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Statistik:So leben Frauen in München

Wie sie ihr Geld verdienen, wie sie wählen - und wie viele von ihnen derzeit in der JVA sitzen. Ein Überblick in neun Grafiken.

Von Elisa Harlan und Katja Riedel

Maria hat bald Geburtstag, 44 Jahre wird sie alt. Wie sie wohl feiern wird? Wahrscheinlich mit ihrem Mann Thomas und mit ihrer 13-jährigen Tochter Anna; und vielleicht will Marias Schwester Elisabeth noch dazu kommen. Die ist Single, hat keine Kinder, so wie viele der Frauen aus Marias Bekanntenkreis - und der Männer auch. München ist halt wirklich die Singlehauptstadt Deutschlands, denkt Maria, mehr als 30 Prozent der Bevölkerung leben allein, hat sie gerade in der Zeitung gelesen. Sie selbst hat mit 31 Jahren geheiratet - da war Anna schon ein Jahr auf der Welt.

Für eine große Geburtstagsparty mit vielen Gästen ist die Wohnung in Trudering zu eng. Etwas zu mieten, ist zu teuer. Sie müssen sehen, wie sie mit dem Geld auskommen. Ihr Mann arbeitet als Verkäufer in einem Kaufhaus in der Innenstadt, Maria als Bürokauffrau bei einer Versicherung. Anna geht aufs Gymnasium, sollte sie das Abitur wirklich schaffen, will Maria ihr unbedingt ein Studium ermöglichen. Aber Maria will nicht jammern - schließlich geht es ihr besser als ihrer Freundin Sabine, die ist alleinerziehend, so wie knapp 30 000 andere Münchner. Und die meisten Alleinerziehenden sind immer noch Frauen, mehr als 80 Prozent.

In München leben mehr Frauen als Männer

Maria gibt es eigentlich gar nicht - denn sie ist ein Konstrukt, das sich aus einer großen Zahlenrecherche ergibt. Einer Suche danach, wer die durchschnittliche Münchnerin ist. Wie sie heißt, wie sie lebt und arbeitet, wie sie denkt, fühlt und konsumiert. Heraus kommen viele Zahlen: Die wichtigsten, die die Münchnerin beschreiben können, zeigen die Illustrationen.

760 916 Münchnerinnen hat das Melderegister Ende Mai dieses Jahres erfasst - etwa 20 000 mehr als Männer. Dennoch ist München keine Stadt, in der die Frauen an den wichtigen Machtpositionen in Politik und Gesellschaft, in den Verbänden, Universitäten und im Wirtschaftsleben weiblich dominiert wäre.

München hatte noch nie eine Oberbürgermeisterin, im Stadtrat ist die Frauenquote zuletzt sogar wieder gesunken. An der Spitze keines der sechs Münchner Dax-Konzerne steht eine Frau, einige haben sogar keine einzige im Vorstand, die das operative Geschäft an der Spitze mitverantwortet. Und auch die beiden Münchner Elite-Universitäten werden von Männern geführt. Aktuell sind selbst unter den Studenten die Frauen mit 47 Prozent noch knapp in der Minderheit.

München ist zuletzt weiblicher geworden. Doch es gibt sie noch, die frauenlosen Reservate. Und nicht immer hätte man sie dort erwartet, wo man sie vorfindet. Zum Beispiel in den großen Münchner Kunstmuseen, in den drei Pinakotheken und der Sammlung Brandhorst, in denen gerade viele Besucherinnen die berühmtesten Werke der Kunstgeschichte bewundern. Wie viele Werke von Künstlerinnen dort derzeit gezeigt werden? Na? Es sind zehn. In den Beständen der Museen finden sich 4250 männliche und 369 weibliche Künstler. Alles andere als eine gute Statistik.

© SZ vom 07.11.2015/axi
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