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Neuhausen:Röhre auf dem Prüfstand

Die Bürgerinitiative "Pro Tunnel Landshuter Allee" mutmaßt, dass die unterirdische Trasse vor lauter Untersuchungen begraben werden könnte. Fest steht: Vor 2020 ist mit keinem weiteren politischen Schritt mehr zu rechnen

Im vorigen Jahr wähnten sich die von Lärm und Schadstoffen geplagten Anwohner der Landshuter Allee ihrem sehnlichsten Wunsch - einem neuen Tunnel - schon so nahe, dass sie sich in der Neuhauser Bürgerversammlung bedeckt hielten oder gar nicht erst kamen. So ging mit Mehrheit ein Antrag gegen die Röhre durch. In der diesjährigen Versammlung am 28. November werden die Tunnel-Befürworter ihre Truppen wohl wieder in Marsch setzen - zumal sie die Stadt ohnehin einer politischen Hinhaltetaktik verdächtigen.

"Wir sehen uns erneut mit der Situation konfrontiert, dass die angeblich präferierte Realisierung des Landshuter-Allee-Tunnels in immer neuen Vorab- und Ergänzungsprüfungen zu versinken droht", hatte die Bürgerinitiative "Pro Tunnel" schon im Sommer geschimpft. Fest steht: In diesem Jahr gibt es keinen politischen Beschluss und schon gar keinen Zeitplan für das auf gut 500 Millionen Euro geschätzte Projekt mehr. Das bestätigt nun auch die Antwort auf eine Anfrage der Bayernpartei im Stadtrat, die auf rasche Umsetzung drängte. "Voraussichtlich im Laufe des Jahres 2020" - eine sehr dehnbare Zeitspanne - werden laut dem städtischen Baureferat weitere Prüfungen abgeschlossen und reif für eine Debatte im Stadtrat sein.

Stau am Mittleren Ring in München, 2018

Stoßstange an Stoßstange schieben sich die Fahrzeuge Tag für Tag über die Landshuter Allee. Ein 1,4 Kilometer langer Tunnel soll Anwohner entlasten. Doch wann und vor allem wie dieser realisiert wird, ist noch völlig ungewiss. Die Befürworter werden langsam ungeduldig.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Im Juli 2018 hatte das Baureferat seine Vorplanung vorgestellt für die 1,4 Kilometer lange unterirdische Strecke. Der Haken daran: An der Hirschbergstraße, wo der Verkehr wieder an die Oberfläche käme, könnten die Grenzwerte für Schadstoffe nicht eingehalten werden. Die Lösung könnte entweder eine Einhausung der Aus- und Einfahrtsrampen am Südportal sein oder aber gleich eine Verlängerung des Tunnels unter der Arnulfstraße hindurch. Zwei Varianten, zwei eigene Gutachten, zu Immissionen, Sicherheit und Verkehrsführung.

Die zweite Variante bedinge ein Gutachten zur Instandsetzung beziehungsweise Teilerneuerung der Donnersbergerbrücke und dazu auch "umfangreiche Abstimmungen mit der Deutschen Bahn, die bereits laufen", teilt das Baureferat mit. Abstimmungen mit der Deutschen Bahn - das lässt erfahrungsgemäß nicht auf flottes Tempo hoffen. Und erst wenn alle Gutachten vorliegen, könne man Kosten ermitteln und vergleichen.

Für die Prüfung zum Umbau der Donnersbergerbrücke, da sachlich begründet, hat die Bürgerinitiave durchaus Verständnis geäußert. "Allerdings haben all die Prüfungen gemein, dass sie das Projekt immer wieder auf unabsehbare Zeit verzögern", moniert die BI und setzt hinzu: ""Wir wollen nicht darüber spekulieren, ob alle diese Zusatzprüfungen und vor allem die Unvorhersehbarkeit ihrer Dauer tatsächlich bautechnischen Erfordernissen geschuldet sind."

Luftmessstation München

Auf dem Dach einer Luftmessstation an der Landshuter Allee sind verschiedene Messgeräte für die Ermittlung von Schadstoffen installiert.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Den Anwohnern an diesem Abschnitt des Mittleren Rings, mit weit mehr als 100 000 Fahrzeugen täglich eine der meistbefahrenen Straßenstrecken in der ganzen Bundesrepublik Deutschland, zwinge dies "eine immer unerträglicher werdende Lebenssituation" auf. Nach Ansicht der Bürgerinitiative ist die Stadt verpflichtet, die Belastung durch diesen Verkehrsmoloch umgehend zu minimieren, und zu verhindern, dass der Verkehr dort weiter zunimmt - parallel zum Vorantreiben der Tunnelrealisierung.

Wie solche Maßnahmen aussehen könnten, will die Bürgerinitiative in sogenannten Alleegesprächen bei den Oberbürgermeisterkandidaten und -kandidatinnen für die nächste Kommunalwahl im März 2020 abklopfen. Jörg Hoffmann (FDP), Kristina Frank (CSU) und Hans-Peter Mehling (Freie Wähler) sind bereits interviewt worden (abrufbar unter www.pro-tunnel.de), bei Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Katrin Habenschaden (Grüne) hat man angefragt.