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Neuhausen:Schnelle Entwarnung

Katastrophenschutz zieht Pläne für die Halle 23 zurück

Von Ellen Draxel, Neuhausen

Verwirrspiel um die Halle 23 im Kreativlabor: Bis zum Freitagspätnachmittag wurden Pläne gehandelt, die Halle möglicherweise für einige Jahre als Unterkunft des Münchner Katastrophenschutzes zu nutzen. Was Schockwellen in Richtung der kreativen Szene auslöste, die sich Hoffnungen auf ein Unterkommen gemacht hatte, drehte sich im Laufe des Tages: "Der Standort kommt nicht in Frage, er ist für unsere Bedarfe ungeeignet", ließ der Katastrophenschutz auf SZ-Anfrage mitteilen.

Das Kommunalreferat hatte vor drei Wochen die Eigentümerin des Geländes, die Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrumsgesellschaft (MGH), gebeten, sich das 3800 Quadratmeter große Gebäude an der Dachauer Straße 110 a "mal anschauen zu dürfen", wie MGH-Chef Rudolf Boneberger erzählt. Denn die Behörde sucht nach einem Ersatzstandort für die Zeppelinhalle, in welcher der Katastrophenschutz noch mit bis zu 26 Fahrzeugen, Umkleiden, Sanitäranlagen und kleineren Besprechungsräumen untergebracht ist. Den Platz in der denkmalgeschützten Obersendlinger Halle wird voraussichtlich von Herbst 2022 an die Straßenreinigung für den Bau der Tram-Westtangente brauchen. Langfristig soll der Katastrophenschutz zwar in einem Neubau der Feuerwache 5 in Ramersdorf unterkommen. Doch deren Fertigstellung dauert noch. Entschieden sei zur Halle 23 bislang aber noch nichts, betonte die Sprecherin des Kommunalreferats, Maren Kowitz. Im Übrigen würden "diverse Alternativstandorte geprüft", etwa in Bogenhausen und Pasing.

Für viele Kulturschaffende, Kreative und Vertreter gemeinwohlorientierter, sozialer Projekte war diese Wendung ein Schock. Sie waren davon ausgegangen, dass die Belebung der Halle 23 ihnen vorbehalten sei. Zumal das für die Vermietung zuständige Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt in Absprache mit der MGH nach Kritik die Mietkriterien für das Gebäude deutlich verbessert hatte. Lagen die Mietforderungen für das Erdgeschoss zunächst bei fast 20 Euro warm pro Quadratmeter, wurde zwischenzeitlich ein "Richtwert" von 8,25 Euro angestrebt. Doch die Ausschreibung wurde erst einmal gestoppt.

Dass Stadtrat Leo Agerer (CSU) mit seiner Kritik so schnell Recht bekommen würde, hätte er wohl selbst nicht gedacht. Der Stadtrat hatte eher beiläufig von den Ideen erfahren, die er "mehr als fragwürdig" findet. Sein Antrag, die Pläne im Hinblick auf den Katastrophenschutz "einzustellen", eilig eingereicht und am Freitagmittag veröffentlicht, war Stunden später bereits erledigt.

© SZ vom 10.04.2021
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