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Neuhausen/Nymphenburg:Segler ohne Schiff

Matrose geht von Bord: Die Freien Wähler lassen Thomas Neuberger nicht mehr für den Neuhauser Bezirksausschuss kandidieren.

(Foto: Privat)

Weil er für die Weihnachtsfeier des Matrosenchors München eine Stripperin gebucht hat, verliert Thomas Neuberger seinen Platz auf der Kandidatenliste der Freien Wähler und das Amt des Kinderbeauftragten

Seinen Platz auf der Kandidatenliste der Freien Wähler (FW) für den Bezirksausschuss hat er verloren, das Amt des Kinderbeauftragten im Neuhauser Bezirksausschuss (BA), das er sieben Jahre lang ausgeübt hat, ebenfalls: Dass Thomas Neuberger, auch Vorstand des Matrosenchors München, für die Weihnachtsfeier der Sänger, ihrer Frauen und einiger Kinder vor sechs Wochen eine Stripperin gebucht hat, hat ihn nun politisch heftig ins Straucheln gebracht. Er selbst gibt sich locker: "Für meine Lebensplanung ist der Bezirksausschuss wirklich nicht entscheidend."

Seine Partei, zu der er 2014 von der FDP gewechselt war, distanzierte sich nach dem ersten, groß aufgemachten Bericht in einer Münchner Boulevardzeitung über die Strip-Show umgehend von ihm. Der Vorfall selbst, die breite Berichterstattung darüber, Neubergers mangelnde Einsicht, das alles könne den anderen Kandidaten schaden, erklärte der FW-Stadtvorsitzende und bayerische Kulturminister Michael Piazolo. Der FW-Vorstand forderte Neuberger auf, freiwillig auf seine Kandidatur für den Stadtrat (Listenplatz 10) und den Bezirksausschuss (Platz 1) zu verzichten; diesen Gefallen allerdings tat der 43-jährige Jurist seiner Partei nicht. An der Stadtratsliste war laut Piazolo nicht mehr zu rütteln, für den Bezirksausschuss-Wahlvorschlag gab es aber im Januar eine neue Aufstellungsversammlung, bei der diejenigen Mitglieder, die den in Ungnade Gefallenen loswerden wollten, knapp in der Mehrzahl waren. Weder Neuberger noch seine Unterstützer wurden auf die Liste gewählt. Spitzenkandidat ist nun der 32-jährige Student Andreas Staufenbiel (Platz 3 auf der Stadtratsliste), ihm folgt die 48-jährige Angestellte Pia Utz (Platz 5 der Stadtratsliste).

Möglicherweise geht der Schuss für die Freien Wähler aber nach hinten los. Einige der gescheiterten Kandidaten fechten nämlich die neue Liste an, sagt Thomas Neuberger. Michael Piazolo erklärt auf Anfrage, er wisse "nur vom Hörensagen, dass so ein Schreiben eingegangen sei", gesehen habe er es noch nicht. In der Regel entscheidet im Fall einer Anfechtung zunächst der Parteivorstand, ob er eine neue Wahl abhält, allerdings ist es dafür in diesem Fall zu spät. Die Frist zum Einreichen der Wahlvorschläge für die Kommunalwahl beim Wahlamt endet am heutigen Donnerstag um 18 Uhr. Informationen über die eingereichten Listen erteilt das Wahlamt erst am 24. Januar. Parteiinterne Probleme berühren das Wahlrecht zwar nicht, erklärt ein Sprecher des Kreisverwaltungsreferats. Das heißt, die Anfechtung spielt beim Einreichen der Liste für das Wahlamt keine Rolle, wenn es eine korrekte Aufstellungsversammlung gab. Sollte die Anfechtung - entweder bei einem Schiedsgericht oder direkt beim Wahlamt - aber Erfolg haben, stünden die Freien Wähler im Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg ohne Wahlvorschlag da. Das Nachreichen einer Liste ist nicht möglich.

Neuberger will sich von der Niederlage, mit der er nicht wirklich gerechnet hat, "nicht unterkriegen lassen": "Ich hab' von vielen Leuten draußen Zuspruch gekriegt." Er werde, kündigt er an, eben im Alleingang Wahlkampf für den Stadtrat machen, wenn auch Listenplatz zehn kein wirklich aussichtsreicher sei. Im amtierenden Stadtrat haben die Freien Wähler gerade mal einen Sitz.

Der Neuhauser Bezirksausschuss hat am Dienstagabend nach längerer Debatte in nichtöffentlicher Sitzung mit sehr klarer Mehrheit für Thomas Neubergers Abberufung als Kinderbeauftragter gestimmt. BA-Vorsitzende Anna Hanusch (Grüne) hatte bei ihm das nötige "Feingefühl" für dieses Amt vermisst, viele sahen das wohl ähnlich. Manche fanden die Stripperin zwar weniger skandalös, kritisierten aber Neubergers "Schadensmanagement", statt Rechtfertigung und Vorwärtsverteidigung hätten sie sich mehr Einsicht und Reue gewünscht. Sei halt nicht seine Art, gibt Neuberger zurück: "Natürlich hab' ich einen Fehler gemacht. Aber der wird auch nicht besser dadurch, dass ich auf die Knie falle und demütig um Entschuldigung bitte."

Da der Posten des Kinderbeauftragten ein Pflichtamt in den Bezirksausschüssen ist, wird sich das Neuhauser Gremium mit einer Nachfolgeregelung beschäftigen müssen, auch wenn es nur noch drei Monate bis zum Ende der Amtsperiode sind.

© SZ vom 23.01.2020
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