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Neues Museum Nürnberg:Chefin mit Visionen

Simone Schimpf

Für Simone Schimpf haben Museen viele Funktionen, sind Kreativitätslabor und sozialer Treffpunkt

(Foto: Kathrin Schafbauer)

Simone Schimpf leitet das Neue Museum Nürnberg

Von Sabine Reithmaier, Nürnberg

Simone Schimpf freut sich sehr. "Ein tolles Haus", sagt sie und beginnt sofort, die Vorzüge ihrer künftigen Arbeitsstätte aufzuzählen. Die Architektur, die Lage, das tolle Team, die Stadt selbst - kein Zweifel, sie liebt das Neue Museum Nürnberg schon, bevor sie ihre Stelle als neue Direktorin angetreten hat. Zum 1. Juli übernimmt sie die Leitung des 21 Jahre alten Staatlichen Museums für Kunst und Design. Kunstminister Bernd Sibler rühmt sie bereits jetzt als großen Gewinn für die staatlichen Museen. "Mit klarem Fokus auf Publikumsorientierung, Partizipationsmöglichkeiten und Digitalität wird sie das Neue Museum Nürnberg erfolgreich in die Zukunft führen", glaubt er.

Ein bisschen Wehmut mischt sich freilich schon in Schimpfs Freude. Zu gern hätte sie in Ingolstadt 2022 noch das neue Museum für Konkrete Kunst und Design eröffnet, in dessen Realisierung sie viel Arbeit und Nervenkraft gesteckt hat. Als sie 2013 die Leitung des Museums für Konkrete Kunst (MKK) antrat, hatte die Stadt bereits den zweiten Wettbewerb für den Neubau hinter sich gebracht. Doch der Bau der 2000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche unter der alten Gießereihalle der ehemaligen Königlich Bayerischen Geschützgießerei gestaltete sich extrem schwierig. Simone Schimpf stand sämtliche Pleiten, Unwägbarkeiten und Verzögerungen tapfer durch, schaffte es gleichzeitig sogar, mit ihren Ausstellungen das Museum so im Bewusstsein der Bürger zu verankern, dass ein Leben ohne MKK in Ingolstadt heute undenkbar wäre.

Schimpf, 1973 in Darmstadt geboren, ist promovierte Kunsthistorikerin. Vor Ingolstadt arbeitete sie als Kuratorin für Kunst nach 1945 im Kunstmuseum Stuttgart (2006 bis 2013), vier Jahre davon als stellvertretende Direktorin.

Der Nürnberger Chefposten ist seit August 2020 vakant, da es damals Direktorin Eva Kraus als Intendantin an die Bundeskunsthalle in Bonn zog. Auch sie setzte bereits auf interdisziplinäre Ausstellungen, stand für Kooperationen und Vernetzung. Ein Kurs, den Schimpf mit Sicherheit fortsetzen wird.

© SZ vom 20.04.2021
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