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Neuer Marktbericht:Günstiger wohnen - fernab von München

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Die Mietpreise im Überblick.

  • München und die umliegenden Landkreise gehören zu den erfolgreichsten Regionen europaweit.
  • Für den Immobilienmarkt bedeutet das überhöhte Preise - und dass deshalb immer mehr Käufer und Kapitalanleger vor allem Richtung Augsburg und Ingolstadt ausweichen.
  • Nun beobachtet das IVD-Marktforschungsinstitut der südbayerischen Makler diesen Trend auch auf dem Mietmarkt.

Das Großstadtleben hat seine Vorteile, aber man muss es sich leisten können. Nach Abzug der Miete bleibt dafür oft nur noch wenig Geld übrig. Aber deswegen aufs Land ziehen? Immer mehr Bürger, die in München einen neuen Job antreten, meiden inzwischen die Landeshauptstadt und ihr Umland und wählen einen Kompromiss: Sie ziehen nach Augsburg, Ingolstadt oder Rosenheim. Dort sind die Mieten um so viel günstiger, dass trotz zusätzlicher Kosten für den Arbeitsweg mehr Geld auf dem Konto bleibt. Das belegen neueste Zahlen über den Mietmarkt in Bayern.

München und die umliegenden Landkreise gehören zu den erfolgreichsten Regionen europaweit. Dies belegen regelmäßig zahlreiche Umfragen und Städterankings. Entgegen dem bundesweiten Trend verzeichnet die Region kontinuierlich steigende Einwohnerzahlen. In den vergangenen zehn Jahren wurde in der Landeshauptstadt ein Bevölkerungszuwachs von rund zwölf und im Umland von etwa sieben Prozent verzeichnet.

Für den Immobilienmarkt bedeutet das, dass immer mehr Käufer und Kapitalanleger wegen der überhöhten Preise in der Region vor allem Richtung Augsburg und Ingolstadt ausweichen - wegen des guten Wohnwerts, der Infrastruktur und der guten Verkehrsanbindung an die Landeshauptstadt. Nun beobachtet das IVD-Marktforschungsinstitut der südbayerischen Makler diesen Trend auch auf dem Mietmarkt. In München werde auf Jahre hinaus bezahlbarer Wohnraum fehlen, prognostizierte IVD-Chef Stephan Kippes am Dienstag bei der Vorstellung des neuen Marktberichtes. "Die extrem hohen Grundstückspreise sowie die kontinuierlich steigenden Baukosten führen dazu, dass in München eher im hochpreisigen Segment gebaut wird."

Das Angebot an bezahlbaren Objekten sei sehr gering. Also weichen viele in die näheren Mittel- und Großstädte aus - und das lohnt sich. So kostet der Quadratmeter für eine Neubauwohnung mit gutem Wohnwert in München aktuell 16,80 Euro. In Ingolstadt sind es vier Euro weniger. In Rosenheim muss der Mieter 10,60 Euro hinlegen, in Augsburg gar nur 9,80 Euro. Eine Doppelhaushälfte (125 Quadratmeter mit gehobener Ausstattung und in besserer Wohnlage) kostet in München 2230 Euro Monatsmiete, in Ingolstadt, Augsburg und Rosenheim jeweils um die 1300 Euro.

Was das Pendeln kostet

Da sind die Kosten für eine AboPlusCard der Bahn leicht zu verschmerzen: Von Ingolstadt zum Münchner Hauptbahnhof kostet die zweite Klasse monatlich 211,50 Euro, von Augsburg sogar nur 197,70 Euro. Und die Fahrzeiten mit den Regionalzügen sind in der Regel auch nicht länger als von vielen S-Bahn-Stationen in der Region.

Tatsächlich lässt sich an den Fahrgastzahlen der Bahn bereits das weiträumige Ausweichen vieler Mieter ablesen. Ein Bahn-Sprecher bestätigt, dass die Strecken aus Augsburg, Ingolstadt oder dem Werdenfelser Land verstärkt nachgefragt werden. 2014 nutzten bayernweit 355,5 Millionen Reisende die roten Regionalzüge und S-Bahnen - eine Steigerung von knapp zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Natürlich kann es aus wirtschaftlicher Sicht nicht im Interesse der Stadt und der Münchner Unternehmen sein, wenn Arbeitnehmer in andere Städte ausweichen. Kippes sieht deshalb die Firmen in der Pflicht, gerade für schlechter verdienendes Personal Mitarbeiterwohnungen anzubieten. Er nennt es "scheinheilig", wenn große Konzerne den Staat auffordern, das Angebot in diesem Segment zu verbessern, nachdem sie vorher ganze Wohnungsbestände paketweise verkauft haben, um Gewinne mitzunehmen. Wer im Großraum München Mitarbeiter gewinnen wolle, werde nicht umhin kommen, künftig für Mitarbeiterwohnungen etwas zu tun.

© SZ vom 16.12.2015/infu

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