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Neue Kampagne:Freunde gesucht

Ende 2015 soll das Kinder-Palliativzentrum in Großhadern stehen. Die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München träumt ergänzend von einem eigenen Haus. Simulation: oh

Um unheilbar kranke Kinder zu betreuen, braucht das Ambulante Kinderhospiz jährlich rund 750 000 Euro an Spenden

600 Kinder sterben jedes Jahr in Bayern an unheilbaren Krankheiten. Für die oft lange Leidenszeit gibt es zwar jede erdenkliche medizinische Hilfe - aber viel von dem was außerdem noch notwendig wäre, kommt zu kurz: Das geht vom Umgang mit Verwaltung und Krankenkassen über die Hilfe bei der Organisation des Alltags, hört bei psychologischer Betreuung noch nicht auf und auch nicht bei der freundschaftlichen Begleitung, beim Da-sein, Zuhören, die Hand halten. Das benötigen nicht nur die jungen Patienten - auch ihre Eltern, die ganze Familie, Geschwister, Großeltern, Freunde versetzt eine tödliche Erkrankung in den Ausnahmezustand. In dieser Situation zu helfen, hat sich die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München (AKM) zur Aufgabe gemacht - allein: Es fehlt wie so oft an Geld.

Eine Million Euro pro Jahr benötigt Christine Bronner, Gründerin und Leiterin der Stiftung; damit werden 150 Patienten und ihre Familien in Bayern betreut. Mindestens drei Viertel des Jahresetats muss aus Spenden kommen, nur der weitaus kleinere Teil ist durch öffentliche Zuschüsse oder durch Leistungen der Krankenkassen abgedeckt. Bronner wünscht sich "Große Freunde - Kleine Freunde". So lautet der Titel der Kampagne, die die Arbeit der Stiftung auf standfeste Beine stellen soll.

Kleine Freunde: Das sind die Spender, die mal zehn, mal 100 Euro geben, Summen, die Christine Bronner nicht geringschätzt, aber dennoch: "Große, potente Unterstützer" wünscht sie sich, Unternehmen, die durch langfristige Zusagen größerer Summen vor allem die Arbeit der hauptamtlichen Mitarbeiter sichern.

Mitstreiter, wenn auch noch nicht Geldgeber, hat AKM bereits gefunden: Günther Maria Halmer, der Schauspieler, ist Botschafter der Stiftung, geht für sie auf Lesereise und will seine Freunde von den Eagles Charity Golfern aktivieren. Die Bayern-Basketballer engagieren sich ebenfalls, ihr Geschäftsführer Volker Stix, noch mitgenommen von der Niederlage im Meisterschaftsfinale tags zuvor, berichtete, dass die Mannschaft aus ihrer Kasse gespendet habe, bei Spielen unter den Zuschauern gesammelt wurde; die Mitarbeiter haben an Weihnachten zusammengelegt.

Anders als bei älteren Hospiz-Patienten dauert die Betreuung bei jungen Betroffenen sehr viel länger - zwei Jahre im Durchschnitt. Das bringt auch völlig andere Probleme mit sich: Die Eltern müssen vielleicht arbeiten und benötigen spezielle Tagesbetreuung. Die Patienten selbst, sind sie erst einmal älter, verspüren die gleichen Wünsche wie andere junge Erwachsene: zum Beispiel den nach einer eigenen Wohnung. Deshalb hat Bronner einen Traum: ein Haus für ihre Kinder, mit Tagesbetreuung, Wohngruppen und anderen Möglichkeiten. Gerade entsteht in Großhadern das Kinderpalliativ-Zentrum, zu dem dieses Haus eine Ergänzung sein könnte. Dass es zu mehr als 50 Prozent aus Spendengeldern finanziert wurde, stimmt Bronner hoffnungsvoll: "In München ist noch viel mehr Geld übrig."

© SZ vom 23.06.2015
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