Neue Wurstsorte kreiert Fettlos mit Geschmack

Ein Metzger und ein paar Wissenschaftler kreieren neue Wurstsorten und versprechen: Weniger Fett, genauso viel Geschmack. Wir haben schon mal getestet.

Von Nora Große-Harmann

Es kommt dann meist hinterher, das schlechte Gewissen. Mit drei Weißwürsten und Leberkäs im Bauch treibt es den Fleischliebhaber reumütig auf die Waage. Und wenn sich die Zahl auf dem Display vergrößert hat, verdoppelt sich auch der Unmut über das schwere Gefühl in der Magengegend.

Gesund schlemmen: Der fettarme Leberkäs von "VielLeicht".

(Foto: Foto: Edeka)

Ein neues Verfahren muss her, dachte sich der Allgäuer Metzger Josef Pointner. Ein Verfahren, mit dem man eine Wurst herstellen kann, die so gut wie kein Fett enthält und trotzdem nicht nach Gummi schmeckt.

Mehr als zwei Jahre lang experimentierte der Metzger aus Mindelheim in seiner kleinen Küche, bis er dás Münchner Fraunhofer-Institut mit seiner Idee vertraut machte. Dort war man begeistert. Zusammen mit Vertretern des Instituts und dem Geschäftsführer der Lebensmittelkette Edeka Südbayern feierte der Metzger nun die Markteinführung der fettarmen Wurst "VielLeicht".

Acht neue Wurstsorten stehen von Mitte Januar an in den Kühlregalen von Edeka Südbayern: Pfefferbeißer, Schweinsbratwürstl, Leberkäs. Die Würste enthalten allesamt weniger als drei Prozent Fett.

Der Wurstgenießer könnte skeptisch kommentieren: Ohne Fett schmeckt der Schinken einfach nicht so gut. "Das Besondere ist eine neue Verfahrenstechnik", sagt Hans Georg Maier, Geschäftsführer von Edeka Südbayern. "Die von Josef Pointner hergestellte Wurst schmeckt trotz niedrigen Fettgehalts gut."

Warum das so sein soll: Wurstwaren bestünden meist zur Hälfte aus Fleisch und zu einem Viertel aus Fett, weiß Peter Eisner vom Fraunhofer-Institut. Der Rest setze sich aus Wasser und Gewürzen zusammen. "Unsere Wurst hingegen enthält 64 Prozent mageres Fleisch", erklärt Eisner. "Das Fett haben wir durch Proteine ersetzt". Damit sei die Wurst genauso schmackhaft wie ihre fetthaltigen Konkurrenten.

Und Eisner will sogar noch eins draufsetzen: Die Wurst enthalte weder Laktose noch Gluten oder Geschmacksverstärker. Und dann bekommt das neue Produkt sogar noch Schützenhilfe aus der Universität: Dass die Markteinführung der "VielLeicht"-Wurst einen Beitrag zur gesunden Ernährung leiste, findet Hans Hauner, Professor für Ernährungsmedizin an der TU München. Dem Professor zufolge sind in Deutschland die Übergewichtigen zurzeit in der Überzahl.

Metzgermeister Josef Pointner preist indes seine Erfindung als "Weltneuheit" an. "Dass meine Idee in der Lebensmittelindustrie so großen Anklang finden würde, hätte ich mir nicht träumen lassen", sagt er. Vom "guten Geschmack" müssen sich die Kunden in Südbayern allerdings noch selbst überzeugen.