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Neuer Chef im Stadtarchiv:Münchens Erbe

Das Münchner Stadtarchiv bewahrt die Fingerabdrücke von Sophie Scholl auf. Und noch viel mehr: Die wertvollsten Erinnerungsstücke in Bildern.

Sarina Pfauth

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Schatzkammer Stadtarchiv: Die Dokumente dort zeugen von schlimmen Ereignissen und schönen Zeiten. Die wertvollsten Erinnerungsstücke in Bildern.

Das Münchner Stadtarchiv in der Winzererstraße: In langen Regalen lagern hier Urkunden, Akten, Fotos und Filme, die die Münchner Geschichte bezeugen. Der neue Chef des Stadtarchivs hat in dieser Woche seinen Dienst begonnen. Michael Stephan ist 54 Jahre alt, lebt seit seinem 6. Lebensjahr in München - und uralte Dokumente ...

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... üben schon seit seinem Studium eine große Anziehungskraft auf ihn aus.

Stephan war zuvor im Bayerischen Hauptstaatsarchiv tätig. Ins Stadtarchiv hat er jede Menge Ideen mitgebracht: Er plant ein Stadtlexikon, in dem man alles nachlesen kann, was mit München zu tun hat. Und er will dafür sorgen, dass mehr Menschen Zugang zu den Kulturgütern bekommen - zum Beispiel durch das Internet. Bildbestände und andere ausgewählte Archivalien könnten ins Netz gestellt werden. Das ist aufwendig - und wird noch eine Weile dauern. Das Team des Stadtarchivs zeigt seine besonders wertvollen Erinnerungen aber schon jetzt im Netz - und zwar hier bei sueddeutsche.de.

Im Bild: Michael Stephan an seinem neuen Arbeitsplatz

Foto: Robert Haas

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Eine sehr junge Frau, ein entschlossener, ernster Blick: Im Stadtarchiv lagern die erkennungsdienstlichen Fotos von Sophia Magdalena Scholl. Sie wurden kurz nach ihrer Verhaftung am 20.2.1943 von der Gestapo angefertigt. Auch die Fingerabdrücke von Sophie Scholl, die ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus mit dem Leben bezahlt hat, sind auf dem Bogen zu sehen. Das Dokument stammt aus den Akten des Polizeipräsidiums München.

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Speisekarte für die Teilnehmer des Münchner Abkommens, 1938

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Kraftbrühe, Seezunge, Masthuhn, Obstsalat: Das spärlich bedruckte, weiße Blatt Papier ist die Speisekarte für die Teilnehmer des Münchner Abkommens von 1938.

Unter der Speisekarte ist eine "Vormerkung" mit folgendem Inhalt eingefügt:

"Abendessen anläßlich der Historischen Besprechung in München zwischen Hitler-Mussolini-Chamberlain-Daladier in der Verhandlungspause zwischen 20 1/2 und 22 Uhr. An diesen Abendessen haben u.a. teilgenommen: Der Führer, der Duce, der italienische Außenminister Graf Ciano und Herren der italienischen Begleitung, u.a. Minsiter Pittalis, von deutscher Seite: Ribbentrop, Neurath, Göring, Epp, Siebert, Wagner, Fiehler, Himmler, Bormann, Dietrich, Heß, Professor Hofmann."

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Einen Goldesel besaß die Stadt München zwar nie, aber diese Urkunde hatte ähnliche Vorzüge: 1332 bekamen die Münchner von Kaiser Ludwig dem Bayern das sogenannte "Salzprivileg" zugesprochen. Alles Salz aus Reichenhall durfte fortan nur bei München über die Isar gehen und nur hier gehandelt werden. München ist durch den Salzhandel denn auch ziemlich reich geworden.

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Dieses prachtvolle Goldschmiedemeister-Buch wurde von 1564 bis 1867 geführt.

Es ist zwar ein besonders kostbares, aber noch lange nicht das älteste Stück, das sich im Stadtarchiv findet: Die Urkundenüberlieferung setzt im Jahr 1265 ein, mehr als 2000 Dokumente sind 500 Jahre und älter. Der quantitative Schwerpunkt der Bestände liegt jedoch im 19. und 20. Jahrhundert.

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Befreit von der Cholera: Auf dem Bild ist ein Dankgottesdienst an der Mariensäule im Jahr 1854 zu sehen, der am Ende der Cholera-Epidemie gefeiert wurde. Es ist eines der frühesten Fotos im Bestand des Stadtarchivs.

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Die Formulare des Kreisverwaltungsreferats sehen inzwischen etwas anders aus: Auf dem Bild ist der Meldebogen von Thomas Mann zu sehen, der am 29. April 1898 nach München zog.

Der Lesesaal des Stadtarchivs in der Winzererstraße 68 ist zu folgenden Zeiten geöffnet: Montag, Dienstag, Donnerstag: 8.00 - 18.00; Mittwoch, Freitag: 8.00 -12.00.

Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich, wird aber empfohlen.

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(Text: sueddeutsche.de/pfau/lpr/jja)

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