Neuhausen/Isarvorstadt Da führt kein Weg hin

Der Rainer-Werner-Fassbinder-Platz: Vor dem ehemaligen Heizkraftwerk wird der Münchner Filmemacher auch mit einem Bodendenkmal geehrt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Idee, außer dem Platz im Arnulfpark auch eine Straße in der Isarvorstadt nach Fassbinder zu benennen, ist kaum realisierbar

Von Birgit Lotze, Neuhausen/Isarvorstadt

Der Begriff "Betonwüste" fällt oft, wenn es um den Rainer-Werner-Fassbinder-Platz im Arnulfpark geht, das ist die Neubausiedlung zwischen Donnersberger- und Hackerbrücke. Das kuhfladenförmige Bodenkunstwerk, auf dem die Titel der Werke des 1982 gestorbenen Regisseurs zu lesen sind, heißt im Viertel auch "Asphalt-Pfütze". Kaum einer nimmt sie wahr, denn außer zur Mittagszeit, wenn Büroangestellte sich zum Snack auf der Straße treffen, ist hier nicht viel los. Als der Betreiber des "Freiheiz", das zur Konzerthalle umgebaute Heizwerk auf dem Platz, vor einigen Jahren ein Open-Air mit einem Fassbinder-Revival geplant hatte, begründete er dies so: Es sei traurig, dass dieser "nach einem so vitalen Mann benannte Platz einer der totesten Orte der Stadt" sei.

In der Ludwigs- und Isarvorstadt schaut man da ungern zu. Man wolle die öffentliche Aufmerksamkeit für diesen großen und "queeren" Künstler zurück ins Herz Münchens holen, hieß es im Bezirksausschuss. Fraktionsübergreifend wurde beantragt, dass in der Isarvorstadt an Rainer Werner Fassbinder erinnert wird - "in einer Form, die dem Menschen und seiner Bedeutung gerecht wird". Vier Jahre Zeit gibt der Bezirksausschuss der Stadt für eine "breite öffentliche Diskussion" über die Art und den Ort des Gedenkens und für die Umsetzung, bis zum 31. Mai 2020. Rainer Werner Fassbinder wäre an diesem Tag 75 Jahre alt geworden. Der Filmemacher war vor allem mit der Ludwigs- und Isarvorstadt verbunden: Als Kind wohnte er in der Stielerstraße, am Goetheplatz ging er ins Kino, war Schüler am Theresiengymnasium, arbeitete am Action-Theater in der Müllerstraße. Mehrere Jahre wohnte er in der Reichenbachstraße. Der Schwulentreff "Deutsche Eiche" war so etwas wie sein Wohnzimmer, ein Ort zum Feiern.

Es wird nicht einfach sein, den berühmten Sohn zurück ins Viertel zu holen. Straßennamen werden in München nur einmal vergeben. Schon damit der Notarzt schneller hinfindet. Überdies ist Fassbinders Platz auch Teil einer "thematischen Gruppierung", die Straßen ringsum sind nach Lilly Palmer, Marlene Dietrich und Luise Ulrich benannt. Umbenennungen nimmt die Stadt nur dann vor, wenn der Geehrte nicht den Kriterien entspricht - etwa wegen einer nachträglich bekannt gewordenen NS-Vergangenheit, sagt Bernd Plank vom Kommunalreferat. Es sei unmöglich, dass ein Platz und eine Straße an verschiedenen Stellen der Stadt ein und dieselbe Person ehren. Im Märchenviertel in Waldperlach gebe es einen Rotkäppchenplatz und eine Rotkäppchenstraße. Allerdings führe die Straße auch auf den gleichnamigen Platz. Eine Rainer-Werner-Fassbinder-Straße aus der Isarvorstadt bis nach Neuhausen sei aber ein Ding der Unmöglichkeit.