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Neuer Film von Joseph Vilsmaier:"In der Südsee halte ich es nur eine Woche aus"

Für seinen neuen Film ist Joseph Vilsmaier in einem Flugzeug über Bayern geflogen. Warum der Freistaat schöner ist als eine Südseeinsel und wieso nun wohl noch mehr Zuwanderer nach München kommen.

Philipp Crone

Joseph Vilsmaier hat bedeutende Filme gedreht - "Herbstmilch" (1988), "Schlafes Bruder" (1995) oder "Comedian Harmonists" (1997). Für seinen neuen Kinofilm ist der 73-jährige Regisseur in ein Flugzeug gestiegen und hat seine Heimat von oben gefilmt. "Bavaria - Traumreise durch Bayern" läuft am 26. Juli in den deutschen Kinos an.

PK zu 'Bavaria - Traumreise durch Bayern'

"Bavaria - Traumreise durch Bayern": Regisseur Joseph Vilsmaier präsentiert seinen neuen Film.

(Foto: dpa)

SZ: Herr Vilsmaier, sie drehen einen 90-minütigen Film über Bayern, wie lange ist München zu sehen?

Joseph Vilsmaier: 15 Minuten, von der Morgendämmerung bis in die Nacht! Da ist alles drin, vom Champions-League-Spiel, wo wir über das Stadion geflogen sind, als die Bayern gegen Basel gespielt haben. Genau so wie beim Flughafen, tagsüber und nachts. Da ist man ganz nah dran. An den Spielern im Stadion, und den Leuten im Flughafen-Tower haben wir gesagt, sie sollen freundlich schauen, wir haben eine lange Optik.

SZ: War es schwer, die Genehmigungen zu bekommen?

Vilsmaier: Nein, wir haben nichts Außergewöhnliches gemacht. Man muss nur die Vorgaben erfüllen. Über Städten und nachts zum Beispiel braucht man einen zweimotorigen Hubschrauber.

SZ: Was erfährt der Münchner neues über München?

Vilsmaier: Naja, wer aus dem Linienflugzeug auf München schaut, kennt seine Stadt nicht wirklich von oben. Also ist fast alles neu für ihn.

SZ: Und von oben ist München anders als von unten?

Vilsmaier: Freilich. Zum Beispiel der Marienplatz. Da sehe ich von unten den Hugendubel, die Baustelle und das Rathaus. Und von oben sehe ich den Alten Peter, den Hofgarten, die Frauenkirche, den Viktualienmarkt. Aber wir zeigen in München auch viel von unten. Vor allem Menschen. Wie sind die Leute drauf? Am Tambosi, am Viktualienmarkt. Dann zum Beispiel den Eisbach mit seinen Surfern, oder den Flaucher am Abend bei 30 Grad im Schatten. Da sind zehntausend Menschen an der Isar bis hoch zum Tierpark. Und als Gegenpol die U-Bahn am Morgen, wo die Leute so arg geschäftig rumlaufen.

SZ: Was entdeckt man denn noch so von oben?

Vilsmaier: Man sieht den Wandel vom Agrarstaat zum Industriestandort! Neulich waren wir unter der Woche etwa neuneinhalb Stunden in Franken unterwegs und haben genau drei Traktoren auf den Feldern gesehen. Dann haben wir noch einen gesehen, der Heu gewendet hat. Vielleicht sind die Leute in Bayern aber auch zu reich zum arbeiten (lacht). Oder die Landwirtschaft lohnt sich einfach nicht mehr.

SZ: Für Sie als Münchner, Sie gießen Ihre Heimat in einen Kinofilm.

Vilsmaier: Es ist eine Liebeserklärung. Ich bin mit Haut und Haaren Bayer. Du kannst mich auf die schönste Südseeinsel schicken. Da halte ich es nicht länger als eine Woche aus. Das hab ich einmal mit Walter Sedlmayr erlebt, auf Bora Bora. Da haben wir für den "Schwammerlkönig" gedreht. Ich gehe aus dem Bungalow raus und schaue in die Landschaft, auf das herrliche türkisfarbene Meer. Kommt der Sedlmayr und meint: "Vilsmaier, kummans a mal her. Wie lang samma denn jetz scho do? Ja mei" - sag ich, - "Herr Sedlmayr, vielleicht drei Stund"? Da sagt er: "Ich sag's Ihnen, wir sind scho vui zlang do!" Ganz so extrem ist es bei mir nicht, aber ich freue mich immer wieder, wenn ich von Reisen heim nach Bayern und München komme. Ich freue mich, nicht weil ich einen Baum hier so toll finde oder so. Nein, es sind eher die Menschen.

SZ: Aber die sieht man von oben nicht, nur von unten.

Vilsmaier: Das stimmt. Aber man sieht die Massen der Menschen, zum Beispiel bei der Wallfahrt von Altötting. Und man kann zeigen, wo die Menschen leben und sich bewegen.

SZ: Was durften Sie nicht drehen?

Vilsmaier: Eigentlich gab es keine Hindernisse. Nur beim Oktoberfest gab es eine Einschränkung, die ich gut verstehen kann. Da ist vor zwei Jahren mal ein Hubschrauber im Tiefflug über die Wiesn gedonnert, und die Leute haben sich auf den Boden geworfen, weil sie dachten, das ist ein Anschlag. Aber wir haben unsere Bilder dann mit der langen Optik aufgenommen. Aus einer gewissen Entfernung eben. Das war ein wunderbares Bild, die Wiesn in der Sonne, außen herum alles im Schatten. Und den Wiesneinzug, zwei Minuten lang, dazu Haindling mit seinem "Bayern, des samma mir!" Da willst du sofort auf das Oktoberfest gehen!

SZ: Also gibt es noch mehr Zuwanderer nach München und auf die Wiesn nach dem Film.

Vilsmaier: Ja, und jeder, der herzieht, muss mir eine Gebühr erstatten (lacht).

SZ: Kann man so einen Film auch über Brandenburg drehen?

Vilsmaier: Freilich. Das geht überall. Gerade heute haben wir ein Angebot aus China bekommen. Die wollen so einen Film. Da sollen wir zwölf Dokus drehen. Das würde ich sofort machen. Ich müsste dann nur nach zwei Wochen Dreh immer wieder eine Woche nach München zurück, damit ich kein Heimweh bekomme.

SZ: Oder den neuen Film ansehen.

Vilsmaier: Ja, damit würde ich es dort ein bisserl länger aushalten.

© Süddeutsche.de/sonn

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