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Neuhausen:Dem Backstage droht das Ende - diesmal wirklich

Backstage in München, 2010

Ärgernis und Publikumsmagnet: Im "Backstage" an der Friedenheimerbrücke herrscht die Angst, dass es Ende des Jahres die letzte Party gibt.

(Foto: Haas)
  • 25 Jahre gibt es das Backstage schon - und immer wieder drohte das Aus.
  • Zum Jahresende könnte es mit dem Veranstaltungszentrum tatsächlich vorbei sein.
  • Gründe dafür gibt es mehrere: Neue Anwohner stören sich an der Lautstärke der Veranstaltungen, zudem fehlt noch immer die Baugenehmigung für den Neubau.

Das drohende Aus ist eine vertraute Gefahrenstufe in der 25 Jahre währenden Geschichte des Backstage. Drei Mal ist der Club in dieser Zeit umgezogen - immer in eine zu der jeweiligen Zeit städtebaulich eher wenig attraktive Gegend, bis es dort immer schicker wurde und die alternative Konzert-Community deshalb erneut weichen musste. Diesmal nun scheint dieses Prinzip auf die Spitze getrieben zu werden.

Soweit, dass dem Backstage zur Jahresfrist sogar der Saft abgedreht werden könnte. Denn diejenigen, die sich in den Neubauten an der Friedenheimer Brücke nach und nach einmieten, haben keine Lust auf die dröhnenden Hallen zu ihren Füßen.

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25. Jubiläum

Laut, lauter, Backstage

Als die Münchner Subkultur am Tiefpunkt war, zog Hans-Georg Stocker das Backstage auf. Jetzt feiert die Location 25-Jähriges - obwohl es immer wieder Stress gab.

Das war abzusehen, doch mit dem Ausweichen ist es jetzt so eine Sache. Backstage-Betreiber Hans-Georg Stocker hat zwar bereits 2014 neben dem aktuellen Gelände an der Reitknechtstraße neuen Grund auf dem ehemaligen Deutschmann-Gelände gekauft, um der Hallen-Kultur endlich eine bleibende Heimstatt zu schaffen. Doch noch immer hat die Stadt die Baugenehmigung nicht erteilt. Das Projekt hängt in der Behördenschleife - und für das bestehende Veranstaltungszentrum tickt die Uhr.

Ende 2016 muss der Betrieb eingestellt werden, weil der akustische Puffer für die Neuzugezogenen fehlt. Die Lage ist also höchst misslich, die Zeit rennt der Betreiberfamilie Stocker davon. Helfen könnte die Politik, glauben sowohl die Hausherren als auch der zuständige Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg, der den unkonventionellen Machern von jeher treu zur Seite steht.

"Rund um uns wurde Baurecht erteilt, für das Wohnprojekt Friends als auch die Wohnungen von Pandion - und das gefährdet unsere Zukunft extrem!" Beate Stocker, Ehefrau des Betreibers Hans-Georg Stocker, trägt im Bezirksausschuss die aktuelle Notlage in bewegtem Stakkato vor: Für die näher rückende Wohnbebauung reichten die Lärmschutzvorkehrungen auf dem bestehenden Kultur-Areal nicht aus, die erste Klage der neu Zugezogenen habe sie bereits erreicht.

Die Baugenehmigung ist noch nicht da

Die Bestands-Baugenehmigung für das Stammhaus an der Reitknechtstraße läuft Ende 2016 aus: "Wir bekommen nur eine Verlängerung, wenn wir bis dahin bestimmte Lärmschutzmaßnahmen haben; das schaffen wir in der Zeit aber nie!" Notwendig sei die "uneingeschränkte Bespielbarkeit", bis der Neubau des gesamten Backstage steht. Aber, "und das ist halt der Knackpunkt", sagt Beate Stocker, "wir warten immer noch auf die Baugenehmigung!"

Die Sachlage ist kompliziert. 2014 hat Hans-Georg Stocker einen Teil des Nachbargrundstückes dazugekauft, auf dem das Citylogistikzentrum (CLZ) untergebracht ist; dort soll ein neuer Hallenkomplex mit mehreren Bühnen entstehen. Das Grundstück auf dem ehemaligen Deutschmann-Gelände liegt direkt neben der DHL-Halle. Die Stadtplaner bewerten die Pläne als positiv, vor einem Jahr wurde der Bauantrag eingereicht. "Aufgrund der Komplexität dauert das Prüfverfahren hinsichtlich der baurechtlichen Zulässigkeit noch an", heißt es aus dem Planungsreferat.