Neuhausen:Olympisches Erbe

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Die einstigen Pläne für ein Mediendorf auf dem Oberwiesenfeld sind noch aktuell - der Freistaat will Wohnungen bauen

Von Sonja Niesmann, Neuhausen

Den Zuschlag für die Olympische Winterspiele 2018 hat München zwar nicht bekommen, aber: Das Projekt eines olympischen Mediendorfes auf dem südlichen Oberwiesenfeld, das nach dem Erlöschen der Flamme dauerhaft als Wohnquartier zur Verfügung hätte stehen sollen, ist nicht beerdigt. "Wir haben deutliche Signale bekommen, dass der Freistaat dort nun doch Wohnungen bauen will", berichtete Ulrich Schaaf vom Planungsreferat über das nach wie vor unter "Mediendorf M 2018" firmierende Vorhaben eher beiläufig während einer Einwohnerversammlung in Neuhausen. Helmut Gropper, Geschäftsführer der Gesellschaft für den Staatsbedienstetenwohnungsbau (Stadibau) bestätigt die Pläne auf Anfrage. "Etwa 400 Wohnungen" - Schaaf sprach von 500 bis 600 sollen auf dem Areal nördlich der Schwere-Reiter-Straße zum Olympiapark hin entstehen, aufbauend auf dem Siegerentwurf des damaligen Wettbewerbs. Zum Zeitplan sagt Gropper: "So schnell wie möglich, das steht bei uns ganz oben." Es müssten noch einige Punkte geklärt werden, wie etwa die Verlagerung der Tierklinik - "aber da ist ja nun Bewegung hineingeraten".

Ursprünglich sollten die Olympischen Winterspiele im Nachgang dem extrem angespannten Wohnungsmarkt in München sogar weit mehr neue Wohnungen bescheren. Der Bund hätte nämlich der Stadt sein Gelände an der Dachauer Straße, im Süden des Olympiaparks, auf dem sich das Bundeswehr-Verwaltungszentrum befindet, zum Bau des Olympischen Dorfes für die Sportler überlassen. Dieses und das Mediendorf für Journalisten aus der ganzen Welt hätten "postolympisch" zusammen 1300 Wohnungen gebracht. Die Spiele 2018 aber gingen nicht an München, sondern ins südkoreanische Pyeongchang, die Bewerbung für 2022 haben die Münchner im Jahr 2013 per Bürgerentscheid gestoppt. "Damit war der Druck weg", bedauert Schaaf, "sonst würden die Wohnungen längst stehen." Die Stadt habe zwar versucht, beide Vorhaben dennoch weiter anzuschieben, beim Bundeswehr-Gelände jedoch "geht nichts voran". Dass der Freistaat auf seinem Gelände nun aktiv werden will, nimmt man im Rathaus umso erfreuter zur Kenntnis und sichert volle Unterstützung zu. Ein Aufstellungsbeschluss für das Mediendorf sei damals schon gefasst worden, merkt Ulrich Schaaf an, man könne also direkt ins Baugenehmigungsverfahren einsteigen, wenn die Stadibau vor der Tür steht.

Wieder in den Fokus rückte das Gelände am südlichen Oberwiesenfeld, als der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) Ende 2015 eine Wohnungsoffensive ankündigte. Bis zum Jahr 2020 wolle die Stadibau, eine hundertprozentige Tochter des Freistaates, in München rund 1000 neue Wohnungen mit Mieten unter Marktniveau errichten. Sie sollen vor allem Staatsbediensteten mit niedrigem Einkommen wie Polizisten, Krankenschwestern oder Justizbediensteten zur Verfügung stehen.

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