Neue Pinguine in Hellabrunn Punks im Frack

Sie tragen wippende gelbe Federbüschel auf dem Kopf und tauchen wie Torpedos ins Wasser ein: Das Polarium im Tierpark hat 14 neue Felsenpinguine vom Wiener Zoo bekommen. In freier Wildbahn sind die Tiere vom Aussterben bedroht - in Hellabrunn hofft man nun auf Nachwuchs.

Von Christina Warta

Helmut Kern, der Chef des Polariums, füttert seine 14 neuen Zöglinge.

(Foto: Tierpark Hellabrunn)

Sie sind in 14 kleinen Plastiktonnen angereist, fünf Stunden lang mit dem Auto von Wien nach München. Dann war die sehr spezielle Reisegruppe an ihrem Ziel angekommen: im Tierpark Hellabrunn. Ein Felsenpinguin nach dem anderen wurde aus seinem Reisefass gehoben und in das sieben Grad kühle Gehege entlassen. Doch von Schüchternheit keine Spur. "Sie sind sofort baden gegangen", sagt Helmut Kern, Revierleiter im Polarium.

Eine ganze Kolonie von Nördlichen Felsenpinguinen ist am vergangenen Donnerstag im Münchner Zoo eingezogen. Sie stammen aus dem Tiergarten Schönbrunn, in dem schon seit den achtziger Jahren Felsenpinguine leben. Die Wiener Kolonie wurde nun geteilt, 14 Tiere wurden an Hellabrunn abgegeben. "Dank der guten Beziehungen zu Schönbrunn haben wir jetzt die zweitgrößte Felsenpinguin-Kolonie in Europa", sagte Zoodirektor Andreas Knieriem und gestand, dass er auch persönlich ein Faible für die Vögel hat: "Sie gehören zu meinen Lieblingstieren."

In der Tat beeindrucken die Felsenpinguine mit einer unglaublich schicken Frisur: Links und rechts vom Kopf stehen wippende gelbe Federbüschel ab. "Rein optisch sind sie die Punks unter den Pinguinen", sagt Knieriem. Und auch ihr Verhalten ist alles andere als zimperlich: Bei der Fischverteilung scharen sich die relativ kleinen Tiere um Revierleiter Kern, schnappen ihm gierig die Fische aus der Hand und picken dabei schon auch mal nach der Konkurrenz. Und auch sonst sind die Tiere überaus agil: Wie Torpedos schießen sie aus dem Wasser heraus und wieder hinein. Schnell versammeln sich vor den Scheiben der Polarwelt die Besucher, um das Treiben der possierlichen Tiere zu verfolgen.

So eine Frisur muss ein Münchner Star-Coiffeur erst einmal hinbekommen: Ein Felsenpinguin im Münchner Zoo.

(Foto: Tierpark Hellabrunn)

In freier Wildbahn dagegen haben Felsenpinguine kein leichtes Leben: Wie viele Tierarten sind sie vom Aussterben bedroht. Ihr natürlicher Lebensraum liegt sehr abgelegen auf Tristan da Cunha im südlichen Atlantik sowie auf der Amsterdam- und der Sankt-Paul-Inseln im südlichen Indischen Ozean. Doch die Überfischung und Verschmutzung der Ozeane hat die Population der Pinguine drastisch dezimiert. In den vergangenen 37 Jahren habe die Zahl der Felsenpinguine um rund 57 Prozent abgenommen, heißt es auf der Website der Organisation IUCN, die die Rote Liste der bedrohten Arten erstellt.

Neben den sieben Felsenpinguin-Pärchen sind in Hellabrunn vor kurzem auch zwei Königspinguin-Männchen aus dem Madrider Zoo eingezogen. "Nautilus" und "Rocio" sollen den alteingesessenen Weibchen "Frankonia" und "Vienna" künftig Gesellschaft leisten. Und nicht nur das: Wie bei den Felsenpinguinen hofft Knieriem auch bei den Königspinguinen auf baldigen Nachwuchs. Helmut Kern dagegen hat zuvor noch anderes vor mit den beiden sehr stattlichen Pinguinen: "Die müssen erst noch ein bisschen abspecken", sagt er.

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