Neuer Konzertsaal in München:Von welchen Seiten Widerstand gegen die Pläne kommen dürfte

Weder Seehofer noch Reiter wollen sich vor dem Gespräch am Montag zu den Plänen äußern. Kultur-Bürgermeister Josef Schmid kann der radikalen Lösung aber viel abgewinnen, führe sie doch dazu, "dass wir am Gasteig eine spitzenmäßige Super-Philharmonie" bekämen. Das zuständige Wirtschaftsreferat habe bereits vor Weihnachten eine Beschlussvorlage für den Stadtrat erarbeitet. Darin werden alle Stufen einer Gasteig-Sanierung inklusive Kosten aufgelistet - so auch die Seehofersche Maximallösung.

Demnach würde das Kulturzentrum saniert und die dortige Stadtbibliothek erweitert, der Gebäudeteil der Philharmonie aber entweder völlig entkernt oder aber gleich ganz abgerissen. Damit wäre Platz für einen komplett neuen Saal inklusive Proberäumen. Horst Seehofer hatte von 200 Millionen Euro gesprochen, die der Freistaat für ein Konzerthaus-Projekt zu geben bereit wäre. Sollte es dabei bleiben, seien auch Gesamtkosten von mehr als 400 Millionen Euro durchaus zu stemmen, glaubt Schmid. Er warte auf eine Entscheidung von OB und Ministerpräsident, dann könnte sich der Stadtrat bald mit dem Thema befassen.

Die Bauzeit dürfte drei bis fünf Jahre betragen

Knifflig könnte noch die rechtliche Konstruktion der Lösung werden. Das Gasteig-Kulturzentrum gehört der Stadt nämlich gar nicht. Es ist nur geleast, die Stadt schuldet der Firma AKL in Grünwald noch Raten in Höhe von 55 Millionen Euro und etwa 15 Millionen Euro Restzahlung. Die Summe müsste wohl auf einen Schlag bezahlt und der Leasingvertrag aufgelöst werden, damit sich der Freistaat an dem Projekt beteiligen kann.

Die maximale Lösung dürfte zudem maximalen Widerstand auslösen. Etwa beim BR und den vielen freien Konzertveranstaltern: Mehrere Gutachten waren zu dem Ergebnis gekommen, dass die Interessen der großen Orchester nicht in einer Philharmonie berücksichtigt werden könnten und ein weiterer Saal deshalb sinnvoll sei. Zudem ist völlig unklar, wo klassische Musik gespielt werden kann, solange die Philharmonie abgerissen und wieder aufgebaut wird.

Experten rechnen mit einer Bauzeit von drei bis fünf Jahren. Zudem dürfte es unter den mehr als 18 000 Abonnenten der Philharmoniker Unmut geben: Nach einem Neubau, wie er sich nun abzeichnet, müssten Konzertreihen in den deutlich kleineren Herkulessaal verlegt werden, etliche Abos könnten nicht mehr bedient werden.

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