Neuordnung der städtischen IT Neue Behörde soll München moderner machen

Die Opposition ist gegen die Pläne.

(Foto: dpa)
  • München will ein eigenes IT-Referat schaffen, noch in dieser Legislaturperiode .
  • Ein Gutachten einer Beraterfirma beschreibt die aktuellen Schwächen der städtischen IT und zeigt Lösungswege auf.
  • Die Opposition will lieber die komplette IT in eine GmbH auslagern.
Von Heiner Effern

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) will noch in dieser Legislaturperiode ein eigenes IT-Referat schaffen. "Wenn es eine Mehrheit im Stadtrat gibt, soll das im Jahr 2017 vorbereitet und 2018 zum Laufen gebracht werden", sagte Reiter. Der Grundsatzbeschluss des Stadtrats solle spätestens Anfang kommenden Jahres fallen.

Der OB möchte damit die Empfehlung eines IT-Gutachtens der Beraterfirma Accenture umsetzen, dessen Endfassung nun vorliegt. Die Kosten für den Umbau der städtischen IT sollen bei 50 bis 60 Millionen Euro liegen. Möglicherweise wird im Stadtrat analog zum Referat ein völlig neuer IT-Ausschuss gebildet. Eine andere Variante ist laut Reiter eine veränderte Ausrichtung des bisher schon bestehenden IT-Ausschusses.

"Mir ist bewusst, dass das ein sehr sportlicher Fahrplan ist. Aber das darf man nicht in die Zukunft schieben. Der jetzige Zustand der IT ist inakzeptabel für eine Millionenstadt, die dafür sicher nicht zu wenig Geld ausgibt", sagte der OB. Es dürfe nicht vorkommen, dass in Bürgerbüros lange Schlangen stünden, weil die Computer ständig ausfielen.

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Die Kosten von 50 bis 60 Millionen Euro für den Umbau der IT schrecken Reiter deshalb nicht. "Das hält sich im vertretbaren Rahmen." Wichtig sei nun vor allem, dass "wir einen verantwortlichen Ansprechpartner für die IT haben". Die Schaffung des neuen Referats will Reiter zuvor im Herbst "intensiv" mit dem Stadtrat diskutieren.

Als Grundlage dafür dient das Gutachten der Beraterfirma Accenture, das auf 449 Seiten die aktuellen Schwächen der städtischen IT beschreibt und Lösungswege aufzeigt. Geprüft wurden neben einem neuen IT-Referat die Auslagerung der gesamten städtischen IT in eine Service-Gesellschaft, punktuelle Verbesserungen im bestehenden System und ein neues Schmalspur-Referat, in das die IT-Abteilungen der Fachreferate nicht integriert würden.

Sechs Kriterien wurden zu Rate gezogen, als eindeutiger Sieger ging ein starkes, neues IT-Referat hervor. Dahinter folgte auf Platz zwei die komplette Auslagerung der IT in eine GmbH.

Diese Lösung wiederum würde die größte Oppositionspartei bevorzugen. Grünen-Fraktions-Chef Florian Roth hält die Bündelung der gesamten IT in einem eigenen Referat "für eine sehr aufwendige Rolle rückwärts". Bei der erst 2015 abgeschlossenen letzten Neuordnung habe die Stadt ihre IT "so weit weg wie möglich von der Bürokratie" haben wollen.

Auch auf Basis eines externen Gutachtens. Eine moderne IT müsse "unabhängig und flexibel" sein, ganz besonders auch bei der schwierigen Personalsuche auf einem umkämpften Markt, sagte Roth. Deshalb müsse man nun den Schritt weitergehen und eine eigene GmbH gründen, die alle Aufgaben bündelt. Für Roth ist nicht klar, warum das jetzige Gutachten die IT unbedingt in die Verwaltungsstrukturen zurückholen will.