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Neuer Kiosk in Schwabing:Nachts im grünen Würfel

In München immer noch eine Nachricht: An der Münchner Freiheit hat ein 23-Stunden-Kiosk eröffnet.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

In München ist das eben immer noch eine Attraktion: Der neue Kiosk an der Münchner Freiheit hat 23 Stunden geöffnet. Fast wie ein Späti in Berlin. Wären da nicht die Sauce von der Sternekoch-Tochter und der Bierpreis.

Samstagnacht. Es ist richtig kalt und dunkel. Die Supermärkte haben allerorten längst geschlossen. Am Rand der Münchner Freiheit steht ein Kiosk. Sein grellgrünes Licht zieht Nachtschwärmer an wie eine Glühbirne die Motten. Ein Mittfünfziger in offener Lederjacke und mit Piercing im rechten Ohrläppchen steuert zielsicher vom U-Bahn-Aufgang das Verkaufsfenster des kleinen Würfels an, aus dem leise Technomusik dringt und wo es nach Hot Dogs duftet. Der Mann, der erst seit einer Woche in München ist, bestellt sich ein Bier. "Ein Berliner hat eine Nase für solche Lokalitäten", sagt er. "Der lebt von Späti zu Späti."

"Späti" - also Spätkauf, wie es sie in vielen deutschen Großstädten zuhauf und in München fast gar nicht gibt - heißt das Lädchen in Schwabing zwar nicht. Zu später Stunde einkaufen, das können die Kunden dort trotzdem. 23 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Nur von drei bis vier Uhr morgens steht niemand hinter der Glasfront, um Snacks, Getränke und viele nützliche Kleinigkeiten zu verkaufen. Zu dieser Zeit fährt keine U-Bahn. Die digitale Uhr auf der Kioskkasse zeigt 23.49 Uhr an. Alexander Vesely reicht dem Berliner das Bier über den Tresen. "2,40 Euro", sagt er und zuckt mit den Schultern. Es klingt wie eine Entschuldigung. Der Kiosk solle nicht zur "Jodelhüttn" werden, erläutert er die Preisgestaltung später.

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Vesely ist einer der Betreiber des neu eröffneten Ladens. Der andere ist Matthias Kehr. Zusammen führen sie schon ein Delikatessengeschäft, nur 200 Meter weiter an der Haimhauserstraße. Das ist vor allem praktisch: Dort können die beiden die Snacks für ihren Kiosk vorbereiten. Viele Leckereien, die es im Geschäft gibt, verkaufen Vesely und Kehr auch im "Deubl Glass Cube". So heißt der Kiosk offiziell - nach der Glaserei, die die Hülle geliefert hat.

"Rote-Bete-Beeze, Rote-Brete-Breze"

Unter dem Tresen liegen selbst gemachte Empanadas, Brezen mit Rote-Bete-Frischkäse-Aufstrich, aber auch Ciabatta mit Käse. "Wir müssen auch normale Sachen anbieten, sonst kauft hier niemand etwas zu essen", sagt Kehr. Gerade wartet er geduldig auf die Bestellung von zwei Studenten, die sich wegen der großen Auswahl schwer entscheiden können. Vielleicht haben sie aber auch nur Mühe, genau zu formulieren, was sie wollen. "Rote-Bete-Beeze, Rote-Brete-Breze", sagt der eine und schwankt dabei leicht. Sie kommen aus einer nahe gelegenen Bar, wo sie offensichtlich nicht nur Alkoholfreies getrunken haben. Schließlich geben sie auf und widmen sich einem neuen Wort. "Eierschalensollbruchstellenverursacher." Den gibt es im Kiosk nicht. Dann ziehen sie ab, ohne etwas gekauft zu haben.

Kurz nach Mitternacht ist nur noch Vesely im Kiosk. Kehr ist nach Hause gegangen, um sich hinzulegen. Um sechs Uhr beginnen die Frühschicht und der Ansturm auf Kaffee und frisches Gebäck. Derzeit schlafen die beiden höchstens vier von 24 Stunden. Noch beschäftigen sie nur vier Mitarbeiter, bald soll die Zahl auf zehn anwachsen. Bis dahin sind Kehr und Vesely mit der Arbeit im Geschäft und der Organisation des Kiosks voll eingedeckt. Und dort gibt es noch einiges zu tun.