bedeckt München 14°
vgwortpixel

Neuhausen:Autos raus, Grün rein

Südliche Auffahrtsallee, Neuhausen

Ohne Autos gäbe es für Jogger und Fußgänger mehr Platz entlang der Südlichen Auffahrtsallee am Schloss Nymphenburg.

(Foto: Florian Peljak)

Wenn man einen 300 Meter langen Abschnitt der Südlichen Auffahrtsallee für den Verkehr sperrt, könnte der Grünwaldpark bis zum Nymphenburger Kanal erweitert werden - allerdings würden 55 Parkplätze wegfallen

Ein "großer Grünwaldpark", der sich bis ans Ufer des Nymphenburger Kanals erstreckt - das ist eine Idee, die im Neuhauser Bezirksausschuss große Sympathie genießt. Zweimal schon hat das Gremium sich und den Bürgern einen Vorgeschmack darauf gegönnt, als es den Abschnitt der Südlichen Auffahrtsallee zwischen Gerner Brücke und Waisenhausstraße einen Tag lang für sein Kinderfest sperren ließ. Für eine dauerhafte Entsiegelung und Begrünung dieses Straßenzugs gibt es allerdings kaum Chancen: Die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung weist darauf hin, dass der Kanal samt der beiden ihn säumenden Linden-Alleen Teil eines Denkmalensembles ist. Ganz aufgeben wollen die Stadtviertelpolitiker die mögliche Erweiterung der Grünanlage nicht. Im kommenden Februar wollen sie bei einem Ortstermin abklären, was an dem Straßenabschnitt möglich wäre, wenn man ihn wenigstens für den Autoverkehr sperrt.

Ausgetüftelt und in eine schicke Powerpoint-Präsentation mit Fotos, Skizzen und Argumenten verpackt hat die Vision von der Parkerweiterung vor zwei Jahren ein Ehepaar aus Neuhausen. Wenn man den 300 Meter langen Abschnitt der Südlichen Auffahrtsallee dem Park zuschlage, argumentierte das Paar, könnten 2300 Quadratmeter zusätzliche Fläche für Spiel und Sport gewonnen werden, zum Beispiel für einen zweiten Basketballkorb, einen Beachvolleyball-Platz oder ein Spielhaus. Möglich wäre auch eine sechs Kilometer lange Walking-Runde um den Park, am Hubertusbrunnen vorbei, hinüber zur Nördlichen Auffahrtsallee. Der Bezirksausschuss hat den Vorschlag damals an die Verwaltung weitergereicht, mit der Bitte um Prüfung. Nun liegt eine Stellungnahme, die gut ein halb Dutzend Dienststellen durchlaufen hat, aus dem Planungsreferat vor.

Die Verkehrsplaner haben keine gravierenden Einwände. Die Südliche Auffahrtsallee sei weder für Auto- noch Radverkehr Teil des Hauptwegenetzes, die Pkw - etwa 3000 Fahrzeuge täglich - könnten auch über die Nymphenburger Straße rollen. Allerdings müsste dann auf Höhe Waisenhaus-/Lachnerstraße eine Linksabbiegemöglichkeit geschaffen werden; derzeit ist dies untersagt, um die Trambahn nicht zu behindern. Alternativ wäre auch eine Umfahrung über Renata- beziehungsweise Winthirstraße zur Lachnerstraße möglich. Problematisch sieht die Verwaltung allerdings angesichts des hohen Parkdrucks in der Gegend, dass 55 Parkplätze zwischen Gerner Brücke und Waisenhausstraße wegfielen. Die CSU im Bezirksausschuss, zuverlässige Streiterin für Autofahrer und ihre Parkplätze, signalisierte bereits, dass sie dem nicht zustimmen könne. "Aber das sind doch genau die, über die wir immer Beschwerden kriegen", entgegnete BA-Chefin Anna Hanusch (Grüne). Gerne werden dort nämlich zur Empörung der Anwohner Lkw, Wohnmobile oder Anhänger abgestellt. Auch die Schlösser- und Seenverwaltung würde es begrüßen, wenn man diesen Verhau aufräumen könnte: Ein Parkverbot an beiden Auffahrtsalleen zur Kanalseite hin "erschiene realisierbar".

Aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde wiederum spricht viel für die Auflassung des Straßenzugs. Sowohl die Allee als auch der Grünwaldpark seien als Biotope kartiert und stünden unter Landschaftsschutz. Eine "Möblierung" jedoch mit Beachvolley- oder Basketballfeld und Skateranlage, da sind sich Naturschutz, Denkmalschutz und Schlösserverwaltung einig, würde den Denkmalcharakter und auch die Sichtachse zwischen Schloss Nymphenburg und Hubertusbrunnen stören.

Das Planungsreferat zieht aus dieser Gemengelage folgendes Fazit: Städtebaulich und gestalterisch also sei ein Auflassen dieses Straßenabschnitts zu begrüßen, sofern man den Verlust der Parkplätze in Kauf nehmen will, die Wegverbindung für Radler und Fußgänger solle aber bleiben. Und "ein Bespielen der Fläche sollte nicht weiterverfolgt werden".

© SZ vom 17.12.2019
Zur SZ-Startseite