Neuhausen/Nymphenburg Zu eng, zu voll

Dauerbrenner: Seit Langem wird gutes Parkmanagement gefordert.

(Foto: Catherina Hess)

Die bevorstehende Großbaustelle für die zweite S-Bahn-Stammstrecke, die Informationspolitik der Bahn und der hohe Parkdruck sind zentrale Themen der Bürgerversammlung in Neuhausen-Nymphenburg

Von Sonja Niesmann, Neuhausen/Nymphenburg

"Gravierende Belastungen", "Verkehrsinfarkt": Dem Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke sehen viele Neuhauser und Nymphenburger mit großer Sorge entgegen. Sie wollen wenigstens wissen, worauf genau sie sich einstellen müssen. Bei der Bürgerversammlung in der bis auf den letzten Stuhl besetzten Freiheiz-Halle beantragte Backstage-Betreiber Hans-Georg Stocker eine Einwohnerversammlung, in der die Anlieger "verbindliche Informationen" über die zu erwartenden Belastungen bekommen. Der Antrag wurde mit nur einer Gegenstimme angenommen. Martin Luce aus dem Neubauquartier Nymphenburg-Süd forderte, die Bahn und die Stadt sollten umgehend eine "persönliche Ansprechstelle vor Ort" einrichten: "Wir werden Marketingbroschüren und telefonische Ansprechpartner einer Kommunikationsabteilung der Bahn AG in Berlin nicht als ausreichend akzeptieren." Laut Planfeststellungsbeschluss sei die Bahn verpflichtet, vor Beginn des Baustellenbetriebs die betroffenen Anlieger "in geeigneter Weise" zu unterrichten.

Luce trug vor, dass auf die 2000 Bürger in Nymphenburg-Süd nicht nur die S-Bahn-Großbaustelle mit der geplanten Baustraßenführung rund um die Grundschule an der Margarethe-Danzi-Straße herum zukomme, sondern auch die geplante Umweltverbundröhre an der Laimer Unterführung und - so der Stadtrat sie endlich auf den Weg bringt - die Tram-Westtangente durch die Wotanstraße. Und das alles ohne Ausweichmöglichkeiten, "mit nur einer Zufahrtstraße ins Quartier", direkt vor dem Laimer Tunnel: "Da bahnt sich ein Verkehrsinfarkt an."

Bei der Parkplatzsituation an einigen Stellen im Viertel ist der Infarkt schon da. Im Herbst 2010 hatte die Stadtverwaltung den Neuhausern versprochen, die Ausweitung von Parklizenzgebieten über den Mittleren Ring hinaus werde in spätestens zwei bis zweieinhalb Jahren abgeschlossen sein. Mehr als sechs Jahre später - Anfang 2017 - soll die Vorlage zum "Parkraummanagement", wie es offiziell heißt, nun endlich in den Stadtrat kommen. "Das ist wohl in der Priorität etwas nach unten gerutscht, ich kann daher nur wiederholen, was ich schon auf der Bürgerversammlung letztes Jahr dazu gesagt habe", bedauerte Anna Hanusch (Grüne), die Vorsitzende des Bezirksausschusses. Großräumig um den Rotkreuzplatz herum soll es zwei neue Gebiete mit Parkwapperl geben, eines Richtung Norden, zur Ruffini- und Orffstraße hin, eines Richtung Süden, das noch die Richelstraße einschließt. Ob man das Gebiet um den Rosa-Luxemburg-Platz und den Arnulfpark einbeziehe, sei noch in der Prüfung. Rund um den U-Bahnhof Gern aber sieht die Verwaltung die Voraussetzungen nicht gegeben. Die Gerner wollen das auf keinen Fall akzeptieren, in 17 mehr oder minder gleichlautenden und mit großer Mehrheit angenommenen Anträgen forderten sie, auch Waisenhausstraße, Lenzfrieder Straße, Yorckstraße und Klugstraße zu Parklizenzgebieten zu machen. Der Parkdruck dort sei erheblich, vor allem wegen der vielen Pendler, die ihr Auto dort abstellen und mit der U-Bahn weiterfahren. Es sei ungerecht, formulierte eine Anwohnerin, "dass die einen entlastet werden und andere belastet bleiben".

Ein weiteres großes Verkehrsthema des Viertels, ein neuer Tunnel an der Landshuter Allee, fehlt eigentlich in keiner Neuhauser Bürgerversammlung, und so war es auch diesmal. Im August dieses Jahres hat der Stadtrat die erste Phase der Analysen und Planungen für eine Untertunnelung des 1,4 Kilometer langen Abschnitts des Mittleren Rings an zwei Büros vergeben, in nichtöffentlicher Sitzung. Marita Firnkes-Müller von der "Initiative für Neuhausen" beantragte, diese Auftragsvergabe offenzulegen, ehe Phase 2 der Planungen beginnt.

Der einzige Antrag des Abends übrigens, der einstimmig auf den Weg geschickt wurde, zielte darauf, die breiten Fugen zwischen den Pflastersteinen rund um den Brunnen am Rotkreuzplatz auszugießen, weil sie "richtige Stolperfallen" seien. Eine Vertreterin des Baureferats versprach noch in der Bürgerversammlung, das anzugehen.

Den größten Unterhaltungswert für sich verbuchen konnte Hans Wagner, der auf der dritten Bürgerversammlung in Folge seine Philippika gegen die Unsitte der Laubbläserei vortrug - und zum dritten Mal breite Zustimmung erntete für seinen Antrag, wenigstens die Stadt möge auf den Einsatz von Laubbläsern verzichten. Grünen-Stadtrat Florian Roth, der die Versammlung leitete, lauschte so fasziniert, dass er Wagner erst mit ziemlicher Verspätung das Hinweisschild auf die Redezeitbeschränkung hinhielt.