Neuer S-Bahnhof in München Nächster Halt: Freiham

Er wird der 150. S-Bahnhalt im MVV-Netz: Im neuen Stadtteil Freiham geht nach acht Jahren Planung an diesem Samstag ein neuer Bahnhof in Betrieb. 11.000 Fahrgäste sollen hier pro Tag ein- und aussteigen - allerdings erst in etwa 15 Jahren.

Von Konstantin Kaip

Die Münchner S-Bahn hat einen neuen Halt: An diesem Samstag geht der Bahnhof Freiham als 150. Station im MVV-Netz in Betrieb. Die Haltestelle zwischen Neuaubing und Harthaus auf der Linie S8 soll das neue Wohngebiet Freiham erschließen, wo in den kommenden Jahren Wohnungen für 20.000 Menschen entstehen. Zur offiziellen Eröffnung am Freitag fuhren Vertreter von Stadt, Freistaat und Deutscher Bahn in einer historischen S-Bahn von 1972 auf dem Bahnhof ein. Sie betonten die Bedeutung der S-Bahn-Station für die Entwicklung des Stadtteils und lobten die vorausschauende Planung.

Von den beiden überdachten Bahnsteigen mit 210 Meter Länge und vier Meter Breite sollen laut Berechnungen der Bahn einmal 11.000 Fahrgäste am Tag in die Züge steigen. Weil es bis dahin aber noch etwa 15 Jahre dauert, musste der insgesamt 10,8 Millionen Euro teure Bau zum Großteil von der Stadt finanziert werden.

Sie steuert 8,5 Millionen Euro bei, den Rest zahlt der Freistaat. Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) bedankte sich bei der Einweihung bei den anwesenden Stadträten, welche die Finanzierung ermöglicht hatten. "Das Geld der Steuerzahler ist in dem neuen Bahnhof gut angelegt", versicherte sie. Die Anbindung an die Innenstadt über die S8 werde Freiham zu einem "lebendigen und hochattraktiven Stadtteil" im Münchner Westen machen.

Zeil wirbt erneut für die zweite Stammstrecke

Davon ist auch Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) überzeugt. Er sah in dem neuen Freihamer Halt ein "Zeichen vorausschauender Verkehrspolitik". Der Bahnhof mache das "Bahnland Bayern erfahrbar" und verdeutliche, wie wichtig ein leistungsstarker Nahverkehr für die "Dynamik eines Standorts" sei.

Das gelte jedoch nicht allein für die Metropolregion München, auch wenn diese den Löwenanteil der täglich 1,3 Millionen Fahrgäste in Regionalzügen und S-Bahnen stelle. Zeil warb auch für die "dringend benötigte" zweite Stammstrecke. Schließlich sei das Münchner S-Bahnnetz 1972 für 240.000 Nutzer pro Tag ausgelegt worden und müsse heute mehr als 800 000 verkraften.

Heiko Hamann, Leiter des Bahnhofsmanagements München bei der Bahn freute sich, dass die 150. S-Bahn-Station "rechtzeitig zur Wiesn" in Betrieb gehen konnte. Der Bahnhof sei "modern, funktional, attraktiv und komfortabel", befand er. Mit seinen beiden Aufzügen sei Freiham die mittlerweile 74. barrierefreie S-Bahn-Station in München, auch wenn die 90 Meter lange Rampe aus "Platzmangel" nicht rollstuhlgerecht realisiert werden konnte.

Kommunalreferent Axel Markwardt erinnerte daran, dass die Bahn zunächst kein wirtschaftliches Interesse an der neuen Station gehabt habe. "Es blieb uns nichts anderes übrig, als die Sache selbst in die Hand zu nehmen." Die Realisierung des Bahnhofs sei hohe Verwaltungskunst gewesen: Erst nach acht Jahren Planung, mehr als 100 Gesprächen, zwei "Eisenbahnkreuzungsverträgen" und sieben Stadtratsbeschlüssen habe der Bau- und Finanzierungsvertrag geschlossen werden können.

Bei den Betrieben des Gewerbegebiets Freiham Süd bedankte er sich daher für die Geduld. "Dass wir Ihnen den Bahnhof nicht von Anfang an zur Verfügung stellen konnten, war für uns ein starker Wermutstropfen." Zahlreiche Firmen im Gewerbegebiet feiern die Eröffnung am heutigen Samstag von 11 bis 17 Uhr mit Musik, Kinderprogramm und historischer Dampflok.