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Neuerwerbung im Bayerischen Nationalmuseum:Frischer Fisch

Forelle Futteral

Fischfutteral mit sechsteiligem Messerset aus der Renaissance.

(Foto: Bastian Krack/Bayerisches Nationalmuseum)

Das Nationalmuseum bekommt eine Renaissance-Rarität

Von Evelyn Vogel

Ein lustiges Fischlein ist dem Bayerischen Nationalmuseum ins Netz gegangen. Der Freundeskreis des Hauses konnte ein seltenes Futteral aus dem 16. Jahrhundert in Form einer Forelle mit komplettem sechsteiligem Messersatz für die Sammlung des Museums erwerben. 160 000 Euro zahlte der Verein für die kostbare Rarität, die vergangenes Jahr bei der Kunstmesse Highlights in der Münchner Residenz angeboten worden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war sie einst Eigentum einer hoch stehenden Persönlichkeit und gehörte vermutlich zum Bestand einer fürstlichen Kunst- und Wunderkammer.

Gewiss kam das Besteck nicht täglich zum Einsatz. Aber es macht Spaß, sich vorzustellen, wie die lebensecht wirkende Forelle mit ihren schwarzen und roten Punkten, die über die goldene Schuppenhaut flirren, einst bei besonderen Gelegenheiten die Festtafel zierte. Und herrlich, sich auszumalen, welchen Überraschungseffekt der Hausherr beim Öffnen des Fisches und Herausziehen der Messer bei seinen Gästen auszulösen vermochte. Fürstliche Sammler machten sich gerne einen Spaß daraus, ihre Tischgesellschaften durch spielerische Tierautomaten und Ähnliches zu überraschen und zu begeistern.

Besteckfutterale aus der Zeit der Renaissance sind nach Angaben des Bayerischen Nationalmuseums recht selten. Nur eine Handvoll Exemplare hat sich erhalten: eines aus dem Besitz von Cosimo I. de' Medici im Leipziger Grassi-Museum, eines im Deutschen Klingenmuseum Solingen, eines in der Memorial Art Gallery der University of Rochester sowie zwei weitere in einer belgischen und einer Schweizer Privatsammlung. Das entscheidende Vergleichsstück befindet sich in der Sammlung des Grünen Gewölbes der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden. 1640 wurde ein solcher Fisch im Inventar der kurfürstlich-sächsischen Kunstkammer beschrieben: "1 Gepapter fisch, auswendig wie eine forelle gemahlet und fomiret, inwendig mit 6 stuck meßern, so perlenmutter hefte oder griffe haben."

Die Ähnlichkeit der Dresdener und der Münchner Forelle lassen einen engen zeitlich und räumlichen Zusammenhang der Entstehung vermuten. Bei beiden wird das Kopfstück direkt hinter den Kiemen abgezogen, wodurch die sechs Messer zum Vorschein kommen. Beim Dresdener Exemplar sind zwar die Messergriffe mit Perlmutt und feuervergoldeter Bronze aufwendiger gearbeitet, dafür ist das in München fünf Zentimeter länger. Eine Zierde für jedes Museum sind die lustigen Fischlein in jedem Fall.

© SZ vom 25.02.2021
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