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Neue Toilettenanlagen geplant:Erleichterung an der Isar

Der SPD geht es an der Isar zu naturnah zu - deswegen fordert die Partei gekachelte Zeugnisse der Zivilisation an dem Fluss. Damit nicht alle ständig in den Büschen verschwinden müssen.

Der Stoffwechsel, man muss es sagen, zählt zu den elementaren Beschäftigungen der Menschheit. Und findet daher auch an der Isar statt - speziell im Sommer, wenn die Gestade des renaturierten Flusses als großes Freiluftlokal dienen. Für den Geschmack der SPD-Stadtratsfraktion geht es dabei etwas zu naturnah zu. Die Sozialdemokraten, vom Rathaus her ordentliche sanitäre Anlagen gewöhnt, wünschen sich die gekachelten Zeugnisse der Zivilisation nun auch an der Isar. Damit nicht alle ständig in den Büschen verschwinden müssen.

Sonnenbad an der Isar in München, 2011

Sonnenbad an der Reichenbachbrücke: Viele Münchner erleichtern sich am Fluss, es gibt nicht ausreichend Toiletten.

(Foto: Robert Haas)

Die mobilen blauen Plastikzellen mit Kaugummigeruch, vom Baureferat großzügig über die Isarauen verteilt, stellen nach Einschätzung der SPD keine Alternative dar - viele Leute verschmähen die engen und nicht immer sorgsam gepflegten Dixi-Klos. Deshalb sollen nun alle zusammenwirken: die Stadt und Isar-Anrainer wie Deutsches Museum, Müllersches Volksbad oder Lukaskirche bis hin zu den Kioskbesitzern, um ein großes Isarklo-Konzept auf die Beine zu stellen. Unter Berücksichtigung der Situation im Hochwasserbett und Landschaftsschutzgebiet, wie im Antrag steht.

Dabei soll zunächst einmal alles miteinbezogen werden, was jetzt schon Schüsseln hat - unter anderem die U-Bahnstationen Max-Weber-Platz, Fraunhoferstraße und Thalkirchen sowie der S-Bahnhof Isartor. Die SPD könnte sich vorstellen, die dort bestehenden Sanitärräume in ein neu zu erstellendes Klobeschilderungkonzept aufzunehmen - sprich: auf Schildern zu bewerben. Denkbar sei es aber auch, die benachbarten Lokale miteinzubinden. Was, diese Prognose ist wohl nicht allzu gewagt, bei den Gastronomen nur auf mäßige Begeisterung stoßen dürfte. Bei bestehenden wie auch geplanten Isarkiosken will die SPD prüfen lassen, ob ein Toiletten-Anbau möglich ist. Und damit die Örtchen auch in einem benutzbaren Zustand bleiben, sollen ihre Öffnungszeiten an die der "gastgebenden" Einrichtung angepasst sein - damit sich jemand verantwortlich fühlt. Was wiederum für die Isarfeiergemeinde einen gewissen Nachteil darstellt, da mancher Biertrinker seinem Hobby bevorzugt in den Abend- und Nachtstunden frönt. Und da hat die Lukaskirche gerne mal zu.

Fraglich ist allerdings, ob das Isarklo-Konzept in die übergeordnete Örtchen-Planung der Stadt hineinpasst. Zwar ist das Bemühen der SPD erkennbar, die neue Flusstoiletten-Armada möglichst privaten Betreibern zuzuordnen und somit den Zuschussbedarf aus städtischen Kassen in einem erträglichen Rahmen zu halten. Parallel dazu gibt es aber in der Stadtverwaltung Überlegungen, 34 öffentliche WC-Anlagen zu schließen. Der Stadtrat hat dem heftig umstrittenen Konzept des Kommunalreferats schon grundsätzlich zugestimmt. Allerdings soll erst noch ein Sanierungskonzept ausgearbeitet werden. Auch bei diesen Planungen wird übrigens die Kombi-Lösung Kiosk mit Toilettenanschluss eine Rolle spielen.