer Begleitung das genaue Konzept erarbeitet werden, das Ende 2017 umgesetzt wird. "Wir wissen noch nicht, wer wo sitzen wird", sagte Schiwy. Mit der Abschaffung des neben den drei Ämtern - Sozialamt, Jugendamt, Wohnungsamt - eigenständig existierenden Bereichs der SBH-Leitung kehrt das Referat zu einer klaren, hierarchischen Struktur zurück.

Die Sozialbürgerhäuser hatte Meiers Vorgänger, Friedrich Graffe, aufgebaut, um so die meisten Sozialleistungen für die Bürger unter einem Dach und aus einer Hand erbringen zu können. Damit sollte vermieden werden, dass Hilfesuchende vom Jugendamt zum Sozialamt und dann zum Wohnungsamt laufen müssen, um ihre Probleme zu lösen. Ungelöst blieb dabei aber eine wesentliche Organisationsfrage: Wer hat wem was zu sagen? Neben die drei

Ämter stellte Graffe eine Art viertes Amt, das die Sozialbürgerhäuser leitet. Fachlich blieben danach zwar die Ämter für die einzelnen Leistungen verantwortlich, ohne aber den Durchgriff auf die Mitarbeiter in den Sozialbürgerhäusern zu haben. Über die Jahre hinweg gerieten die drei klassischen Ämter, inzwischen Steuerungsbereiche genannt, zunehmend in Konflikt mit dem SBH-Bereich. Der fühlte sich durch die Vorgaben der Ämter gegängelt, während die Ämter das korrekte Verwaltungshandeln in Gefahr sahen. Mit der Neuorganisation sollen Doppelstrukturen abgeschafft werden. Den Sozialbürgerhäusern selbst bescheinigte Meier eine hervorragende Arbeit.