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Neuhausen/Nymphenburg:Dach überm Kopf

Traglufthalle Grub

Ob es stürmt oder schneit: Eine Traglufthalle soll das Training der Beachvolleyballer das ganze Jahr über möglich machen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Damit Münchens Beachvolleyballer wettergeschützt trainieren können, wollen ein Privatmann und der ESV München auf dem Vereinsgelände eine Traglufthalle bauen. Erste Planungskosten übernimmt der Bezirksausschuss - zögerlich

Für Beachvolleyballer ist der Winter hierzulande eine sportfreie Zeit. Das "Beach38" im Werksviertel am Ostbahnhof, in dem man dem Schmettern und Baggern auch sehr entspannt von der Bar und aus Strandliegen heraus zuschauen konnte, musste im vergangenen Jahr schließen, weil andere Immobilienprojekte auf dem Areal geplant sind. Seitdem hat die Beachvolleyball-Szene nirgends in der Stadt mehr ein Dach überm Kopf, keine Indoor-Trainingsmöglichkeiten mehr. Florian Runtsch treibt das seit geraumer Zeit um, er möchte eine neue Beachsporthalle auf den Weg bringen. Das geeignete Gelände hat er bereits zur Hand: Die Halle ließe sich auf den 1000 Quadratmeter großen Beachvolleyball-Sandplatz auf der Anlage des ESV München in Nymphenburg-Süd setzen, bei dem Runtsch auch Volleyball spielt.

Mit dem Verein sei alles so gut wie unterschriftsreif, erklärt er. Pia Kraske, eine der ESV-Geschäftsführerinnen, bestätigt das: "Wir stehen voll hinter dem Projekt." Alles andere wäre auch verwunderlich. Münchens mit aktuell rund 8000 Mitgliedern größter Breitensportverein, der erst im April 2019 einen mit Hilfe eines städtischen Sonderförderprogramms errichteten Anbau mit sechs vielfältig nutzbaren Sporthallen an der Margarete-Danzi-Straße eingeweiht hat, bekäme damit eine weitere Attraktion, ohne einen Cent dafür zu bezahlen. Im Gegenteil, Runtsch als Betreiber der Halle müsste noch Pacht zahlen. "Da kann man sich nicht beklagen", sagt Kraske denn auch vergnügt. Man habe, berichtet sie, auch schon gemeinsam bei der Lokalbaukommission (LBK) vorgefühlt und "positive Signale" empfangen.

Nun gilt es also, einen Bauantrag für die Traglufthalle bei der LBK einzureichen - und das Geld für diese Planung möchte Runtsch vom Neuhauser Bezirksausschuss (BA). 4897 Euro Zuschuss aus dem Stadtbezirksbudget hat er beantragt, das entspreche "etwa den 50 Arbeitsstunden", die der Architekt für die Erstellung der Eingabeplanung brauche, erklärte er. Bei der BA-Vorsitzenden Anna Hanusch (Grüne), selbst Architektin, gingen bei diesen Worten die Augenbrauen steil in die Höhe.

Der weitaus größere Brocken ist aber die Traglufthalle selbst: 150 000 Euro werde sie kosten, schätzt Runtsch. Auf Willi Wermelts (SPD) Frage, wer das finanziere, entgegnete er: "Zum Teil über eine Crowdfunding-Kampagne, der Rest von der Bank." Anna Hanusch drückte das Zögern, die spürbare Skepsis in der Runde schließlich so aus: "Ich find' das schwierig. Wir sollen jetzt die Herstellung einer Planung unterstützen, und wenn's dumm läuft, kommt das Projekt gar nicht zustande." Sie werde, setzte sie hinzu, dem Antrag nicht zustimmen.

CSU-Fraktionssprecher Leo Agerer dagegen fand die Nachfragen "ein bisschen kleinkariert": "Wir haben doch eh zu wenige Sportflächen im Viertel", warb er um Zustimmung. Als schließlich auch noch Alexander Sperling von der SPD für einen "Vertrauensvorschuss" plädierte, war eine Mehrheit für die Gewährung des Zuschusses in voller Höhe gewonnen. Dagegen stimmten nur einige Mitglieder der Grünen und der ÖDP.

© SZ vom 17.02.2020
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