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Neuhausen:Sportinvalide

Das 1928 eröffnete Stadion an der Dantestraße muss umfassend saniert und erweitert werden. Erste Vorplanungen laufen gerade, unter anderem geht es um den Rückbau der Tribünen

Ein paar Schönheitsreparaturen, das wäre zu kurz gesprungen. Das Stadion an der Dantestraße 14, Münchens viertgrößtes, eröffnet im Sommer 1928, braucht "dringend" und "schnellstmöglich" eine umfassende Generalsanierung und auch eine Erweiterung. Die gesamte Anlage, Gebäude wie Freiflächen, ist nach Einschätzung des städtischen Sportreferats in so schlechtem Zustand, dass ein ordentlicher und sicherer Trainings- und Wettkampfbetrieb nicht mehr gewährleistet werden kann. Das Baureferat ist bereits mit einer Vorplanung beschäftigt, eine Kostenschätzung gibt es noch nicht.

17 Vereine trainieren und treten im Dante-Stadion an, neben Punktspielen der American-Football-Mannschaften Munich Cowboys und Munich Rangers finden dort Leichtathletikveranstaltungen, Jugendfußballturniere und Sportfeste verschiedener Schulen statt. Der Neuhauser Rudolf-Diesel-Realschule dient die Anlage zum Sporteln im Freien, auch Polizisten traben dort zum Dienstsport an. Der ESC München, die benachbarte Berufsschule für Gartenbau und Floristik, eine Kindertagesstätte sowie die Stadt selbst für ihr Freizeitsportprogramm nutzen zudem die Kleinsporthalle und den Gymnastiksaal. Schon um den Platzbedarf all dieser Vereine und Gruppen zu decken, brauche es einen Erweiterungsbau, heißt es im Papier aus dem Sportreferat. Zusätzlich soll die Zentrale Servicewerkstatt des Geschäftsbereichs Sport vom Grünwalder Stadion ins Dantestadion umziehen, da die Flächen in Giesing dringend für den Liga-Spielbetrieb benötigt werden.

Frauen-Football im Dantestadion in München, 2017

Von American Football über Leichtathletikwettbewerbe bis hin zum Polizeisport: Das Dantestadion steht unter einem hohen Nutzungsdruck, dessen Auswirkungen nicht mehr zu übersehen sind. Eine umfassende Sanierung ist dringend nötig.

(Foto: Claus Schunk)

Bereits 1954 bis 1958 ist das Stadion nach der Rückgabe durch die US-Army an die Stadt grundlegend saniert, vor den Olympischen Spielen 1972 noch einmal umgebaut und nachgerüstet worden. Die letzte Sanierung erfolgte 1985. Obwohl laufend am Unterhalt der 53 100 Quadratmeter großen Anlage gearbeitet worden sei, versichert die Verwaltung, habe die intensive Nutzung deutliche Spuren hinterlassen. Einige Beispiele aus der Mängelliste: Ein Teil der Tribüne musste aus Sicherheitsgründen gesperrt werden, so dass von 14 225 Sitz- und Stehplätzen - ursprünglich waren es sogar fast 32 000 Plätze - nur 7300 zur Verfügung stehen. Die 400-Meter-Bahn ist wellig. Die Stabhochsprung-Anlage kann nicht genutzt werden. Das Hauptgebäude hat Feuchtigkeitsschäden, Hygiene- und Brandschutzmängel. Ein Lagerschuppen gilt als einsturzgefährdet. Es fehlen eine Sicherheitszentrale, Trainings- und Büroräume, adäquate Umkleiden und ein Cateringbereich für Wettkämpfe und Punktspiele. Der Versammlungsstättenverordnung entspricht die Anlage nicht mehr, barrierefrei ist sie auch nicht.

Bei der Sanierung der Tribünen - mit Ausnahme der überdachten Haupttribüne - sollen zwei Varianten geprüft werden: ein Rückbau auf 4999 Plätze, was für die Zuschauer der ansässigen Vereine reichen würde. Oder aber auf 10 001 Sitz- und Stehplätze, was internationale Leichtathletik-Meisterschaften bis zur Altersklasse U 20 sowie Punktspiele in der dritten Fußball-Bundesliga erlauben und auch einzelne "Zuschauerspitzen" beim American Football abdecken würde. Das Baureferat soll für beide Varianten die Kosten schätzen. Außerdem soll geprüft werden, ob die Modernisierung der Sportanlagen im Freien abschnittweise erfolgen kann, um den Betrieb wenigstens teilweise aufrecht zu erhalten. Manche Arbeiten könnten in punktspielfreie Monate gelegt werden. Damit Schulen und Vereine zumindest eingeschränkt laufen, springen oder den Ball treten können, müssten auch Container mit Umkleiden und Sanitärräumen her.

Das repräsentative Entree trügt: Die Anlage - selbstverständlich auch für Erwachsene nutzbar - ist in einem beklagenswert schlechten Zustand.

(Foto: Stephan Rumpf)

Schnell entschieden und angegangen werde müsse das Projekt auch deshalb, betont das Sportreferat, weil das Dante-Stadion als offizielle Trainingsstätte aufgeführt sei bei den European Championships, die im Jahr 2022 in München stattfinden. Da müsse es auch zur Verfügung stehen.