Neuhausen:Vergängliches Glück

Neuhausen: Grün ist die Hoffnung: Wo bis 2018 Medizingeräte gefertigt wurden, können vielleicht von Herbst an Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeitsräume einrichten. Das Anwesen gehört der Firma Euroboden, die an der Stelle aber in gut zwei Jahren mit dem Bau von Wohnungen beginnen will.

Grün ist die Hoffnung: Wo bis 2018 Medizingeräte gefertigt wurden, können vielleicht von Herbst an Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeitsräume einrichten. Das Anwesen gehört der Firma Euroboden, die an der Stelle aber in gut zwei Jahren mit dem Bau von Wohnungen beginnen will.

(Foto: Bernhard Springer/oh)

In einer Fabrik-Brache an der Schulstraße könnten circa 30 Ateliers und Werkstätten für bis zu 40 Kulturschaffende entstehen. Die Zwischennutzung wäre allerdings auf zwei Jahre beschränkt

Von Sonja Niesmann, Neuhausen

400 Bewerbungen in diesem Jahr auf die 24 Ateliers im Atelierhaus Baumstraße, 269 Bewerbungen von bildenden Künstlern für die 101 Arbeitsräume im städtischen Atelierhaus am Domagkpark im Jahr 2019. Nur zwei Beispiele, die einen eklatanten, oft beklagten Mangel, der Kreative aus München wegtreibt, illustrieren. In Fabrikräumen in Neuhausen an der Schulstraße 16 a könnte es von September an ein paar erschwingliche Arbeitsräume mehr geben. Die 2018 stillgelegte Medizingerätefabrik Wagner, eine der letzten innerstädtischen Fabrik-Brachen, soll Künstlerinnen und Künstlern zur Zwischennutzung zur Verfügung stehen - Malen statt Metall veredeln, Skulpturen aus Holz oder Stein meißeln statt Blechteile ausstanzen ist dann im Hinterhof angesagt.

Allerdings werden dem "Domagk-Herz Neuhausen" nur zwei Jahre vergönnt sein - dann sollen die alten Fabrikgebäude abgerissen werden und Wohnungen Platz machen. Etwa 30 Ateliers und Werkstätten für bis zu 40 Künstlerinnen und Künstler könnten in den drei Gebäuden auf 1200 Quadratmetern Platz finden - zu Mieten von acht bis zwölf Euro pro Quadratmeter, sagt Bernhard Springer vom Vorstand des Vereins Domagk Kunstunterstützung. DoKu betreibt im Auftrag des Kulturreferats seit vielen Jahren die Domagk-Ateliers in Freimann und bemüht sich seit 1998 darum, bezahlbare Arbeitsräume in München für Kunstschaffende aufzutreiben.

Gekauft hat das Areal an der Schulstraße, unweit der bekannten Eisdiele Sarcletti, die Firma Euroboden von Stefan Höglmaier. Sie hat in Fürstenried beispielsweise den denkmalgeschützten Derzbachhof zu Wohnzwecken umgebaut. Der Kontakt mit DoKu kam über den Architekten Benedict Esche, der den Kunstturm im Domagkpark konzipiert hatte, zustande. Euroboden, so betont eine Sprecherin des Unternehmens, sei durch seine Kunstinitiative "BNKR - current reflections on art and architecture" seit vielen Jahren im regen Austausch mit Münchner Kunstschaffenden.

Für etwa 70 000 bis 75 000 Euro könnte man die meist großflächigen Werkshallen, unter anderem eine Stanzerei und eine Galvanisierungsstraße, in Trockenbauweise instandsetzen und in kleinere Einheiten unterteilen, erläutert der Künstler Bernhard Springer, der seit 1996 selbst in den Domagk-Ateliers ansässig ist. Es solle ein "leiser Ort" werden, mit Rücksicht auf die Wohnungen in der Nachbarschaft; und so man es finanziell stemmen könne - will heißen, Sponsoren findet -, könnte auch in einer der Hallen ein "Community Space" entstehen, ein Treffpunkt für Initiativen aus dem Viertel, ein Ort der Begegnung auch zwischen Künstlern und Nachbarn. Die Instandsetzung und die laufenden Kosten sollen durch die Mieten gedeckt werden, doch natürlich bemüht sich der Verein auch um Zuschüsse, etwa beim Kulturreferat und bei Stiftungen.

Der Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg hat bereits 10 000 Euro zugesagt - ein Kompromiss. Beantragt hatte der Verein DoKu 15 000 Euro. Die SPD hätte das gerne bewilligt, die CSU wollte gar nichts zuschießen. Für sie rechnete Franziska Velte vor, eine Umlegung der Renovierungskosten auf die künftigen Mieter bedeute für diese nur etwa 20 Euro monatlich mehr an Miete. "Wir sollten besser deutlich nachhaltigere Projekte unterstützen", erklärte Velte, anstatt ein solch temporäres Projekt. Überdies störte sie sich daran, dass nur 20 der 30 geplanten Ateliers über den "Raummelder" des Kompetenzteams für Kultur und Kreativwirtschaft der Stadt vergeben werden sollen, für die anderen zehn habe der Verein bereits Mieter im Blick.

© SZ vom 23.07.2021
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