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Neuhausen/Nymphenburg:Zäher Grabenkampf

Die Bürgerversammlung des Viertels spricht sich gegen die Untertunnelung der Landshuter Allee aus. Auch die geplanten 155-Meter-Türme an der Paketposthalle stoßen auf Ablehnung

Die Begeisterung von Bewohnern des Viertels über den geplante Tunnelausbau unter der Landshuter Allee hält sich nach wie vor in Grenzen. Was sich 2018 bei der Bürgerversammlung an Kritik an der neuen 1,5 Kilometer langen Röhre von der Donnersbergerbrücke bis zur Brücke über die Dachauer Straße abgezeichnet hatte, setzte sich bei der diesjährigen Veranstaltung in der Turnhalle des Adolf-Weber-Gymnasiums fort. Mit einer Mehrheit von 66 zu 65 Stimmen brachten die Neuhauser, die zur Bürgerversammlung erschienen waren, zum Ausdruck, dass die Weiterarbeit am Konzept für das Großprojekt am besten eingestellt werden soll.

Eine umstrittene Vision: die 155-Meter-Türme an der Paketposthalle. Simulation: Herzog de Meuron

Marita Finkes-Müller, die Sprecherin der "Initiative für Neuhausen", hatte dargelegt, dass der neue Tunnel sehr wahrscheinlich zusätzliche Verkehrsströme nicht auffangen könne. Die Anwohner erwarte der Verlust von schützenden Baumreihen am Straßenrand, eine bis zu zehn Jahre dauernde Großbaustelle mit allen negativen Auswirkungen, möglichen Eingriffen in die Donnersbergerbrücke und eine anschließende "Betonwüste aus Rampen". Die Stadt müsse nach Alternativen zur Verbesserung der Verkehrssituation sowohl im bestehenden Tunnel als auch an der Oberfläche suchen. Anstatt bis zu 700 Millionen Euro für ein einzelnes Projekt auszugeben, solle in die Entwicklung eines intelligenten und zukunftsorientierten Verkehrskonzepts für Neuhausen und Nymphenburg investiert werden.

Unter anderem sorgt die Landshuter Allee für Diskussionsstoff.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Befürworter einer beschleunigten Planung für den Tunnel, wie etwa der Vorsitzende des Sportvereins FT München-Gern, Michael Franke, bekamen keinen Rückhalt durch die Bürgerversammlung. Das Vereinsgelände liegt unmittelbar an der Landshuter Allee. Der Sportbetrieb müsse auch während der Bauphase für den Tunnel sichergestellt sein, außerdem brauche man Planungssicherheit für eine Modernisierung des Vereinsheims und der Spielfelder. Ralf Wulf, der im städtischen Baureferat die Abteilung Ingenieurbau leitet, sicherte zu, dass im kommenden Jahr konkretere Planungen für das Tunnelprojekt vorgelegt werden.

Jutierhalle in München, 2019

Auch das Kreativquartier beschäftigt die Bürgerversammlung.

(Foto: Catherina Hess)

Die Mehrzahl der rund 50 Anträge, die in der Bürgerversammlung gestellt wurden, drehte sich um Verkehrsfragen. So wurde beispielsweise der geforderte Bau einer Anwohner-Tiefgarage unter dem Leonrodplatz von der Mehrheit begrüßt. Die Ausweisung neuer Parklizenz-Gebiete helfe den Anwohnern nämlich kaum. An der Oberfläche des Platzes sollten Fahrrad-Abstellanlagen bereitgestellt werden, lautete ein weiterer Antrag, der angenommen wurde. Eine Rednerin monierte schließlich die Verkehrssituation in Verlängerung der Erika-Mann-Straße und im Umfeld der Donnersbergerbrücke. Da müsse man sich als Fußgänger oder Radfahrer von einer Gefahrensituation zur anderen hangeln. Weil es an der Kreuzung Landshuter Allee mit der Nymphenburger Straße immer wieder zu Staus kommt, hätten die Anwohner unter einem permanenten Hupkonzert zu leiden, sagte ein Antragsteller. Deswegen sollten bereits in der Schweiz gebräuchliche "Lärmblitzer" aufgestellt werden, um Hupsünder zu überführen.

Im Stadtrat wurden sie gelobt, in der Bürgerversammlung waren sie eher ein Ärgernis: die geplanten 155-Meter-Türme an der Paketposthalle in der Nähe der Friedenheimer Brücke. "Die Hochhäuser gefallen mir sehr gut", sagte ein Bürger, "doch nicht an dieser Stelle, am besten in Frankfurt." Eine knappe Mehrheit teilte diese Meinung. Ebenso wie die Forderung nach einem Bürgerentscheid zur künftigen Höhenentwicklung beim Bauen in München. Auch die Sorge um die Verletzung wichtiger Sichtachsen in der Stadt-Silhouette war ein Thema. Doch nicht nur Hochhäuser können Zeichen setzen. Eines der großen Zukunftsprojekte ist das "Kreativquartier" entlang der Dachauer Straße. Die Arbeit mit Jugendlichen und die kulturelle Bildung müsse dort gesichert werden, forderte die Versammlung. Sie unterstützte auch das Anliegen des Vereins WerkBox3. Die Hobbyhandwerker verlieren ihre bisherige Halle im Werksviertel. Nun böten sich die leer stehenden Bauten der Stadtentwässerung auf dem Kreativquartier-Areal als neue Bleibe an.