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Neuhausen/Nymphenburg:Höchstens halb so hoch

Die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung kritisiert, dass die geplanten Zwillingstürme an der Paketposthalle mit ihren 155 Metern die Blickachse von Schloss und Park aus stören

155 Meter: geht gar nicht. Allenfalls 60 Meter hoch dürften die beiden Türme neben der Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke aus Sicht der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung werden. So niedrig also, dass sie von Schloss Nymphenburg aus und dem Rondell davor nicht zu sehen seien, denn der Blick auf zwei derart gen Himmel ragende Klötze würde die denkmalgeschützte, weltberühmte Barockkomposition des Schlosses und seiner Garten- und Parklandschaft beträchtlich stören. Bei den Planungen für dieses Areal müsse man sich an den Vorgaben für den Bebauungsplan Birketweg (ebenfalls an der Friedenheimer Brücke) orientieren, die vor Jahren eine maximale Höhe von 60 Metern zugelassen haben, fordert der Präsident der Schlösserverwaltung, Bernd Schreiber.

In reduzierter Besetzung, in der Aula der Rudolf-Diesel-Realschule, so lautete die Ansage für die Neuhauser BA-Sitzung. Die ersten Eintreffenden schleppten also brav Tische und Stühle in die Aula - bis der Hausmeister kam und sie samt ihren Tischen und Stühlen zurück in ein Klassenzimmer scheuchte.

(Foto: Robert Haas)

Rund um die denkmalgeschützte Paketposthalle will der Investor Ralf Büschl nach Plänen des renommierten Architektenbüros Herzog & de Meuron Büro- und Wohntürme errichten, umrahmt von sechsgeschossigen Wohnblöcken mit Innenhöfen; die gigantische Halle mit ihrem gewölbten Dach, die als ein Meisterwerk der Industriearchitektur gilt, soll ein Ort für Veranstaltungen und Kultur werden. Vor allem diese verlockende Aussicht auf eine schicke Kulturstätte hat den Neuhauser Bezirksausschuss bezirzt. Er hat sich bislang im Grundsatz immer für die Planungen von Herzog & de Meuron ausgesprochen. In die anfängliche Euphorie mischen sich nun aber einzelne kritische Töne über Höhe und Dichte des Vorhabens. "Der neue Unterausschuss Bau wird da sicher einige spannende Debatten führen", erwartet Anna Hanusch (Grüne), die Vorsitzende des Neuhauser Bezirksausschusses. Der scheidende BA hat in seiner letzten Sitzung am Mittwoch einstimmig einen ÖDP-Antrag auf einen höheren Anteil von Wohnungen dort verabschiedet.

Ziemlich hoch: So sollen die beiden Türme an der Paketposthalle aussehen. Nun wird die Kritik daran lauter. Visualisierung: Herzog de Meuron

Im Oktober 2019 hat der Stadtrat die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen, derzeit müssen für dieses möglicherweise spektakulärste neue Baugebiet in München Organisationen, Verbände und Verwaltungsdienststellen ihre Stellungnahmen abgeben. Bernd Schreiber bedauert in seiner Stellungnahme, dass die avisierte Hochhausstudie der Stadt immer noch nicht vorliege. Der Entwurf für die Fortschreibung der Studie wurde dem Planungsausschuss des Stadtrates im Februar dieses Jahres vorgelegt, er werde nun "mit der Bürgerschaft und Fachleuten diskutiert", teilt Stadtbaurätin Elisabeth Merk mit. Und setzt hinzu: Die Maße der an der Paketposthalle geplanten "Hochpunkte" (so werden Hochhäuser in der Verwaltungssprache genannt) seien noch nicht abschließend festgelegt, sondern im Bebauungsplanverfahren "umfassend zu prüfen" und auch mit dem Landesamt für Denkmalpflege abzustimmen.

Zu einer Forderung aus der Neuhauser Bürgerversammlung im Herbst 2019, dem Bau der 155 Meter hohen Zwillingstürme nicht zuzustimmen und die Zustimmung oder Ablehnung der Münchner zum Hochhaus-Vorhaben auf dem Paketposthallen-Areal in einem Bürger- oder Ratsbegehren zu klären, verweist Elisabeth Merk darauf, dass ein Ratsbegehren derzeit nicht vorgesehen sei. Anfang des Jahres hatten ÖDP und Linke im Stadtrat ein Ratsbegehren beantragt, auch die Grünen unterstützten die Idee, der Stadtrat solle die Bürger abstimmen lassen, wie München es mit Hochhäusern halten will. Eine Mehrheit aus CSU, SPD, FDP und Bayernpartei lehnte dies jedoch ab. Um einen Bürgerentscheid auf den Weg zu bringen, müssten drei Prozent der Münchner ein solches Begehren unterschreiben, dies wären bei derzeit etwa 900 000 Stimmberechtigten 27 000 Münchner.

© SZ vom 02.05.2020

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