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Neuhausen/Nymphenburg:Sorge um die Sicherheit

Umkämpftes Terrain: Eltern protestieren gegen den Rückbau des Radwegs an der Nibelungenstraße.

(Foto: Catherina Hess)

Lokalpolitiker wollen die Nibelungenstraße zur Fahrradstraße machen - Eltern hätten Radwege für Kinder bevorzugt

Der geplante Abbau von Radwegen hat nach Lehrern und Schülern jetzt auch die Eltern des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums auf den Plan gerufen. In einer eilends gegründeten Elterninitiative für deren Erhalt haben sie nach eigener Aussage bereits mehrere hundert Unterschriften gesammelt. "Eine Fahrradstraße genügt uns nicht für diese wichtige, aber ohnehin schon schmale Ost-/Westachse", sagte die Elternbeirats-Vorsitzende Karin von Wilmowski in der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Neuhausen-Nymphenburg. Die Stadt sage, sie habe kein Geld, um die Radwege zu sanieren, aber der Romanplatz werde für Millionen Euro umgebaut. Betroffen sind laut Julian Kampmann, ebenfalls Mitglied des Elternbeirats, auch die Schulen am Winthirplatz und die Stephanuskirche mit ihrem Kindergarten.

Neben dem Abbau der Radwege plant die Stadt, zwischen Winthirplatz und Winthirstraße auf einer Seite Schrägparkplätze anzulegen. Zumal in einer Tempo-30-Zone wie dort grundsätzlich keine Radwege nötig wären, wie die BA-Vorsitzende Anna Hanusch (Grüne) anmerkte.

Veraltet ist diese Verordnung, wie einige Eltern mutmaßten, nicht. Nach Auffassung von Experten seien Radwege oder -streifen in Dreißiger-Straßen nicht nur überflüssig, sondern auch gefährlich, schreibt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) auf seiner Webseite. In Tempo-30-Zonen seien daher benutzungspflichtige ausdrücklich in der Straßenverkehrsordnung verboten, nicht benutzungspflichtige dürfen aber bestehen bleiben. Aus Sicht der Stadt ist deren Zustand in der Nibelungenstraße aber so marode, dass eine Sanierung nicht mehr wirtschaftlich wäre. Die Grünen hatten daraufhin beantragt, die Nibelungenstraße auf ganzer Länge in eine Fahrradstraße umzuwidmen. Und zwar kurzfristig, sodass sie sich noch erproben lasse, bevor die Stadt - voraussichtlich im Frühjahr 2021 - mit dem Umbau beginnt.

Die Eltern halten dagegen Schüler auf Radwegen für besser aufgehoben. Die stellenweise sehr schmale Straße müsse mit dem Gegenverkehr geteilt werden. "Aus unserer Sicht ist eine Fahrradstraße eine Verschlechterung zu Radwegen", sagte Kampmann. Ein weiterer Gefahrenpunkt für radelnde Kinder seien die rückwärts ausparkenden Schrägparker. Kinder bis acht Jahre müssten ohnehin auf dem Gehweg fahren, bis zehn Jahre dürften sie es, erwiderte Grünen-Sprecher Nikolai Lipkowitsch. Zudem halte er rückwärts ausparkende Fahrzeuge für ein geringeres Risiko als aufgehende Autotüren von Längsparkern. Gefährlich auf Radwegen seien schließlich auch Einfahrten.

Gudrun Piesczek (CSU) äußerte sich überzeugt davon, dass die Planung der Stadt die Nibelungenstraße wesentlich aufwerten werde. Man müsse sich auch darum kümmern, dass die dortigen Anwohner parken könnten. Und großartige Neubauten mit Garagen seien in dem Gebiet nicht mehr zu erwarten. Sie warnte jedoch davor, zu viel des Guten auf einmal zu wollen. "Das ist wie Hosenträger und Gürtel gleichzeitig", sagte sie. Man habe dann Autos, eine Fahrradstraße und Radwege. "Macht's was Gscheit's, aber nicht alles nebeneinander." Denn nichts halte sich bekanntermaßen so lange wie Provisorien. Der Grünen-Antrag auf eine Fahrradstraße wurde dennoch mehrheitlich angenommen.